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Stefan Bratzel

"6000 Handyakkus für einen Sportwagen"

Til Knipper
Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive an der FHDW in Bergisch Gladbach, über Hybridantriebe, Brennstoffzellen und neue Getränkehalter.
Stefan Bratzel von der FHDW über Innovationen für AutosFoto: © Rainer Holz
Junge Karriere: Sie verantworten als Politologe den Studiengang Automobilwirtschaft in Bergisch Gladbach. Sind Sie auch ein technikbegeisterter Schrauber, der früher sein Moped frisiert hat? 
Bratzel: Ich bin kein Technikfreak, und an meinem Moped habe ich früher höchstens mal ein größeres Ritzel draufgeschraubt. Am Automobilbereich interessierten mich schon immer die Kunden- und Marketingseite sowie die Auswirkungen globaler Trends auf die Branche. 
Was fahren Sie denn persönlich für ein Auto?
Als Familienvater fahre ich einen 5er BMW-Kombi, in den hinten viel reinpasst. 

Die besten Jobs von allen

Sie untersuchen regelmäßig die Innovationsfähigkeit der Automobilindustrie. Welche aktuellen Trends gibt es in der Fahrzeugtechnik? 
Es gibt zwei Megatrends, die die Branche in den kommenden Jahren auf den Kopf stellen könnten: 1. alternative Antriebstechnologien, getrieben vor allem von den weiter steigenden Benzinpreisen, und 2. die Low-Cost-Fahrzeuge wie der Tata Nano, die besonders in Wachstumsmärkten wie Indien und China enorme Bedeutung haben werden. 
Welche alternativen Antriebsformen werden denn in Zukunft den klassischen Verbrennungsmotor verdrängen?
Moment, so schnell geht es auch nicht. Der Verbrennungsmotor wird uns auch in den kommenden zehn, 15 Jahren erhalten bleiben. Aber wir sind in einer Übergangsphase. Immer wichtiger werden Fahrzeuge mit Hybridantrieben, also einer Kombination aus Elektro- und Verbrennungsmotor. Für den Stadtverkehr ist das reine Elektrofahrzeug eine Option. Auf längere Sicht muss sich herausstellen, ob sich die wasserstoffgetriebenen Brennstoffzellen als Antriebstechnologie durchsetzen können. 
Ab wann werden diese Techniken im Massenmarkt erfolgreich sein? 
Die Hybridtechnologie gibt es ja bereits. Hier werden in den nächsten Jahren viele Hersteller dem Pionier Toyota folgen. Im Moment aber rechnet sie sich bei Kleinwagen noch nicht, weil sie einfach zu teuer ist. Zwei Motoren kosten mehr als einer. Die Energieeinsparungen kommen prozentual bei größeren Fahrzeugen stärker zum Tragen, auch weil die Bremsenergie, die man zurückgewinnen kann, höher ist. 
Und die reinen Elektrofahrzeuge?
Die werden wir in zwei, drei Jahren besonders im Stadtverkehr verstärkt sehen. Im Moment haben diese Wagen je nach Technik eine Reichweite von 60 bis 250 Kilometern.