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Peter Schaubach

"Geld ist nicht nur Lust, sondern auch Last"

Christoph Mohr
Als einzige deutsche Hochschule bietet die private European Business School (EBS) ein Kompetenzzentrum im Bereich family office. Die Selbstdarstellung verspricht Forschung und Aus- und Weiterbildung. Der CFFO-Leiter Peter Schaubach, 39, erklärt im Interview, wie viel von der Ankündigung Wirklichkeit geworden ist.
Peter Schaubach, CFFO-Leiter an der European Business SchoolFoto: © PR
Herr Dr. Schaubach, an der European Business School (EBS) gibt es seit dem letzten Jahr das CFFO Center for Family Office. Wie kam es zu dessen Gründung?
Das Thema Family Office interessiert und beschäftigt uns schon viele Jahre. Die zunehmende Bedeutung in der Praxis und die gleichzeitig kaum vorhandene wissenschaftliche Begleitung erforderte im letzten Jahr die Institutionalisierung der Thematik mittels eines fokussierten Centers. Auf Grund des klaren Fokus auf das Vermögensmanagement der sehr reichen Personen und Familien haben wir es im Bereich des Stiftungslehrstuhls Private Finance & Wealth Management und dem PFI Private Finance Institute angesiedelt.
Woher stammt Ihr eigenes Interesse an diesem Bereich? Und was qualifiziert Sie eigentlich?
Der Ursprung des Interesses geht auf die Anfänge meiner Promotion zurück, welche ich im Jahr 2002 zum Thema Family Office abgeschlossen habe. Seit dieser Zeit, in der der Begriff nahezu unbekannt war, hält die Faszination des Themas bei mir an und stärkt die Überzeugung der Notwendigkeit einer wissenschaftlich unterstützten Fundierung.

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Womit genau beschäftigt sich das CFFO?
Die Ziele und Aufgaben des CFFO sind vielfältig. Möchte man es in einem Satz formulieren, wäre es die gezielte wissenschaftliche Auseinandersetzung praxisbezogener Fragestellungen rund um das Thema Family Office, die Unterstützung von Familien beim Aufbau eines eigenen bzw. der Nutzung externer Family Offices, die spezifische Weiterbildung von Mitarbeitern im Family Office sowie die adäquate Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen. Dabei sind wir in den vier Bereichen: Forschung/Beratung, Lehre, Weiterbildung und Netzwerk aktiv. Die Erkenntnisobjekte und Anspruchsgruppen bilden die Vermögensinhaber, die Single und Multi-Family Offices sowie Dritte (z.B. Berater oder Produktanbieter). Das CFFO wird durch Zuwendungen und Stiftungen aus dem Markt, von Vermögensinhabern und Family Offices finanziert. Ein weiterer Ausbau der Finanzierung wird derzeit vorangetrieben.
Beim Thema family office sprechen wir von sehr großen Vermögen jenseits von 25 Millionen Euro. Wieviele gibt es davon überhaupt in Deutschland?
Die Frage nach der Anzahl der Großvermögen ist sehr beliebt. Leider gibt es dazu keine fundierten Zahlen, sondern allenfalls weit divergierende Schätzungen. Bezogen auf Ihre Vorgabe von mindestens 25 Millionen Vermögen liegen die meisten Schätzungen bei ca. 4000-5000 Vermögenden. Wichtig ist dabei jedoch der Hinweis, dass es sich dabei um investierbares Vermögen handelt.
Nun erzählt ja niemand so einfach, dass er Multimillionär ist und lässt sich in die Bücher schauen. Wie können Sie diesen Markt überhaupt erforschen?
In der Tat, das Thema Diskretion ist eines der heikelsten Themen im Bereich Family Office. Sowohl auf Seiten des Vermögensinhabers, der möglichst unerkannt und unbehelligt bleiben möchte – übrigens im Gegensatz zu amerikanischen Vermögensinhabern -  als auch auf Seiten der übrigen Marktteilnehmer. Auch für den Bereich der Forschung ist daher ein gegenseitiges Vertrauensverhältnis von unabdingbarer Wichtigkeit. Denn oftmals wird Forschung auch falsch verstanden. Es geht uns in keinster Weise um die Öffentlichmachung von privaten Informationen, sondern um Hilfestellungen für die Vermögensinhaber und die Family Offices zu leisten und den gegenseitigen Erkenntnisfortschritt zu fördern. An diesem Vertrauensaufbau und dem entsprechenden Netzwerk zu Vermögensinhabern arbeiten wir seit Jahren und moderieren den Gedankenaustausch zwischen verschiedenen Vermögensinhaber und Family Offices.
