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Arend Oetker

"In Europa sind wir top"

Til Knipper
BDI-Vizepräsident Arend Oetker über den Innovationsstandort Deutschland.
Arend Oetker sieht in der Krise eine Chance für InnovationenFoto: © LUCKY LOOKY
Junge Karriere: Herr Oetker, Sie sind Vater von fünf Kindern. Setzen Sie die manchmal als Trendscouts oder Produkttester ein? 
A. Oetker: Ständig, die sind inzwischen alle am Unternehmen beteiligt. Ein Instrument, auch die Jüngeren für das Unternehmen zu interessieren, ist, sie neue Produkte testen zu lassen, seien es Marmeladen, Müsliriegel oder Fruchtdrinks. Meine Kinder sind häufig die kritischsten Tester, und ihr Feedback gebe ich dann ungefiltert an die Firma Schwartau zurück.
Wie sind die Innovationszentren in Ihrem Unternehmen organisiert? 
In Schwartau haben wir eine sogenannte Pilot Plant eingerichtet. Im Erdgeschoss einer alten Fabrikhalle werden neue Produkte an kleinen Maschinen und per Hand in geringer Stückzahl produziert. Darüber, in der ersten Etage, sitzen die Labors, und in der zweiten Etage das Marketing. Entwicklung und Marketing müssen bei Innovationen eng zusammenarbeiten, damit man nicht an den Bedürfnissen des Verbrauchers vorbeiproduziert.

Die besten Jobs von allen

Wie stehen die Deutschen im internationalen Vergleich da? 
Forschung und Entwicklung haben in allen Bereichen der Industrie einen extrem hohen Stellenwert. In den USA wird noch mehr Geld investiert, aber in Europa sind wir ganz weit vorne. Das ist aber auch notwendig in einer wissensbasierten Gesellschaft in einem Land ohne nennenswerte Rohstoffvorkommen.
Besteht die Gefahr, dass die Unternehmen in der jetzigen Krise beim Innovationsmanagement und der Forschung sparen? 
In Krisenzeiten an Forschungsaufwendungen zu sparen, ist immer falsch. Viele Unternehmen schöpfen aus ihrer Innovationskraft ihren Wettbewerbsvorteil. Da wird man sehr genau hingucken, was man beispielsweise nach der Krise anzubieten hat. Denn auch diese Krise wird nicht ewig währen.
Inwieweit kann der Mittelstand beim Innovationsmanagement mit den großen Konzernen mithalten? 
Die Erfinder kommen häufig gerade aus mittelständischen Unternehmen. Bei erfolgreichen Neuentwicklungen müssen sich Mittelständler immer überlegen, ob sie mit anderen Unternehmen kooperieren wollen. Die Alternative dazu ist eigenes, sehr schnelles Wachstum, was häufig nicht so einfach ist. Die Politik sollte stärkere steuerliche Anreize für Unternehmen schaffen, in Forschung und Entwicklung zu investieren. Das würde dem Thema einen richtigen Schub geben.
Sie sind auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik. Gibt es gemeinsame Projekte zwischen Politik- und Thinktanks in Unternehmen? 
Es gibt zum Teil Berührungspunkte, weil Außenwirtschaftspolitik und Außensicherheitspolitik immer stärker zu einem Themengebiet zusammenwachsen. Aber beim Stifterverband planen wir gerade, Zukunftsforschungsinstitute, Politik und Unternehmen regelmäßig zusammenzubringen, damit wir die langfristigen Trends nicht aus den Augen verlieren.
Die Thinktanks der Konzerne sitzen häufig in Berlin. Betreiben die auch eine Art Lobbying? 
Lobbying würde ich das nicht nennen. Es findet ein Austausch mit der Politik statt, die sich ebenfalls mit langfristigen Entwicklungen befasst. Berlin ist für viele junge Menschen attraktiv, auch aufgrund der drei großen Universitäten. Insofern gibt es in dieser Stadt gelebte Zukunft zu beobachten.
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Dieser Artikel ist erschienen am 01.01.2009