Ranglisten

Die Tücken der MBA-Rankings

Stefani Hergert
Schaffen deutsche Schulen den Sprung ins Ranking?Zum ersten Mal schreibt der Economist im neuen Ranking ab Herbst die Klassengröße auf mindestens 25 fest. Für einige, die beim FT-Ranking an der Zahl 30 scheitern, könnte es also reichen. Die Mannheim Business School und Tias Nimbas, die auch einen Campus in Deutschland hat, sind die einzigen Schulen hierzulande, die es in die Top 100 des Economist geschafft haben. Bei insgesamt 145 zu bewertenden Schulen ist Schluss - für jede neu aufgenommene Schule wird eine andere aus der Liste geworfen. Schaffen mehr als 145 die Hürden, entscheidet ein redaktionelles Gremium, wer drin ist. Die Reputation ist dabei wichtig, Schulen aus unterrepräsentierten Regionen haben ebenfalls Chancen. Einige deutsche Schulen seien nah dran, heißt es in London.So unterschiedlich wie die Hürden sind auch die Bewertungsmethoden. Das Ranking der Financial Times fußt zu fast 45 Prozent auf dem Gehaltszuwachs der Absolventen. Die Zusammensetzung der Professorenschaft, Studienbedingungen und die Forschungsstärke werden auch abgefragt. Das durchschnittliche Einkommen wird gewichtet, laut FT um Unterschiede unter Industriesektoren auszugleichen. Davon profitiert besonders die chinesische Ceibs. Aus 13700 Dollar Einkommen ihrer Absolventen werden so fast 152 000 Dollar.Für die Europäer ist die Berechnung in Dollar von Vorteil, meint Branchenkenner Matt Symonds: "Die Gehaltsangaben für europäische Schulen spiegeln zu einem gewissen Teil auch die Stärke des Euro gegenüber dem Dollar wider." Die europäischen Schulen gewinnen im Ranking also auch deshalb, weil sich der Umrechnungskurs verändert. Doch gerade das Ungleichgewicht zugunsten des Gehalts gibt in der Krise zu denken. "Es ist an der Zeit, die zu starke Betonung des Gehalts zu hinterfragen und Aspekte wie Forschung, Corporate Social Responsibility und Ethik stärker in die Rankings zu bringen", sagt Symonds.Eine alternative Rangliste des Aspen Institute misst das schon heute. Wie soziale und Umweltaspekte in die Lehrpläne integriert sind, ist hier Schwerpunkt. Das Gehalt der Absolventen listet auch Business Week in seinen Rankings auf, die zu 90 Prozent auf Einschätzungen der rekrutierenden Unternehmen sowie Studenten und Alumni beruhen. Doch was amerikanische Firmen von einer Schule halten, hilft deutschen MBA-Interessenten kaum, wenn sie nicht in den USA arbeiten wollen. Der Economist befragt fast 20000 Studenten und Absolventen für sein Ranking, wenn ihr Urteil auch nur ein Fünftel der Gesamtpunkte ausmacht. Der Rest beruht auf Angaben der Schulen. Mit jeweils 35 Prozent werden hier die Karrieremöglichkeiten sowie persönliche Entwicklung und Zusammensetzung von Professoren- und Studentenschaft stark gewichtet.Auch wenn Schulen vor den Ergebnissen zittern: kaum ein Interessent begründet die Entscheidung für ein Programm rein auf Basis der Ranglisten. Wer mit MBA-Studenten spricht, gewinnt vielmehr den Eindruck: Für den ersten Überblick sind sie ganz hilfreich, für mehr aber auch nicht.
Dieser Artikel ist erschienen am 10.07.2009

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