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MBA-Studium

Im Doppelpack: MBA und MEM in Illinois

U. Seidel
Ulrich Seidel hat zwei Jahre lang die Kellogg School of Management, Northwestern University,Evanston, in Illinois absolvierte dort ein Doppelstudium, das MMM (Master of Management and Manufacturing). Es bietet ein integrietes Curriculum von MBA und MEM (Master of Engineering Management). Für Junge Karriere berichtet er von seinen Erfahrungen.
There's no better time... (01/2003)
Politik, Midterms and Recruiting (02/2003)
Spring break finals (03/2003)
GMAT & Co (05/2003)
Second year (10/2003) 
Second year (10/2003)

Die besten Jobs von allen

Der Sommer ist im Flug vergangen und schon befinde ich mich wieder im Business School Alltag. Obwohl ich mich schnell eingewöhnt habe, sind einige Dinge dann doch anders als "second year".

Summer internship
Natürlich wurde die ersten zwei Wochen nur über die Sommer Praktika gesprochen. Das äußert sich dann dahingehend, dass Dir am Gang neben der gewohnten Floskel "How you doin'?" noch ein "How was your summer?" nachgeworfen wird - keine Angst auch hier kann getrost immer mit "great" geantwortet werden. Natürlich war nicht alles toll und ich war etwas überrascht, wie viele meiner Kommilitonen nur mittelmäßige Erfahrungen gemacht hatten. Besonders aus der Beratung kamen da kleine Horrorgeschichten, und viele werden wohl noch mal durch den ganzen Interviewprozeß laufen. Da haben es die Leute mit Angeboten auf dem Tisch schon leichter. Sie können ganz relaxt in Ihre Bewerbungsgespräche gehen oder sich den Streß gleich von vornherein schenken. Ich hab auch schon Scherzchen gehört, dass Leute ihr Angebot unterschreiben, auch wenn's nicht so toll ist, Hauptsache sie haben ein Job und müssen nicht mehr durchs "Recruiting".

Ob das so schlau ist? Ausserdem sieht's so aus, als würde die Wirtschaft doch wieder ein wenig anziehen. Zumindest sind einige große Arbeitgeber wieder ordentlich auf Talentsuche. Besonders Unternehmensberatungen scheinen nach harter interner Selektion und gemäßigter Einstellungsstrategie der letzten 2 Jahre wieder richtig Bedarf zu haben. Nicht nur die Beratungen tun alles, um das Augenmerk auf sich zu ziehen und so könnte man auch im 2. Jahr fast jeden Tag auf eine Firmenpräsentation gehen. Wahrscheinlich ist ähnlich viel geboten wie im ersten Jahr, aber genauso, wie man mit der Zeit rausfindet, dass nicht alle Hausaufgaben wichtig sind, gehen die "second years" wohl etwas zielstrebiger auf ausgewählte Veranstaltungen.

Tiefgang im 2. Jahr
Eigentlich ist alles erst mal wie im letzten Jahr: Vorlesungen, Gruppenarbeiten und Cases nach Herzenslust. Trotzdem, fast alle Pflichtfächer sind erledigt und man kann sich etwas mehr spezialisieren. In den Grundkursen wurden die Basiskonzepte vermittelt und man kann sich besser vorstellen, was in weiteren Kursen so abläuft. Ich habe mich entschlossen, meinen Ingenieurs-Lebenslauf durch einen major in Marketing aufzuheitern. Für die meisten Hauptfächer sind 3 Kurse über den Grundkurs hinaus notwendig d.h. neben meinem Grundkurs in Marketing Management belege ich dieses Quarter Marketing Strategy und Marketing Research. Letzteres ist verpflichtend für den major. Nächstes Quarter kommt dann wahrscheinlich noch Service Marketing oder Sales force Management dazu - und fertig ist der major.

Es ist Einstellungssache, ob man sich strategisch möglichst viele majors zusammensammelt oder einfach die Kurse belegt, die für einen selbst am wichtigsten sind. Einen major muss man machen, um den Abschluss zu bekommen aber ich glaube, man braucht schon Talent, um nicht von selbst über einige zu stolpern. Manchmal wiederholen sich Dinge, aber grundsätzlich haben die Wahlkurse mehr Tiefgang.

