Stefan Bratzel

"6000 Handyakkus für einen Sportwagen"

Til Knipper
Aufgetankt wird dann abends an der heimischen Steckdose? 
Das ist ein Modell. Um die Mobilität zu erhöhen, wird aber auch an Wechselbatterien geforscht, die sich der Fahrer an einer Art Tankstelle holen kann. Das Problem ist aber, dass die derzeit auch bei Hybridmodellen verwendeten Nickel-Cadmium-Batterien sehr groß und sehr schwer sind. Tesla, ein amerikanisches Unternehmen, arbeitet aber auch schon mit Lithium-Ionen-Akkus, die wir alle aus unseren Handys kennen. Die bieten in den USA bereits einen Sportwagen an, der von 6000 zusammengeschlossenen Handybatterien angetrieben wird.
Welche Konsequenzen haben diese Entwicklungen für die deutsche Ingenieurausbildung?
Sowohl in der Ingenieur- als auch bei der Facharbeiterausbildung lag der Schwerpunkt bisher immer auf der Mechanik und bei den Verbrennungsmotoren. Daher gibt es bei uns kaum Ingenieure, die sich mit Elektrotechnik im Fahrzeugbereich beschäftigt haben. Das ist ein Riesendefizit. Hinzu kommt der allgemeine Fachkräftemangel. 
Worauf sollten sich Ingenieure denn besonders spezialisieren?
Alles, was mit Effizienzsteigerung zu tun hat, wird in den nächsten 20 Jahren eine große Bedeutung haben. Das kann auch bei der Karosserieentwicklung sein. Wer sich mit Elektrotechnik und Batterieentwicklung beschäftigt, wird ganz nah dran sein an den technischen Neuerungen der kommenden Jahre. Da ist die Nachfrage hoch, weil das nicht nur beim Antrieb, sondern auch bei der Sicherheit eine größere Rolle spielen wird. 
Was müssen deutsche Konzerne verbessern bei Forschung und Entwicklung?
Sie müssen sich vorwerfen lassen, dass sie in den vergangenen Jahren zentrale Entwicklungen verschlafen haben. Unsere Studie zeigt aber, dass gerade Volkswagen, Daimler und BMW mächtig aufholen und viele Innovationen entwickeln. 
Wie definieren Sie eigentlich eine Innovation?
Wir sprechen von einer Innovation, wenn eine Neuheit an den Kunden verkauft werden soll. Wir unterscheiden vier Grade. Ein serienreifes Brennstoffzellenfahrzeug wäre beispielweise Grad vier, weil es so etwas noch nie gegeben hat. Ein Getränkehalter, der das Getränk wahlweise warm oder kalt hält, ist eher Stufe eins. 
Welche Innovationen haben sich in den vergangenen Jahren als Flops erwiesen?
Da gab es viele, die von den Herstellern schnell wieder verdrängt wurden. Wir haben diese Frage mal Autohändlern gestellt. Die VW-Händler haben pauschal den Phaeton als größten Flop der Marke bezeichnet. Auch der Audi A2 gilt als Flop. Das war ein hochinnovativer Kleinwagen in Leichtbauweise, nur verkauft hat er sich nicht. Er war, ähnlich wie der Drei-Liter-Lupo, seiner Zeit einfach voraus. Es gibt aber auch Flops, die man zehn Jahre später leicht verändert aus der Schublade holen kann. Manchmal muss man einfach abwarten, bis die Zeit reif ist.
Lasersensoren: Ich sehe was, was du nicht siehstLkw-Technik: Fünf Extra-Runden um den GlobusZurück zum Text: Mit deutschen Autos Geld verdienen
Dieser Artikel ist erschienen am 01.09.2008

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