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Studium

2. Teil: Jura im Wandel

A. Himmelrath, B. Mersch
Juristen können viel mehr werden als nur Richter oder Anwälte. Die Bucerius Law School bietet eine innovative Ausbildung an.
Foto: © Junge Karriere
Die Juristen-Ausbildung hat in Heidelberg Tradition. Robert von Mohls, im 19. Jahrhundert Staatsrechtler der Juristischen Fakultät und 1848/49 erster Reichsjustizminister Deutschlands, sah die Hochschule damals als eine "Universität hauptsächlich für Juristen von Juristen". Mehr als die Hälfte der Studenten waren zu dieser Zeit in den Rechtswissenschaften eingeschrieben, andere Fächer galten deshalb als "wenig beachtetes Anhängsel".Ende 1386 nahmen die Heidelberger Juristen den Lehrbetrieb auf - und auch heute noch ist die Fakultät eine der ersten Adressen in der Ausbildung angehender Anwälte und Richter. Im Junge-Karriere-Ranking landete die Jura-Fakultät auf dem ersten Platz. 20,3 Prozent der Personaler sind der Meinung, dass die Heidelberger die besten Absolventen auf den Markt schicken."Die europäische Ausrichtung spielt hier sicherlich eine große Rolle", sagt Burkhard Hess, Dekan der Juristischen Fakultät. Viele Heidelberger Professoren seien als Gutachter tätig, Hess selbst etwa am Europäischen Gerichtshof: "Wir können den Studierenden deshalb aus erster Hand von interessanten Fallbeispielen berichten."Wie Heidelberg konnten sich im Junge-Karriere-Ranking vor allem die traditionsreichen Hochschulen durchsetzen. Auf den vorderen Plätzen landeten die Fakultäten in Freiburg (13,4 Prozent), Münster (12,7 Prozent) und die der LMU München (12,7 Prozent).

Die besten Jobs von allen

An zweiter Stelle platzierte sich eine recht neue Ausbildungsstätte: 15,2 Prozent der Personaler halten die Bucerius Law School in Hamburg für eine gute Kaderschmiede für angehende Anwälte. Die einzige private Hochschule für Rechtswissenschaften in Deutschland wurde vor acht Jahren gegründet, um eine Alternative zur deutschen Juristenausbildung anzubieten. In acht Semestern erreichen die Studenten hier gleichzeitig den Bachelor of Laws (LL.B.) und das juristische Staatsexamen. "Damit sind unsere Studenten im Schnitt ein Jahr früher fertig als die Absolventen staatlicher Hochschulen", sagt Hariolf Wenzler, Geschäftsführer der Bucerius Law School. Anders als an staatlichen Hochschulen sind Auslandsaufenthalte und Praktika fest in den Studienverlauf integriert. Für Personaler besonders interessant ist das einjährige Graduiertenstudium "Bucerius/WHU Master of Law and Business", das gemeinsam mit der WHU - Otto Beisheim School of Management in Vallendar angeboten wird. In dem Studium werden gezielt Führungskräfte für die internationale Wirtschaft ausgebildet.Die Absolventen der privaten Hochschule haben gute Jobaussichten. Drei von vier Studenten schaffen ein Prädikatsexamen mit der Note "voll befriedigend" - für viele Personalchefs Grundvoraussetzung für die Einstellung. In der Wirtschaft besteht großer Bedarf an Juristen: "Sie sind Generalisten mit Fähigkeiten für unterschiedlichste Berufe", sagt Burkhard Hess. Die Absolventen kommen in Unternehmen unter und können sogar Führungspositionen übernehmen. "Von daher sind die Berufsaussichten besser als im Allgemeinen angenommen", sagt Hess.Jura in Zeiten von Bachelor und MasterJura ist ein klassisches Massenfach. Die Ausbildung ist klar strukturiert: Nach neun Semestern schließen die Kandidaten ihr Studium in der Regel mit der ersten juristischen Prüfung ab - die dem früheren 1. Staatsexamen entspricht. Haben Studenten diesen Abschluss in der Tasche, können sie auch den Titel Diplom-Jurist beantragen. Die meisten durchlaufen zusätzlich zum Studium ein Referendariat und legen im Anschluss daran die zweite Staatsprüfung ab. Auf diesem Weg werden sie sogenannte "Volljuristen" und sind befähigt, den Richterberuf auszuüben.Trotz des Bologna-Prozesses wollen viele Hochschulen an dem bewährten Modell festhalten. "Diese Form der Ausbildung ist wichtig", sagt Burkhard Hess, Dekan der Juristischen Fakultät in Heidelberg, "denn nur so können die Studenten die sozialen und fachlichen Kompetenzen erwerben, die einen Juristen ausmachen." Viele Hochschulen wehren sich deshalb auch, das zweistufige Bachelor- und Master-System auf die juristischen Fächer zu übertragen. Ein Bachelor-Absolvent, der nur sechs Semester studiert hat, gilt bei vielen als "Schmalspurjurist". Es gibt aber auch Fachvertreter, die die Einführung der neuen Abschlüsse im Fach Jura befürworten. So hält etwa der Deutsche Juristen-Fakultätentag eine behutsame Umstrukturierung nicht für ausgeschlossen.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.05.2008

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