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Jonas Voelker

Ein MBA in Singapur an der INSEAD

Junge Karriere
Der gelernte Investmentbanker ist aus seinem Beruf wieder zurück in die Ausbildung gegangen und hat für Junge Karriere die Vorteile eines MBA-Studiums zusammengefasst und für Junge Karriere ein Tagebuch geführt.
MBA am INSEAD in Singapur, eine spannende Zeit beginnt! Nach vier Jahren Investment-Banking bin ich wieder Student. Aber was hat mich hierher geführt? Kurz zu mir: Ich bin ursprünglich aus Stuttgart, aber in den letzten zehn Jahren viel herumgekommen: Studium BWL in Augsburg, mit Auslandssemestern in London und den USA, und Praktikum in Argentinien. Danach habe ich in Frankfurt im M&A bei Lehman Brothers angefangen, nach einem Jahr Umzug nach London, nach einem weiteren Jahr Wechsel zu einer kleineren unabhängigen Corporate Finance-Beratung in München, spezialiert auf Medien und Telekom. Nach mehreren Jahren im Berufsleben kam bei mir immer mehr der Wunsch auf, mich nochmal einen großen Schritt weiterzubilden. Als Alternativen habe ich eine Promotion oder einen MBA in Erwägung gezogen, aber nach einer kurzen Abwägung der Vor- und Nachteile stand die Entscheidung für mich relativ schnell fest: MBA. Eine Entscheidung, die natürlich jeder für sich selber treffen muss, aber meiner Meinung nach sprechen die folgenden Argumente klar für den MBA:- Internationale Bekanntheit: ein MBA von einer Top-Schule ist (je nach Schule und Region) mehr oder weniger weltweit anerkannt. Er öffnet einem sehr viele Türen und Karrieremöglichkeiten. Der Wert eines deutschen Doktortitels ist auf internationaler Ebene damit nicht vergleichbar.

Die besten Jobs von allen

- Kürzerer, absehbarer Zeitraum: man weiß zu Beginn des MBA, an welchem Tag man ihn abschließen wird und wieder ins Arbeitsleben gehen kann, ganz im Gegensatz zu einer Promotion, die sich über Jahre hinziehen kann und nicht genau abschätzbaren Einflüssen ausgesetzt ist. Im besonderen hat man bei einem MBA die Wahl für ein 1-Jahres-Programm.- Internationale Erfahrung: an allen guten Schulen lebt und arbeitet man in einem sehr internationalen Umfeld, lernt viel über andere Kulturen und schließt Freundschaften in aller Welt.- Netzwerk: das Alumni-Netzwerk der Schulen ermöglicht einem Zugang zu wertvollen Informationen in den verschiedensten Industrien, potentiellen Geschäftspartnern, Jobangeboten und nicht zuletzt möglichen Freunden in fremden Städten.- Teamwork/Softskills: Man arbeitet nicht wie bei einer Promotion im „stillen Kämmerlein“ vor einem weissen Blatt Papier, sondern immer in Teams mit unterschiedlichen Leuten. Dabei bekommt man wertvolle Einblicke in Teamarbeit und lernt andere Arbeitsweisen und kulturelle Besonderheiten kennen. Desweitern werden in den Kursen auch direkt Softskills vermittelt, wie z.B. Verhandlungstechniken.- Direkte Anwendbarkeit auf Beruf und Karriere: die vermittelten Inhalte sind direkt im Arbeitsleben anwendbar, und nicht nur theoretische Luftschlösser. Die Career Offices der Schulen machen den ganzen Tag nichts anderes, als attraktive Jobangebote für die Studenten zu finden und zu vermitteln.