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Uni-Held

Dortmunder Student trainiert Kinder in Namibia

Sara Kammler
Tennistraining für einen guten Zweck: Der Dortmunder Felix Rädel unterstützt bedürftige Kinder in Afrika. Die Arbeit finanziert er durch Sponsoren. Der bekannteste: Fußballer Christoph Metzelder.
Felix Rädel unterstützt Kinder in NamibiaFoto: © Privat
Die Bälle sind gebraucht, das Netz ist zerfleddert - optimale Trainingsbedingungen sehen anders aus, aber an diesen Zustand hat sich Felix Rädel inzwischen gewöhnt. Auch dass der eingezäunte Platz von zwei Sicherheitsleuten bewacht wird, stört ihn nicht mehr. Es ist zum Schutz der Kinder, und die fühlen sich sichtlich wohl auf diesem Platz. "Wann spielen wir Tennis?", lautete ihre erste Frage, als Rädel sie Ende Juni wieder in Katutura besuchte.Acht Wochen lang war der Student aus Dortmund insgesamt dort, zum zweiten Mal schon hat er für Catholic Aids Action als Tennistrainer gearbeitet. Die Nichtregierungsorganisation unterhält in dem Township in der Nähe von Windhoek ein Programm für Waisen und hilfsbedürftige Kinder. Und weil ihr dafür nicht sehr viel Geld zur Verfügung steht, unterstützt Rädel die Helfer ehrenamtlich. Seinen Flug und seinen Aufenthalt zahlte er selbst, und auch Sponsoren suchte er auf eigene Faust. Einer seiner Spender ist Fußballer Christoph Metzelder. Der Nationalspieler, der bei Real Madrid spielt, überließ ihm bei seiner ersten Reise ein Trainingsoutfit, das Rädel meistbietend versteigerte. In diesem Sommer übergab ihm Metzelder 15 Paar Sportschuhe für die Kinder.

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Die Tennisplätze sind ein besonderer Ort für die KinderVormittags half er in einem Kindergarten oder einer Taubstummenschule aus, nachmittags dann trainierte er 20 Kinder in mehreren Gruppen. Die Tennisplätze sind ein besonderer Ort für die Kinder, sagt Rädel. "Sie wissen, dass sie auf dem Tennisplatz sicher sind vor allem, was ihnen auf der Straße gefährlich werden könnte." Banden, andere Kinder und selbst die eigenen Eltern müssen seine jungen Schüler fürchten. "Viele Eltern sind arbeitslos und abhängig von Alkohol und Drogen. Entsprechend hoch ist die Gewaltbereitschaft."Felix Rädel, 22, kommt gut an bei den Kindern, er ist beliebt bei den Menschen, weil er sich bemüht, wie sie zu leben. "Ich habe wie alle anderen auch gechlortes Wasser aus dem Hahn getrunken, alte Kleidung getragen und Früchte vom Baum gegessen." Trotzdem ist die Arbeit mit den Kindern nicht immer einfach. Sie wüssten nicht, was sie in ihrem Leben erreichen können oder wo sie hinwollen, sagt Rädel. Deswegen versucht er, ihnen Respekt vor anderen Menschen beizubringen und gewisse Werte vorzuleben. "Ich versuche, ein Vorbild für sie zu sein."Rädel sucht zurzeit SponsorenBei Esme und Dios scheint ihm das schon gelungen zu sein. Die beiden 13-Jährigen wurden bei einem Turnier von der ehemaligen Profispielerin Elizma Nortje entdeckt. Als die heutige Trainerin von den miserablen Bedingungen, unter denen Rädel arbeitet, erfuhr, bot sie ihre Hilfe an. Jetzt sollen Esme und Dios zweimal pro Woche in Nortjes Tennisakademie trainieren. Die Kosten, rund 50 Euro pro Kind, will Rädel übernehmen. Dafür sucht er gerade Sponsoren. Und: In dem Camp gibt es ein Programm für benachteiligte Kinder. "Der Leiter dieses Programms wird jede Woche zwei- bis dreimal nach Katutura kommen und alle Kinder trainieren." Das ist ihm wichtig, gerade jetzt, nach seiner Abreise. Denn gleich im Anschluss an seinen Aufenthalt in Namibia ist Rädel nach Peking geflogen. Dort verbringt er ein Semester seines Studiums des International Managements.Seine Unterstütztung für Catholic Aids Action läuft trotzdem weiter. Über seine Plattform "Team Social-Work" (www.team-social-work.com) berichtet er von seinen Aktivitäten, bietet anderen Studenten, die an ehrenamtlichen Praktika in Entwicklungsländern interessiert sind, Informationen und Hilfe an und versucht, Kontakte zu Sponsoren herzustellen. Denn weitermachen wird Felix Rädel mit seinem Tennistraining in Katutura ganz sicher. Nur wann er wieder hinfahren kann, das weiß er noch nicht.
Dieser Artikel ist erschienen am 01.10.2008