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Job-Coaching

Aussteigen

Jon Christoph Berndt
Wenn der Job nervt, rät unser Experte Jon Christoph Berndt: Werden Sie Ihr eigener Chef, gehen Sie ins Sabbatjahr oder kehren Sie zurück auf die Schulbank - fast alles ist möglich.
Auf zu selbstständigen UfernFoto: © Quirin Leppert
Nach den ersten Jahren im Job nervt all das, was früher begehrlich schien: Sie haben die ewig gleiche Keksmischung auf den ewig gleichen Konferenztischen satt und Ihr Chef ist auch nicht so witzig, wie er tut. Zeit fürs Aussteigen ... Sprung in die Selbstständigkeit Ich finde es toll, eine eigene Firma zu haben, und sage immer: Lieber in jüngeren Jahren aus freien Stücken als in älteren Jahren aus nackter Not. Nur: Ist die Selbstständigkeit wirklich besser? Das will gut bedacht sein, bevor Sie den Gründungswahnsinn auf sich nehmen und schließlich feststellen, dass 16-Stunden-Tage ziemlich lang sind und brutto nicht gleich netto ist.Ihr Ideenprüfstand - das Markendreieck. Das ist ein einfaches, wirkungsvolles Instrument zum Zuspitzen und glasklar Positionieren: Malen Sie ein großes Dreieck. In der Mitte steht fett Ihr Name, und in den Ecken steht: 1. Was macht mich zu etwas Besonderem? 2. Warum interessiert das andere? Und 3. Wodurch lasse ich meine Wettbewerber links liegen? Nehmen Sie sich Zeit für die Antworten. Wenn Sie ein umwerfendes Charakteristikum finden, einen unwiderstehlichen Nutzen und den Dreh, wie Sie Ihre potenziellen Marktbegleiter rechts überholen - dann ran an die Buletten! Sollte Ihr Ding allerdings eher ein schlappes Dreieckchen sein, gehen Sie lieber auf Nummer sicher: Welche freiheitsfördernden Möglichkeiten gibt es in Ihrem angestammten Unternehmen? Könnten Sie erst mal nebenher ein Gewerbe anmelden? Würde der Arbeitgeber sich beteiligen und Ihrer Idee den fehlenden Kick (ich sage nur: Kapital!) geben und vielleicht sogar bei der Umsetzung mitmachen?

Die besten Jobs von allen

Sabbatical: Traum oder Trauma?Das ist dann der sanfte Übertritt mit Netz und doppeltem Boden. Sabbatical: Traum oder Trauma? Was anfangs toll war, ist nun oll: Ein Chrom-Stahl-Glas-Büro ist auch bloß warm und trocken. Auf Kosten der Firma im Vier-Sterne-Hotel wohnen ersetzt nicht das eigene Bett und die Heimschläferprojekte. Viel Geld für das Allzeit-im-Büro-Sein ist hübsch, aber Autos und Flatscreen-TV sind beim Kuscheln ziemlich hart. Also - bloß weg hier. Aber wohin? Als Älpler ins Berner Oberland oder lieber gleich zum Ganztags-Muschelschubsen nach Goa? Überlegen Sie es sich gut: Nehmen Sie sich zwei bis drei Jahre Vorlaufzeit. Klingt heftig, ist aber so. Verschriftlichen Sie Ihren Traum rechtzeitig und justieren Sie ihn immer wieder. Das vermeidet die ultimative Kurzschlusshandlung bei der nächsten Bürostarre. Gewichten Sie die positiven Sabbatical-Ziele ("Ich kann dann endlich..") gegen die negativen ("Dann muss ich aber auch...").Wenn die Pluszeichen deutlich überwiegen, ist Ihr Plan gut. Und - denken Sie ans liebe Geld: Kalkulieren Sie großzügig. Ich finde: Evolution ist oft besser als Revolution. Was spricht alternativ gegen den wöchentlichen Sabbatical-Happen, indem Sie beispielsweise freitags konsequent um zwölf Uhr gehen oder, noch besser, gar nicht erst aufkreuzen? Wenn Ihr Chef Sie wirklich so schätzt, wie Sie denken, wird er mit sich darüber reden lassen. Sollte dann, nach allem Abwägen, unbedingt doch die große Lösung "Ich bin dann mal weg" sein, schmieren Sie ihm beim Knackpunktgespräch bitte folgende Honigsorten um den Mund: kein Know-how-Verlust, Gehaltseinsparung in angespannten Zeiten, frische Motivation und noch mehr Menschen- und Sprachkenntnisse nach der Rückkehr. Lochen, heften, ablegen - ja oder nein?Mal unter uns: Wo man sich bei Deutschlands Konzernen bezüglich Arbeitsplatzkontinuität auf nichts mehr verlassen kann, da darf man doch mal über einen Bundesadler zum Chef nachdenken! Meine langjährige Freundin, verbeamtete Grundschulpädagogin mit Leib und Seele, brachte es auf den Punkt: "Die Intelligenz beginnt bei der Berufswahl." Vor 18 Uhr fertig mit der Arbeit war sie dennoch nie. Dabei ist rein ins Amt oder in die Schule ja noch einfach. Die Sicherheit ist schon bestechend: Es segelt sich einfach entspannter durch die griechische Ägäis, wenn das Passwort an Ihrem Staatsbedienstetencomputer nach der Rückkehr noch dasselbe ist.