- Attraktivität für Nicht-BWLer: obwohl das nicht auf mich zutrifft, ist ein MBA besonders für Leute ohne Business-Background attraktiv, da er das bisherige Fachwissen mit allgemeinem kaufmännischem Wissen ergänzt.Als die Entscheidung für einen MBA also gefallen war, stand die nächste Frage an: welche Business-School? Die Schulen lassen sich anhand verschiedener Kriterien unterscheiden:- Dauer: die kürzesten Programme dauern 10 Monate, die längsten (full-time) 2 Jahre- Standort: ob die Schule in den USA, Europa oder Asien stationiert ist, hat einen Einfluß auf potentielle Jobmöglichkeiten, das Alumni-Netzwerk, die Bekanntheit in der Region, das Image (so gut wie keine Schule aus Lateinamerika, Osteuropa, Afrika, und auch – traurig, aber wahr – Deutschland ist international wirklich von Bedeutung)- Sprache: obwohl an so gut wie allen Schulen Englisch die dominierende Unterrichtssprache ist, bieten einige Schulen ein zweisprachiges Curriculum an, das es einem ermöglicht, sich parallel zum MBA eine nützliche Geschäftssprache anzueignen (z.B. IESE und Instituto de Empresa in Spanien, HEC in Frankreich)- Position in Rankings: Ich glaube dieses Thema ist bereits erschöpfend behandelt, und obwohl man das wahrscheinlich tot-diskutieren kann, ist die Bottom-Line wohl: Rankings sind wichtig, jeder schaut sie an, also sollte man sich auch selber daran orientieren; sie sollten aber nur ein Anhaltspunkt unter anderen sein. Ich persönlich würde allerdings eher davon abraten, auf eine Schule zu gehen, die nicht regelmäßig irgendwo unter den Top 20 auftaucht.- Teilnehmer: Die Schulen unterscheiden sich im Profil ihrer Studenten. Es gibt Schulen mit eher etwas „älterem“ Publikum mit einem Altersdurchschnitt von 35 Jahren (IMD), US-Schulen mit einem Schnitt von 27, und europäische Schulen im Mittelfeld. Dies hat natürlich jeweils auch Einfluß darauf, wieviel Arbeitserfahrung die Teilnehmer mitbringen. Dann gibt es Schulen mit über 90% internationalen Studenten (RSM, INSEAD, IMD, LBS) und andere mit weniger als 30% (so gut wie alle US-Schulen).- Spezialialisierung: manche Schulen haben einen Schwerpunkt in „Entrepreneurship“ (Instituto de Empresa), andere in Finance (Wharton, Chicago, LBS) oder in Marketing (Kellogg).- Preis: auch wenn sich das eventuell etwas seltsam anhört, aber der Preis sollte bei der Entscheidung eher im Hintergrund stehen. Der langfristige Wert eines MBA steht und fällt mit der Qualität der Schule. Nur aufgrund von Kostengesichtspunkten auf eine mittelmäßige Business-School zu gehen, wird sich langfristig wahrscheinlich nicht auszahlen. Eine wichtige Entscheidung die man zur Minimierung der Kosten treffen kann, ist allerdings – wie bereits erwähnt – ein 1-Jahres-Programm zu machen, was nicht nur den Verdienstausfall während des MBA minimiert, sondern auch die Lebenshaltungskosten. Wenn man nicht von seinem Unternehmen „gesponsert“ ist, kann man sich übrigens nicht wirklich auf Stipendien verlassen, da man die eng gefassten Voraussetzungen oft nicht erfüllt, die Organisationen Aufbaustudien nicht fördern oder z.B. in meinem Fall viele nur für die USA gelten. Und um eines der aussichtsreicheren Stipendien vom DAAD muss man sich zu einem Zeitpunkt bewerben (August ein Jahr vorher), zu dem man im Normalfall noch nicht mal seinen GMAT abgelegt hat, geschweige denn weiß, wann und wo man den MBA machen wird.Anhand dieser Kriterien war meine erste Wahl eindeutig Insead, wegen des 1 Jahres-Programms, der Internationalität, der Mehrsprachigkeit (drei Sprachen sind Pflicht), des Brand Name, der Basis in Europa und der offenen Kultur, die von keiner Nationalität beherrscht wird. Als zweite Option habe ich mich noch bei Kellogg beworben, da dort als einzige US-Uni ein verkürztes 1-Jahres-Programm für Studenten mit BWL-Hintergrund angeboten wird.Am meisten Zeit für die Bewerbung verschlungen die Essays, in denen man erklären muss, warum das bisherige Leben auf den MBA hinführt, was man sich davon verspricht und warum man sich an dieser Schule bewirbt. Ich habe mich in erster Linie