Würden Sie sagen, dass die Superreichen in Deutschland von der Forschung bislang vernachlässigt worden sind?
Ohne zu zögern, würde ich Ihnen dabei zustimmen. Dies hat sicherlich etwas mit der Neidgesellschaft in unserem Lande zu tun. Das Interesse der Allgemeinheit an den sehr vermögenden Familien und Personen konzentriert sich oftmals auf die Darstellung der Vermögenshöhe in irgendwelchen Rankings und schürt dabei oftmals Neid. Wissenschaftlich beschäftigt man sich um ein Vielfaches häufiger mit dem unteren Ende der Einkommens- und Vermögensverteilung. Bitte verstehen Sie mich nicht falsch: Diese Betrachtungen sind absolut wichtig! Aber ebenso wichtig sind Betrachtungen am oberen Ende dieser Einkommens- und Vermögensverteilung. Nicht nur, dass es sich bei diesen Personen oftmals um die Leistungsträger handelt, sondern auch weil diese Personen in vielen Bereichen ganz spezifische Anforderungen und Probleme haben, die ein einfaches Übertragen der breiten Erkenntnissen des Vermögensmanagements nicht zulassen. Geld ist nämlich nicht immer nur Lust, sondern vielfach auch Last.
Wealth Management und die UNHWIs, die Ultra High Net Worth Individuals müssten doch ein interessanter Markt für die Banken sein. Warum tun die sich so schwer?
Allein die Wahl der in diesen Kreisen häufig gebrauchten Begrifflichkeit „UNHWI“ zeigt schon eine gewisse Distanz zu den Vermögensinhabern. In dieser gedanklichen und faktischen Distanz liegt meines Erachtens einer der Hauptschwierigkeiten, warum dieser Markt für Banken so schwer ist. Auch wenn der Unterschied nur ein Buchstabe ist, so ist beim Vermögensmanagement der Blick – etwa einer Bank - AUF das Vermögen etwas anderes als der Blick des Vermögensinhabers AUS dem Vermögen. Hinzu kommen traditionelle Eigenschaften von Banken, wie Produktfokus oder Skaleneffekte, die  es ihnen schon in der Geisteshaltung im Thema Family Office schwer macht. Schließlich geht es beim Family Office darum, die Wertschöpfungskette der Familie zu optimieren und nicht die der Bank.
Stimmt es, dass sehr vermögende Privatpersonen in Deutschland den Banken misstrauen?
So allgemein würde ich es wiederum nicht formulieren. Denn schließlich nutzen viele dieser sehr wohlhabenden Personen und Familien auch die Leistungen und Produkte von Banken. Viele Aufgabenstellungen können Sie nur mit Produkten von Banken lösen. Allerdings im Bereich des Family Office, sprich ein Vermögensinhaber nutzt ein Bank-Family Office, ist eine gewisse Zurückhaltung schon deutlich zu spüren.
Wo es viel Geld zu verdienen gibt, gibt es immer auch schwarze Scharfe. Was können Sie dazu sagen?
Schwarze Schafe gibt es meines Erachtens überall und daher will ich es auch beim Thema Family Office nicht ausschließen, wenn gleich mir im Sinne krimineller Machenschaften bislang in Deutschland keine bekannt sind. Stark zunehmend sind jedoch Anbieter, die man als Freerider oder Labling-Anbieter bezeichnen könnte, die auf das Thema Family Office aufspringen ohne das dahinter stehende Konzept verstanden bzw. verinnerlicht zu haben. Vermögensinhaber sollten daher ganz genau hinter die Kulissen schauen, ob es sich um einen solchen Anbieter handelt, der Family Office nur als Marketing-Tool missbraucht. In diesem Vermögenssegment geht von den Labeling-Anbietern zur Zeit meines Erachtens größere Gefahren aus, als von den sogenannten schwarzen Schafen.
