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Tipps und Tricks

Ehe ohne Trauschein: Paare light im Glück

Katja Stricker
Viele Beziehungen funktionieren auch ohne Trauschein. So unkompliziert, wie viele denken, ist allerdings die wilde Ehe nicht, denn vor dem Gesetz gilt der Partner als Fremder, egal, wie lange man schon zusammenlebt. Welche Zusatzregelungen Unverheiratete brauchen und wo es Sparpotenzial gibt.
Wohnen:Trautes Heim zu zweit
Häufig zieht ein Partner in die Wohnung des anderen und gibt die eigene Bleibe auf. Der Mieter muss dem Vermieter die Personalien des Partners mitteilen und formal um Zustimmung bitten. Die darf der Vermieter nur in Ausnahmefällen verweigern, etwa wenn zu wenig Platz in der Wohnung ist. Zieht das Pärchen gemeinsam in eine neue Wohnung, müssen sie überlegen, ob sie den Mietvertrag gemeinsam unterschreiben. Dann haben beide ein eigenes Bleiberecht und gleiche Rechte gegenüber dem Vermieter, wenn es mal Ärger gibt.

Nachteil dieser Variante
Geht die Beziehung in die Brüche, muss sich das Paar einigen, wer in der Wohnung bleibt. Zieht einer aus, haftet er weiterhin für die komplette Miete, wenn der Ex-Partner nicht zahlt. Den Mietvertrag kündigen, können nur beide Partner gemeinsam - und stehen dann eventuell auch kollektiv auf der Straße. Der Vermieter ist nämlich nicht verpflichtet, das Mietverhältnis mit einem von beiden fortzuführen.
"Wird dagegen nur ein Partner Mieter, ist das im Trennungsfall natürlich einfacher", erklärt Thomas Binninger, Fachanwalt für Familien- und Steuerrecht in Konstanz. Dann erübrigt sich die Frage, wer nach einer eventuellen Trennung in der gemeinsamen Wohnung bleiben darf.
"Allerdings kann der Partner, der den Mietvertrag unterschrieben hat, den anderen im Streitfall theoretisch von heute auf morgen vor die Tür setzen", gibt Binninger zu bedenken. Um dem vorzubeugen, kann das Pärchen vorab in einem Untermietvertrag entsprechende Kündigungsfristen vereinbaren.

Die besten Jobs von allen

Wem gehört was
Mit der gemeinsamen Wohnung schmeißen die Verliebten meist ihren Hausrat zusammen. Bei aller Romantik ist es sinnvoll, wertvolle Anschaffungen wie teure Möbel, Kunst oder Elektrogeräte in einem Verzeichnis aufzulisten und die Eigentumsverhältnisse zu klären. Sollte es irgendwann zur Trennung kommen, erspart das unter Umständen üblen Streit.
"Sobald es ums Geld geht, besonders aber um den Kauf einer Immobilie, sollte eine Aufteilung für den Trennungsfall geregelt werden - auch wenn man noch alles durch die rosarote Brille sieht und glaubt, bei uns kann nichts schief gehen", empfiehlt Anwalt Binninger. Denn gerade in solchen Fällen ist das Streitpotenzial hoch.

Risiko Traumhaus
Kaufen sich Lebenspartner ein Haus oder eine Wohnung und lassen sich beide als Eigentümer ins Grundbuch eintragen, so steht ihnen die gemeinsame Nutzung zu - auch wenn die Beziehung scheitern sollte. Einzige und finanziell ungünstige Lösung ist in solchen Fällen häufig der Verkauf der Immobilie. Familienrechtler Binninger rät daher eher zu getrenntem Eigentum: "Falls es die Finanzen zulassen, ist es unproblematischer, wenn nur einer die Wohnung kauft und den offiziellen Kredit aufnimmt - und der andere gibt beispielsweise einen Anteil als Darlehen an seinen Partner dazu." Auf gemeinsame Schulden sollten Partner ohne Trauschein möglichst verzichten. Lässt sich ein Darlehen nicht vermeiden, sollten beim Kreditinstitut Vereinbarungen für den Trennungsfall getroffen werden. Bei einem gemeinsamen Kredit kann die Bank von jedem Schuldner die ganze Summe verlangen, insgesamt natürlich nur einmal. Von Bürgschaften sollte man die Finger lassen. Auch nach der Trennung haftet man für den Ex-Partner weiter.