an die Bewerbungsratgeber gehalten („How to get into the Top MBA Programs“ von Richard Montauk), wobei ich im nachhinein eher empfehlen würde, frei zu schreiben, da sonst das Risiko besteht, wie hunderte von anderen Bewerbern zu klingen.Noch kurz ein paar Worte zum GMAT: es handelt sich hier wirklich nicht wie oft dargestellt um einen Englisch- und Mathe-Test. Es ist im Gegenteil eher so, dass weltweit die Chinesen die höchsten Testergebnisse erzielen, deren Englisch häufig recht schlecht ist. Der Test prüft vielmehr logisches Denken unter Zeitdruck. Die einzige Methode, eine gute Punktzahl zu bekommen ist üben, üben und nochmals üben. Es gibt viel Testliteratur, am besten fand ich die von Kaplan. Die sollte man durchmachen bis sie einem zu den Ohren rauskommt, drei bis vier Wochenenden sollte man schon opfern. Das Ganze sollte man dann auch noch mit der Software (kann man von der offiziellen Seite herunterladen, bei Kaplan ist auch eine dabei) üben, da es vor allem um Timing und einen kühlen Kopf unter immensem Zeitdruck geht.Wenn man die Bewerbung eingereicht und die Interviews mit ortsansässigen Alumni durchlaufen hat, kann es sich übrigens durchaus lohnen, bei den Schulen mal nachzuhaken. Als ich bereits einige Wochen vor Insead die Zusage von Kellogg bekommen hatte, und dringend auf eine Antwort von Insead wartete, schickte ich ein Fax mit der Zusage-Deadline an Insead und bekam prompt einen Anruf der „Admissions Director“, die mir einen Platz in Singapur anbot! Ich hatte zwar als Wunschcampus Fontainbleau angegeben, aber nach kurzem Nachdenken wurde mir klar, daß Singapur im Grunde sogar die bessere Wahl war, also sagte ich kurz entschlossen zu. Dazu muss ich sagen, dass viele Bewerber nur aus Unkenntnis den „Hauptcampus“ wählen, bzw. weil ihnen Alumni (unter anderem auch die Interviewer) dazu raten, die allerdings Singapur häufig gar nicht kennen, da dieser Campus erst seit fünf Jahren existiert.Ich habe mich dazu entschlossen, erst mal ohne meine Frau und meinen zweijährigen Sohn nach Singapur zu gehen, um mich voll auf das Studium konzentrieren und ins Social Life stürzen zu können. Zum Glück kosten ja Telephongespräche über sieben Zeitzonen hinweg dank Voice-over-IP fast nichts mehr, und die Webcam liegt bereit.Über das Insead Studenten-Intranet suchte ich nach Mitbewohnern, und fand schließlich eine Spanierin und einen Franzosen, da ich diese beiden Sprachen gerne etwas auffrischen wollte. Im Endeffekt etablierte sich dann allerdings Englisch fest als Sprache in unserer Wohnung, aber das ist eine andere Geschichte ...Fast alle Studenten wohnen in den zwei recht luxuriösen Wohnanlagen „Heritage“ und „Dover“, 10 Minuten zu Fuß vom Campus, mit mehreren Pools zwischen Palmen. Man teilt sich meist ein 2- oder 3-bedroom apartment mit anderen Studenten. Da in unserer Wohnung die Küche bis auf die Schränke und Elektrogeräte leider ziemlich leer und auf den Betten nur die puren Matrazen waren, stand erst mal Großeinkauf bei Ikea („Küchen-Starter-Sets“) auf dem Programm. Außerdem galt es noch einen Broadband-Anschluß und Mobile Phone zu besorgen. Sehr positiv überrascht hat mich die Effizienz in Singapur: eine für das Studentenvisum notwendige Gesundheitsuntersuchung mit 3-4 Stationen dauert gerade mal 25 Minuten, ein Bankkonto wird in 15 Minuten direkt am Empfang eröffnet, die Karte bekommt man sofort ausgehändigt.Aber nun zum MBA: schon vor der ersten Woche wurde ein aufpreispflichtiger „Mathe-Crash-Kurs“ angeboten, an dem aber nur wenige teilnahmen, und der auch bei den Teilnehmern nicht auf besonders viel Begeisterung stieß.
