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Spielebranche

Arbeiten bei Electronic Arts und Kosmos

G. Lawecki, K. Stricker
Ob vorm PC oder am Brett: Spielen ist Volkssport. Die Branche wächst kräftig. Junge Karriere hat zwei Hersteller besucht: Electronic Arts und den Kosmos-Verlag.
Daddeln für die Karriere: So schön kann arbeiten seinFoto: © hans12 - Fotolia.com
Ob er seinen Traumjob gefunden habe? Adrian Wahl zögert nicht mit der Antwort: "Ja, da bin ich mir sicher." Er hat es geschafft, sein Hobby zum Beruf zu machen. Den ganzen Tag lang beschäftigt er sich mit dem "Fußball Manager" von EA Sports. Der 22-Jährige ist Datenbankchef bei Bright Future. Das Entwicklungsstudio arbeitet exklusiv für den Computerspielehersteller Electronic Arts (EA). Die neue Version der Manager-Simulation ist seit einigen Wochen auf dem Markt - und wird zu Weihnachten wieder die Kassen von EA klingeln lassen.Auch die klassischen Spielehersteller können sich auf das so wichtige Weihnachtsgeschäft freuen. Die Begeisterung für Brettspiele wie "Die Siedler von Catan" hält an, Neuheiten wie das preisgekrönte "Die Säulen der Erde" werden von den Kunden stark nachgefragt. Die gesamte Spieleindustrie boomt, auch wenn das Wachstum unterschiedlich groß ausfällt. Die Computerspielehersteller konnten im ersten Halbjahr Zuwachsraten von 19 Prozent verbuchen. Der Markt der klassischen Brettspiele ist 2007 voraussichtlich um sechs Prozent gewachsen. Rosige Zeiten für die Unternehmen und gute Chancen für Berufseinsteiger, wie ein Blick nach Köln zeigt.

Die besten Jobs von allen

Dort hat Electronic Arts seinen Sitz, mit drei Milliarden Dollar Umsatz weltweit die Nummer zwei als Anbieter von Computerspielen - hinter dem Branchenführer Activision Blizzard. Im Zollhafen erhebt sich das große, schwarz-gläserne Gebäude mit dem markanten EA-Logo. Noch immer sind einige Handwerker zu sehen, die neue Deutschland-Zentrale wartet auf ihre Vollendung. Die Belegschaft aber hat ihre Räume bereits Ende Oktober bezogen. Zuvor war das Team in Köln-Ehrenfeld untergebracht. 8500 Mitarbeiter beschäftigt das 1982 gegründete Unternehmen weltweit, in Deutschland sind es rund 180.Ein Hochschulabschluss ist kein MussNeue Kräfte sind hier herzlich willkommen. Quereinsteiger haben gute Karten, ein Hochschulabschluss ist kein Muss. Allerdings werden die meisten Titel in den USA, Großbritannien und Kanada produziert. In Köln gibt deshalb keine Stellen in Game Design, Programmierung und Entwicklung. Wer sich dafür interessiert, ist im Entwicklungsstudio Phenomic in Ingelheim besser aufgehoben. Getestet wird die Software für ganz Europa in Madrid. Am Kölner Standort sucht man aktuell Mitarbeiter für den IT Desktop und für das Marketing. Wer sich bewirbt, sollte eine kreative Ader, soziale und kommunikative Stärken mitbringen - und viel Spaß am Spielen haben, heißt es hier.Adrian Wahl hat den immer gehabt. Als Schüler spielte er häufig "Fußball Manager" und hinterließ regelmäßig Einträge und Anmerkungen auf Fanseiten im Internet. Das fiel auch Gamedesigner Gerald Köhler auf, der seit 2000 mit der Entwicklung des PC-Spiels bei EA betraut ist. Er rief Adrian Wahl an - und nach dem Gespräch war die Sache klar. "Ich war unglaublich happy", sagt der junge Datenbankchef heute. Im Frühjahr 2006 schließlich ging er mit zu Köhlers neu gegründeter Firma Bright Future, die wie EA auch im Gebäude im Zollhafen sitzt. Wahl arbeitet noch immer Tür an Tür mit den ehemaligen Kollegen, die sich viel vorgenommen haben.Sie wollen den Vorsprung des Konkurrenten Activision Blizzard, hinter dem der französische Konzern Vivendi steht, wieder einholen. EA misst seine Mitarbeiter an den jeweiligen Erfolgen. Die Einstiegsgehälter beginnen bei etwa 31.000 Euro, neuen Kollegen wird ein Mentor zur Seite gestellt. Leistungsbezogene Bezahlung ist die Regel hier und soll die Produktivität sichern. Schon jedes vierte in Deutschland verkaufte Spiel ist eins von insgesamt 250 EA-Produkten, und auch das landesweit populärste wird hier entwickelt: "Fifa 07". 546.000 Exemplare der Fußballsimulation verkaufte EA im vergangenen Jahr. Zu den weiteren bekannten Spielen zählen unter anderen das Rennspiel "Need for Speed" und der Klassiker "Die Sims". Die Lizenzrechte für die Umsetzung von Harry Potter und "Herr der Ringe" hat sich EA ebenfalls gesichert.Auch Ego-Shooter wie "Counter Strike" verkauft das Unternehmen, selbst wenn darunter bisweilen das Image der Firma leidet. Neun Prozent der EA-Spiele sind erst ab 18 Jahren freigegeben - Unternehmenssprecher Martin Lorber, 40, investiert deshalb viel Zeit in "Aufklärungsarbeit", wie er es nennt, weil in der Öffentlichkeit "viel über Computerspiele und Gewalt diskutiert wird". Zusätzlich wird das Thema im hauseigenen EA-Magazin aufgearbeitet.