Ich sehe was, was du nicht siehst


Kirsten Gosch entwickelt Lasersensoren, mit denen Autos besser sehen als ihre Fahrer.

Kirsten Gosch entwickelt Augen Kirsten Gosch entwickelt Augen für Kraftfahrzeuge Foto: © Jens Wunderlich

Die gefährlichsten Schlangen Europas sind die Autoschlangen. Stau und stockender Verkehr treiben den Blutdruck der Insassen in die Höhe und vergrößern das Unfallrisiko und den Schadstoffausstoß. Kirsten Gosch will das ändern. Sicherer, umwelt- und nervenschonender soll das Autofahren werden, das ist ihr Ziel - und beim jungen Hamburger Zulieferunternehmen Ibeo Automobile Sensor entwickelt die 28-jährige Diplom-Ingenieurin deshalb Lasersensoren für Fahrerassistenzsysteme.

Mit diesen Programmen reagieren Autos selbstständig auf Gefahren und Verkehrssituationen. Sensoren, die auf Höhe der Stoßstangen angebracht sind, dienen dazu als Augen, sie tasten im Billionstel-Sekunden-Takt die Umgebung ab und schlagen Alarm, wenn es brenzlig wird. "Die Software kann gefährliche Situationen viel schneller analysieren als jeder Mensch und ohne Schrecksekunde richtig reagieren", erklärt Gosch.

Rückt beispielsweise die Fahrbahnmarkierung aus dem Blickfeld, wird ein übermüdeter Fahrer am Steuer vermutet, und per Vibrationsalarm am Sitz oder am Lenkrad rüttelt das System ihn wach. Entdecken die Sensoren hingegen Objekte oder Personen auf Kollisionskurs, aktiviert die Software blitzschnell die Airbags und die Gurte oder löst eine automatische Notbremsung aus. Die elektronische Steuerung nimmt dem Fahrer auch das nervige Beschleunigen und Bremsen im Stau ab. Das Auto orientiert sein Tempo dazu am vorausfahrenden Fahrzeug und kann das Blinken oder die Einscherbewegungen anderer Verkehrsteilnehmer deuten. Alle großen Autobauer haben bereits Testwagen mit dieser Technik bestückt, und die ersten Aufträge aus der Sonder- und Nutzfahrzeugsparte liegen auch schon vor.

Kirsten Gosch, die Projektmanagerin, ist seit 2005 bei Ibeo. Direkt im Anschluss an ihr Studium an der TU Harburg stieg sie über ihre Diplomarbeit als Entwicklerin ein. Damals hatte das Unternehmen insgesamt 15 Mitarbeiter. Heute sind es knapp 50, und Gosch leitet ein Team von 15 Kollegen. In zwei bis drei Jahren soll die Großserienproduktion für PKW anlaufen, dann dürften jährlich um die 10000 Sensorboxen gefertigt werden. Nicht nur viele Neuwagenkäufer werden dann mit Sicherheit vorankommen, sondern vermutlich auch Kirsten Gosch.

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