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Porträt

Fünf Extra-Runden um den Globus

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Heiko Brey sorgt dafür, dass LKW länger auf Achse bleiben und weniger verbrauchen.
Heiko Brey verlängert die Laufleistung von LkwsFoto: © Berthold Steinhilber
Wenn sich ein Unternehmer einen LKW kauft, will er ihn möglichst selten in der Werkstatt sehen. Und an der Zapfsäule soll er auch nicht ständig stehen. "Die Kunden wollen Nutzfahrzeuge, die wirtschaftlich und möglichst lange einsetzbar sind", sagt Heiko Brey. Das ist seine Aufgabe. Der Entwicklungsingenieur bei Iveco Magirus in Ulm ist Spezialist für Fahrgestelle, und derzeit arbeitet der 28-Jährige an einer komplett neuen Fahrzeugreihe, die in drei bis vier Jahren auf den Markt kommen soll. Eine seltene Aufgabe. "Bei PKW stehen Neuentwicklungen alle vier bis fünf Jahre an, bei Nutzfahrzeugen nur alle 15 bis 20 Jahre", sagt Brey. Erst dann ist das alte Modell endgültig überholt, erst dann wird ein komplett neues Fahrzeug fällig, für das sämtliche Bauteile von A bis Z neu geschaffen werden.Brey und seine Kollegen müssen bei der Entwicklung vor allem die Kosten im Blick behalten. Das heißt: möglichst wenig Gewicht, um den Spritverbrauch und den Schadstoffausstoß zu senken. Möglichst wenige Bauteile, denn jede zusätzliche Variante verteuert die Produktion und Lagerhaltung. Und eine möglichst lange Lebensdauer, denn Reparaturen und Standzeiten kosten Geld. "Wir haben die Vorgabe bekommen, dass die Laufleistung um 200000 Kilometer steigen soll", sagt Brey. Bis der neue Brummi irgendwann zusammenbricht, muss er also fünfmal öfter um den Äquator rollen als sein Vorgänger. Statt selbst am PC Berechnungen durchzuführen oder einzelne Komponenten zu entwerfen, koordiniert Brey das Entwicklungsprojekt und kümmert sich zum Beispiel um die Abstimmung mit Zulieferern und Entwicklern oder um den Bau des Prototypen.

Die besten Jobs von allen

Genug Erfahrung für diesen anspruchsvollen Job hat er, denn der Diplom-Ingenieur kann bereits acht Jahre Berufspraxis vorweisen. Von September 2000 bis Februar 2005 hat er parallel zu seinem Studium der Fahrzeugtechnik an der Hochschule Ulm eine Ausbildung zum Industriemechaniker bei Iveco absolviert. Die Extra-Portion Praxis und der gute Draht zu den Kollegen in der Fertigung, mit denen er viele Schichten lang gemeinsam geschraubt hat, kommen ihm heute zugute. "Die setzen um, was ich entwickle. Deshalb ist es wichtig, sich zu verstehen", sagt er.Bestens versteht er sich auch mit seinen italienischen Kollegen. Iveco gehört zum Fiat-Konzern, und für alle Mitarbeiter gibt es Italienisch-Kurse. Heiko Brey hat einmal pro Woche während der Arbeitszeit Unterricht. Zudem hat er beim für Jungakademiker obligatorischen internen Weiterbildungsprogramm mehrere Lehrgänge in Turin absolviert. Hin und wieder führt ihn sein Job zu italienischen Zulieferern oder in die Firmenzentrale, da helfen die neuen Sprachkenntnisse auch. Als Nutzfahrzeugentwickler in einem internationalen Konzern ist man eben auch selbst ganz schön auf Achse.Porträt: Ich sehe was, was du nicht siehstInterview: "6000 Handyakkus für einen Sportwagen"Zurück zum Text: Mit deutschen Autos Geld verdienen
Dieser Artikel ist erschienen am 01.09.2008