Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche
Foto: Jürgen Fälchle/Fotolia.com
Versicherungen

Her mit den Mathematikern!

Teil 2: Mit tiefen BWL-Kenntnissen in den Vertrieb

Welche Jobs in der Branche angeboten werden, welche Ausbildungsinstitute und welche Trends es gibt und warum Ansprechpartner wichtig sind, die die gleiche Sprache der Bewerber sprechen, weiß Heinrich Schradin, Geschäftsführender Direktor des Instituts für Versicherungswissenschaft an der Universität Köln.

In welchen Bereichen sehen Sie die besten Möglichkeiten für Berufseinsteiger?
Heinrich Schradin, Institut für Versicherungswissenschaft an der Universität KölnFoto: Uni KölnIm Vertrieb, in der IT und im Risikomanagement sind die Chancen besonders erfolgversprechend. Im Vertrieb besteht generell ein Engpass an Akademikern. Jede Generation braucht hier Ansprechpartner, die die gleiche Sprache sprechen. Das betrifft nicht nur Personen-, sondern auch Sachversicherungen. Für die Vorsorge und im Bereich der professionellen Kunden aus der Wirtschaft ist der Vertrieb sehr anspruchsvoll, hier bedarf es tiefer betriebswirtschaftlicher Kenntnisse. Das gilt zum Beispiel für die Beratung zur betrieblichen Altersvorsorge oder für die Risikoanalyse bei Betriebsunterbrechungen, wie bei der Aschewolke vor zwei Jahren, die den gesamten Flugverkehr lahmlegte. Auch die Umsetzung der EU-Regelungswerke für das Risikomanagement ist ein Fall für gut ausgebildete Akademiker.

Die Versicherungsbranche sucht – fächerübergreifend – Hochschulabsolventen. Gibt es zu wenig spezialisierte Studiengänge?

Institute für das Versicherungswesen sind in Deutschland nicht allzu weit verbreitet. Es gibt sie in Köln, München, Hamburg und Mannheim. Doch besteht in der Regel eine enge Zusammenarbeit mit den Kollegen aus der juristischen Fakultät, den Naturwissenschaften und der Medizin. Versicherungen sind jedoch ein Nischenbereich, das Branchenimage ist leider nicht besonders gut. Dafür können wir mit noch überschaubaren Seminargrößen punkten. In der Wirtschaftsmathematik und bei den Juristen ist das Versicherungswesen als Wahl- oder Nebenfach möglich, bei den Naturwissenschaftlern ist es meist eine Frage in Abschlussarbeiten und wird dann zum angewandten Themengebiet.


» jobAgent Banking & Finance:

Individuelles Angebot für die Leser

Zeigefinger   

Halten Sie den Arbeitsmarkt der Finanzbranche mühelos im Blick: Mit dem jobAgent Banking & Finance können Sie Ihr individuelles Profil anonym und kostenlos hinterlegen. Der jobAgent recherchiert dann in über 40 Zeitungen und Stellenbörsen. Stellenangebote, die Ihrem Suchprofil entsprechen, werden Ihnen jeden Montag kostenlos zugesandt. 
Foto: ferkelraggae/Fotolia.com


Zum jobAgent Banking & Finance »»»

Wo können Berufseinsteiger die besten Erfahrungen sammeln: Klassisch im Versicherungsunternehmen oder besser bei Finanzdienstleistern?

Auf den Vertrieb bezogen – und das kann es ja bei Finanzdienstleistern typischerweise nur sein – ist das ein Riesenunterschied. Bei Finanzdienstleistern lernen Mitarbeiter den Markt am besten kennen, denn sie sind breit aufgestellt. Wer sich spezialisieren will, geht am besten zum passenden Versicherungsunternehmen. Aufgrund der dort möglichen unterschiedlichen Aufgabenstellungen auch außerhalb des Vertriebs sind hier natürlich auch andere Fachkarrieren möglich.