Auch eine im Vorfeld herausgegebene Liste mit „Pre-Readings“, also Büchern, die man vor Beginn des Programms lesen sollte, stellte sich als grenzwertig heraus.
Dann ging es endlich los: um sich kennenzulernen und um mit seinem eigenen Team zu „bonden“, ging es in der ersten Woche für einen Tag auf einen „Outward Bound“ auf einer Insel vor Singapur. Dabei zieht man mit einem Coach durch ein Waldgebiet zu verschiedenen Hindernisparkours, die es mit Geschick und originellen Ideen zu meistern gilt. Am Ende war man zwar ziemlich naß und dreckig, aber es hat relativ viel Spaß gemacht.
Ich bin in einer Gruppe mit einem Italiener, einem Holländer, einer Britin und einer Inderin. Mit diesem Team bleibt man die ersten vier Monate zusammen, sitzt im Hörsaal nebeneinander und löst diverse Teamarbeiten.
Außerdem stellten sich in der ersten Woche auch die vielen Clubs am Insead vor, z.B. für Consulting oder Entrepreneurship. Und dann gab es natürlich jede Menge Dinner, mit den eigenen Landsleuten oder „Mixed Dinner“ mit zufällig eingeladenen Studenten. Da erfuhren wir auch zum ersten Mal, wofür INSEAD eigentlich steht: „I Never Stopped Eating And Drinking“.
Von meinen Mitstudenten war ich übrigens von Anfang an ziemlich begeistert. Alle sind natürlich sehr offen, und man lernt vor allem auf dem kleinen Campus hier in Singapur relativ schnell alle kennen. Wir sind hier 150 „Neue“ in zwei Sections á 75 (in Fontainebleau sind es 250 in vier Sections) plus ca. 70 „P4’s“, also älteren Semestern. Die bei weitem am stärksten vertretene Gruppe sind frühere Consultants, manchmal habe ich den Eindruck, 20% der Klasse wird von McKinsey gestellt. Viele davon bekommen den MBA gesponsort und kehren daher zu ihrem früheren Arbeitgeber zurück. Die am meisten vertretene Studienrichtung sind Ingenieure, gefolgt von Wirtschaftsstudenten. Etwas geringer als erwartet fällt für mich der „Promi-Faktor“ aus, also Söhne oder Töchter von Wirtschaftsbossen oder der politischen Führungsriege der verschiedenen Länder.
Wir haben 44 Nationen in unserer Klasse, am stärksten vertreten sind Inder, aber das ist nur zufällig in diesem Jahr so. Was ich etwas vermisse, sind mehr Leute aus Südamerika, Osteuropa und Afrika, aber da spiegelt sich wohl nur die wirtschaftliche Lage der verschiedenen Regionen wider.
Alle sprechen mehrere Sprachen (was ja auch Voraussetzung für das Programm ist) und haben meist in mehreren Ländern gelebt. Auf eine Art sind wir uns recht ähnlich, da wir alle zur gleichen Zielgruppe gehören, die so viel Geld in einen MBA investiert, auf der anderen Seite sind wir aber alle völlig verschieden. Das macht Gespräche meist sehr interessant und aufschlussreich.
Es gingen recht schnell auch die Aktivitäten des Career Management Service los, vor allem mit Workshops zum Investmentbanking, da viele Banken aufgrund eines starren Recruiting-Cycle schon zu diesem Zeitpunkt ihre Bewerbungsfristen haben. Außerdem wurde noch ein Workshop angeboten, der bei der zukünftigen Berufswahl helfen soll.So, das ist es erst mal fürs erste, wenn Ihr Fragen habt, könnt Ihr mich unter voelkerj@NOSPAMhotmail.com erreichen, allerdings bitte ich um Verständnis, wenn eine Antwort eventuell mal etwas länger dauern sollte.