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Zwischenruf: Kniefall der Fifa

Von Marc Renner
Im Fall der theatralischen Einlage von Rivaldo gegen die Türkei hat der Disziplinarausschuss hat dem Superstar und den Brasilianern nicht nur den Rekord-Weltmeister-Bonus gegeben. Es war vielmehr ein Kniefall, den die Juroren da praktiziert haben.
Marc Renner
Brasiliens Superstar fiel wie ein Stein um und hielt sich jammernd die Hände vor das offenkundig schmerzhaft getroffene Gesicht - nur dass der Türke Hakan Ünsal beim Schlagen des Balls Richtung Eckfahne gar nicht dort, sondern am Oberschenkel getroffen hatte. Die rote Karte sah er trotzdem. Und Rivaldo räumte später sogar ein, dass alles gar nicht so war wie es aussah und er einen Platzverweis provozieren wollte. Das hatten auch die Herren der Fifa durchschaut, der nach einem Sturm der Entrüstung der Fußballfangemeinde - vielleicht mit Ausnahme der Brasilianer - wegen "Simulation" gegen den Ballzauberer vom Zuckerhut ermittelte.Gut so, denkt sich der gemeine Fußball-Fan - und wird von der skandalgebeutelten Fifa sogleich wieder enttäuscht. Sperre? Kein Spur! Schlappe 6 800 Euro Strafe soll Rivaldo - wohlgemerkt ein Mann, der für seine zugegeben überdurchschnittlichen Umgangsformen mit dem runden Leder monatlich mehr verdient als ein durchschnittlicher Bundesbürger in fünf Berufsjahren - für seine unschöne und vor allem unfaire theatralische Meisterleistung zahlen. Da kommen einem gleich die Geschichten um die Veruntreuungs- und Bestechungsvorwürfe gegen Fifa-Präsident Blatter in den Sinn.

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Klar ist nach dieser Entscheidung jedenfalls: WM-Teilnehmer ist nicht gleich WM-Teilnehmer. Der Disziplinarausschuss hat Rivaldo und den Brasilianern nicht nur den Rekord-Weltmeister-Bonus gegeben. Es war vielmehr ein Kniefall, den die Juroren da praktiziert haben. So, liebe Fifa-Funktionäre, könnt ihr kein neues Vertrauen bei der internationalen Fußballgemeinde gewinnen!
Dieser Artikel ist erschienen am 05.06.2002