Neben der Forschung betreibt das Center for Family Office auch Aus- und Weiterbildung. Was kann man bei Ihnen lernen?
Die European Business School bietet unter der wissenschaftlichen Leitung des PFI Private Finance Institute/EBS Finanzakademie seit 1994 Weiterbildung im Bereich des gehobenen Privatkundengeschäftes an. Neben firmenindividuellen Weiterbildungsprogrammen sind wir in den drei Bereichen Beratungskompetenz, Capital Markets und Alternative Investments tätig, die für Family Officer von entscheidender Relevanz sind. Ferner werden wir in Zukunft ein spezielles Vertiefungsstudium im Bereich Family Office anbieten. Hier wird der Fokus auf denen Bereichen liegen, die ausschließlich für Family Officer, aber auch für sehr wohlhabende Familien von Bedeutung sind.
Die wohl wichtigste Zusatzausbildung für Vermögensverwalter ist derzeit der Certified Financial Planner (CFP), die Sie ja im Übrigen auch selbst absolviert haben. Reicht das als Zusatzausbildung für einen family officer?
Der CFP ist eine hervorragende fachliche Fundierung für den geforderten Generalisten in einem Family Office. Darüber hinaus benötigt ein Family Officer spezifische Kenntnisse in Teilgebieten, die er bislang schon bei uns beispielsweise in den Bereichen Estate Planning, Testamentsvollstreckung, Capital Market Products, Hedgefonds, Private Equity und Rohstoffe in Form von Intensiv- und Kompaktstudiengängen berufsbegleitend erwerben konnte. Künftig werden wir die Besonderheiten, die ein Family Officer benötigt, in einem speziellen Studiengang anbieten. Unabhängig und mindestens genauso wichtig wie die formale Qualifikation, ist jedoch die praktische Erfahrung für einen erfolgreichen Family Officer; diese kann er selbstverständlich nicht in einem Studiengang vermittelt bekommen, sondern nur durch langjährige aktive Tätigkeit.
Wie sind denn die Job-Chancen für Family Officer? Und was macht einen guten Family Officer aus?
Der Markt für Family Office hat sich in den letzten zwei Jahren spürbar professionalisiert. Dazu zählt auch der Personalmarkt. Zur Zeit werden im Bereich des Nachwuchses zunehmend Stellen besetzt, da der Bedarf wächst. Der Bedarf an Führungspersonal im Family Office konnte bislang noch nicht aus der Branche selbst gedeckt werden, sondern musste vielfach aus anderen Bereichen der Finanzdiensleistungs-Branche rekrutiert werden. Hochschulabsolventen, die sich für einen Einstieg in ein Family Office interessieren, sollten sich direkt an Family Offices wenden; ruhig auch als Blindbewerbung. Das Medium der Stellenanzeigen in den Medien ist speziell für Nachwuchsmitarbeiter noch nicht weit verbreitet. Auf Grund der Diskretion werden selbst Leiter von Family Offices weniger über Stellenanzeigen als über Mund-zu-Mund-Empfehlung oder spezialisierte Personalberater rekrutiert.
Ihr Center verspricht auch Unterstützung beim Aufbau und bei der Auswahl von Family Offices. Wie muss man sich das vorstellen? Ist das eine Art Beratungsdienstleistung, die Sie anbieten?
In der Tat häufen sich in der jüngeren Vergangenheit die Anfragen von Vermögensinhabern nach grundsätzlichen Fragestellungen zur Nutzung bzw. Gründung eines Family Office. Diesen Vermögensinhabern helfen wir bei der Entscheidung der für sie vorteilhaften Variante. Für solche Vermögensinhaber, aber auch für Personen, die ein Multi-Family Office gründen wollen, stehen wir mit unseren Erfahrungen im CFFO Center for Family Office im Sinne eines „Sparringpartners“ zur Verfügung. Grundsätzlich ist unsere Leistung jedoch ein Coaching, eine Beratung – wir werden nie als Family Officer oder Family Office tätig.
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Dieser Artikel ist erschienen am 26.06.2008