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Das sagt Klaus Landfried

"Elite, aber richtig!"

Klaus Landfried
Exzellenz muss man fördern, jedoch nicht auf Kosten der Schwächeren. Klaus Landfried ist überzeugt, dass sich Eliteförderung so organisieren lässt, dass alle gewinnen.
Klaus Landfried war von 1997 bis 2003 Präsident der HochschulrektorenkonferenzFoto: © PR
Zur Elite gehören, heißt im Wortsinne, ausgewählt sein - oder doch sich dafür halten. Soziologen bezeichnen einfach die jeweils als "mächtig" eingeschätzten Leute oder auch Kollektive wie Vereine, Schulen, Unis, Museen oder Orchester als zur Elite gehörend. Die Kriterien, nach denen die Auswahl für den Titel erfolgt, sind nicht immer klar. Aber "die meisten Tore" oder das "größte Gewinnwachstum" lassen sich zählen (und wiegen). In Schule und Hochschule ist das schwieriger. Klar aber ist, dass immer nur wenige zur Elite gerechnet werden. Daher gibt es gegen Elitebildung viele, auch berechtigte Einwände. Berechtigt dann, wenn Wettbewerb zum Nullsummenspiel wird (wenige gewinnen, alle anderen verlieren).Zum Beispiel wenn die Politik eine Exzellenzinitiative überwiegend mit Geld finanziert, das sie den anderen aus der Tasche gezogen hat. Oder wenn die Chancen der Unis in den Neuen Ländern, "Exzellenz" zu gewinnen, wegen nicht vergleichbarer Startbedingungen deutlich schlechter, also unfair sind. In der Wirtschaft wie auch bei Bildung und Forschung aber können Auswahlprozesse im Wettbewerb auch als "variable Summenspiele" organisiert werden, das heißt: alle können gewinnen. Das gilt vor allem in der Grundschule, ja schon im Kindergarten: Nach den Befunden der Hirnforschung prägt neben den natürlichen Anlagen das Ausmaß frühkindlichen Lernens das Potenzial für spätere Lernerfolge. Sind die Anregungen, wie in bildungsfernen Schichten, gering, braucht es für einen späteren Aufstieg in Führungspositionen unverhältnismäßig mehr Anstrengung, Willenskraft und Förderung als bei Kindern aus bildungsstarken Schichten. Natürlich kennen wir die Namen derer, die sich von ganz unten in die "Elite" der Mächtigen hochgearbeitet haben.

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Im Sport sind sie fast die Regel. Hier können Talent und hartes Training den Weg nach oben freimachen, sofern nicht krimineller Betrug durch Doping wieder alles zerstört. Was können wir tun, um die Zahl der Gewinner zu vergrößern? Erstens kann das Potenzial der Begabten durch viel frühere Förderung und Forderung spürbar vergrößert werden. Dieses Fordern und Fördern können zweitens die bisher auf Gymnasium und Hochschule fixierten Begabtenförderwerke (z.B. Studienstiftung) organisieren, sofern sie (endlich) deutlich besser finanziert werden. Und drittens müssen die Mitglieder der Führungs-Eliten, wollen sie ihre abgestürzte Glaubwürdigkeit wiedergewinnen, als persönliche Vorbilder erkennbar werden. Sie können zum Beispiel. als Stifter von Stipendien, als sozial engagierte Unternehmer, als Mentor(inn)en für junge Leute in der Ausbildung dazu beitragen, dass Elite und Verantwortungsbewusstsein einen unlösbaren Verbund eingehen. Eine Elite, die sich über Elite-Schulen, zu denen der Zugang fast schon erblich ist, selbst ergänzt, wie in manchen Ländern, kann für uns kein Vorbild sein.Klaus Landfried war von 1997 bis 2003 Präsident der Hochschulrektorenkonferenz. Im Unruhestand betätigt sich der emeritierte Politikprofessor als Wissenschaftsberater und Headhunter. Mit kritischem Blick kommentiert er für Junge Karriere monatlich die Hochschulszene.Weitere Kolumnen von Klaus Landfried:"FH ist nicht zweitklassig""In Bildung zu investieren, bringt die besten Zinsen.""Bildung und Ausbildung sind keine Gegensätze"
Dieser Artikel ist erschienen am 01.06.2008