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Job-Coaching

Aufsteigen

Jon Christoph Berndt
Sie haben den Job! Jetzt geht es mit großen Schritten vorwärts. Unser Experte Jon Christoph Berndt zeigt, wie Sie richtig starten und Widrigkeiten des Berufsalltags meistern.
Auch wenn nichts passiert: Rumhängen geht gar nichtFoto: © Quirin Leppert
Den Einstieg haben Sie geschafft, jetzt heißt es: loslegen und vor allem Aufsteigen. Die ganze Zeit wollten Sie und durften nicht, fühlten sich wie der Renngaul in der Box. Jetzt geht’s im Galopp auf neues Terrain. Lesen Sie, wie es auf Ihrem Parcours - trotz kleiner Hürden - steil bergauf geht.Hallöchen, hier bin ich

Die besten Jobs von allen

Als ich in einer Werbeagentur arbeitete, kam mal ein Neuer, der war ein paar Takte älter als wir Platzhirsche in der Konzeptionsabteilung. „Ich soll euch jetzt mal profimäßig trainieren“, polterte er. Hä? Wir rollten die Augen und winkten ihn müde durch. Kurz danach war er wieder weg.Machen Sie es anders: flach spielen, hoch gewinnen. Es ist wie früher im Sandkasten - latente Missgunst wabert beim Begrüßungskaffee im Pausenraum. Schließlich könnten Sie den neuen Kollegen ja die Schaufel klauen! Fangen Sie deshalb mit den Augen und den Ohren an, der Mund kommt später. Mein Patenonkel auf dem Land meinte immer zum Abschied: „Wenn du zurück in deinem Leben bist, denke daran: Mit den Augen und Ohren klauen, was man kriegen kann; dafür kommt man nicht ins Gefängnis!“Denken Sie daran: Ihre neuen Kollegen haben genauso viel Respekt vor Veränderungen wie Sie. Geben Sie ihnen die Zeit, Vertrauen zu entwickeln. Der Vertrauensbooster zündet schnell, wenn Sie die wahre Kunst des aktiven Zuhörens beherrschen: Blick in die Augen, saugen wie ein Schwamm, dezente Mimik. Dann setzen Sie Ihre ersten Marken, das Mundwerk kommt dazu. Sie sagen Ihre wohl überlegte Meinung, bereichern das Geschehen mit Mosaiksteinchen aus Ihren Kenntnissen und Erfahrungen.Dann hören die anderen auch langsam auf, Sie zu kontrollieren. Am Anfang ist das durchaus normal; weil man ja nie wissen kann, ob der Chef in Ihnen nicht eine wahre Pflaume eingekauft hat. Andererseits ist Kontrolle auch Macht, und die übt mancher zu Anfang gerne aus. Es ist wie im Hühnerstall: Wenn Sie Ihr Nest schön sauber halten und täglich ein stolzes Ei reinlegen, können die Plusterer oben auf der Stange noch so viel gackern. Das gibt sich dann von allein.Arbeit suchen, finden und anpackenDie anderen puzzeln fleißig vor sich hin, aus den Büros dringt geschäftiges Gemurmel. Sie selbst haben schon Ihren Rollschrank eingeräumt, den Bleistift gespitzt, die Visitenkarten beantragt - und sind hoch motiviert. Aber es passiert: nichts.Bei meinem Vater hing das Bonmot an der Bürotür: „Wenn Sie nichts zu tun haben, bitte tun Sie es nicht hier.“ Sie jedoch bleiben und malen einen Raumplan. Dann machen Sie sich auf den Weg zu den neuen Kollegen. Sagen Sie ihnen, wer Sie sind und was Sie machen. Wen Sie nicht antreffen, den besuchen Sie morgen. Und wenn Sie sich jemandem doppelt vorstellen, retten Sie sich mit einem charmanten „Lieber einmal zu viel als einmal zu wenig“. Bald ist Ihr Raumplan prall gefüllt mit Namen, Funktionen und Notizen.