Tiefgang - das ist das von unserem Dean ausgerufene Motto für dieses Jahr. "Dig deeper" waren seine Worte an die second years und er meinte damit, dass wir unser gelerntes Wissen vertiefen, aber auch Professoren und Studienkollegen mehr fordern sollten. In gewisser Weise ist es auch notwendig, den Standard-MBA ein Stufe weiterzutreiben. Vor einigen Jahren war man noch der Held mit einem MBA in der Tasche und konnte Chefs wie Kollegen gleichermaßen mit Fallstudienerfahrung und analytischen Fähigkeiten beeindrucken - heute gehört der MBA zumindest in Corporate America zur Grundausrüstung fast aller Führungskräfte. Da muss man sich schon was einfallen lassen, um sich zu differenzieren. Kellogg baut da sehr stark auf Führungsqualitäten als Differenzierungsmerkmal - der für Kellogg bekannte Teamansatz ist zwar immer noch vorhanden, aber inzwischen in allen Programmen dieser Erde verbreitet und wirklich nichts Außergewöhnliches mehr. Irgendwie scheint es ganz gut zu laufen, denn zum zweiten Mal wurde Kellogg nun vom Economist zur besten Business School der Welt gekürt. Genaueres zum Ranking: http://www.which-mba.com/
Final projectsEin weiteres Phänomen des zweiten Jahres scheinen die Abschlussarbeiten in jedem Kurs zu sein. Dabei werden im Team entweder Beratungsprojekte für "echte" Klienten durchgeführt, Fallstudien oder wissenschaftliche Artikel geschrieben. Bei 5 Kursen kommt da einiges auf einen zugerollt, und um ganz ehrlich zu sein, ich hab selbst noch keine Idee, wie das klappen soll. Einerseits ist das noch mal mehr Arbeit - echte Klienten brauchen einfach mehr Zuwendung als eine Fallstudie - andererseits aber auch ein guter Check, wie sich gewisse Konzepte auf die Wirklichkeit übertragen lassen. Hier wäre es doch mal angebracht, Euch ein Exhibit unterzujubeln:

Exhibit 1: Final Projetcs - sample
Class Final Project
OPNS 454, Operations Strategy Zulieferkette für einen Luftballonhersteller
OPNS 455, Supply Chain Management Kapazitätsplanung eines Chemiekonzerns
TECH 919, Innovations Management Software Produktentwicklungsprozess
MKTG 450, Marketing Research Umfrage zu Molkereiprodukten
MKTG 466, Marketing Strategy MarkStrat - Simulation

Lasst Euch nicht abschrecken, meine Kurse sind wohl ziemlich stark auf Operations ausgerichtet und Deine Fächer kannst Du Dir ja schließlich selber zusammensuchen - im zweiten Jahr noch mehr als im ersten - http://www.kellogg.northwestern.edu/academics/academics/index.htm

Networking für Europäer
Kein Zweifel, Kellogg ist trotz seiner Internationalität immer noch eine US Business School, und das heißt, nicht nur die Fallstudien im Unterricht sind meistens über amerikanische Firmen sondern auch die Recruiter kommen in erster Linie aus Corporate America. Früher war das kein Problem, da es so viele Jobs gab, da wurden Europäer, Südamerikaner und Asiaten gleichermaßen eingestellt. Offiziell darf man ja mit einem F1 Visa bis zu einem Jahr nach Abschluss hier arbeiten - dann haben die Firmen entweder die Einwanderung beantragt oder die Leute in die entsprechenden Länderorganisationen versetzt. Beides kann für die Firmen ziemlich teuer werden und ist wahrscheinlich auch der Grund für die derzeitig Zurückhaltung gegenüber den Internationals. Nicht, dass man keinen Job bekommen könnte, aber es ist deutlich schwerer als für Amerikaner.

Der European Business Club hier in Kellogg ist besonders aktiv, um den Europäischen Studenten die richtigen Kontakte zu verschaffen -
http://www.kellogg.northwestern.edu/student/club/european/index.htm.

So hat der Club z.B. gemeinsam mit europäischen Vertretern der anderen sieben Top-Schulen (u.a. Harvard, Standford, MIT) Ende November die größte europäische MBA-Recruiting und Networking-Veranstaltung des Jahres auf die Beine gestellt. An die 400 Studenten werden fuer drei Tage nach London einfliegen, um dort im Hilton Metropole mit potenziellen Arbeitgebern aus ganz Europa zusammenzutreffen.

Außerdem gibt es eine Konferenz aller deutschen MBA-Studenten in Boston. Das ist eine echt gute Idee, um ein Netzwerk unter den Deutschen an Top Business Schools hier in USA aufzubauen.
http://www.germanmbaconference.org/index.html

Da steckt zum großen Teil Frank Ehmer dahinter, der hier auch ein Tagebuch schreibt - Harvard Business School, Boston, Massachusetts.

Infoveranstaltung der Kellogg School of Management in München
So, und wer immer noch am überlegen ist, ob sich das mit dem MBA wirklich rentiert, kann sich gern persönlich ein Bild machen. Voraussichtlich am 15. Dezember gibt es eine Infoveranstaltung der Kellogg School of Management in München. Ihr seid herzlich eingeladen zu kommen. Schreibt mir doch einfach eine kurze mail und ich werde Euch auf dem Laufenden halten.