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Zwielichtige Jobvermittler

bdo. Foto: Pixelio.de
Mit vollmundigen Sprüchen geht die Recruiting-Plattform Yourcha derzeit auf Datenfang unter Berufstätigen: Es wolle ?den Arbeitsmarkt auf den Kopf stellen?, kündigt das Unternehmen aus dem hessischen Idstein an. Dazu verschickt es seit kurzem Post an Tausende von Berufstätigen, die sich in der Yourcha-Bewerberdatenbank registrieren sollen.
Mit vollmundigen Sprüchen geht die Recruiting-Plattform Yourcha derzeit auf Datenfang unter Berufstätigen: Es wolle ?den Arbeitsmarkt auf den Kopf stellen?, kündigt das Unternehmen aus dem hessischen Idstein an. Dazu verschickt es seit kurzem Post an Tausende von Berufstätigen, die sich mit einem persönlichen Zugangscode in der Yourcha-Bewerberdatenbank registrieren sollen. Die Idee dahinter ist allerdings kein bisschen revolutionär: Wer einen neuen Job sucht, hinterlegt seine Daten und kann dann von Unternehmen kontaktiert werden.Doch schon die Ansprache per Spam-Briefpost sorgt für Unmut. So erzürnt sich Dirk Harms aus Rostock in einem Blog-Kommentar, die Post sei zu seinen Eltern gegangen, wo er seit 30 Jahren nicht mehr wohne, ?was bedeutet, dass sie alte Adressenbestände eingekauft haben?. Harms hat den richtigen Riecher: ?Die Adressen haben wir gemietet?, gibt Yourcha-Vorstandsvorsitzender Sven Reuter auf Nachfrage von karriere zu. In dem Geschäft kennt er sich aus: Reuter ist Gründer und Inhaber der Global Group, die sich rühmt, eine der größten Adressdatenbanken Europas mit rund 60 Millionen Datensätzen zu besitzen. Trotzdem versichert er: ?Wir würden den Teufel tun und die Daten von Yourcha weitergeben.? Viele Angeschriebene bleiben misstrauisch: ?Meldet man sich dort an, findet man eine äußerst oberflächliche und undifferenzierte Abfrage der Qualifikationen?, empört sich karriere-Leser David Kremer. ?Zum anderen wird nach sensiblen Daten wie dem aktuellen Arbeitgeber und dem Gehaltsniveau gefragt.?

Die besten Jobs von allen

Das Misstrauen ist berechtigt: Noch nicht einmal die großen Jobbörsen wie Stepstone oder Jobpilot fragen solch heikle Daten ab. Und laut allgemeinen Geschäftsbedingungen müssen registrierte Arbeitnehmer die kompletten Rechte an ihren Daten Yourcha zur Nutzung übertragen. Trotzdem haben sich rund 20.000 User registriert. Wer sich bereits eingetragen hat und das rückgängig machen will, sollte das Unternehmen schriftlich - am besten per Einschreiben mit Rückschein - auffordern, die persönlichen Daten zu löschen und nicht weiter zu nutzen.Ärger gibt es auch mit den angeblichen Kundenunternehmen. Knapp 280 Firmen suchten über Yourcha nach Mitarbeitern, behauptet Sven Reuter. Doch offenbar schmückt sich die Plattform mit falschen Referenzen: ?Da sind wir definitiv nicht Kunde?, versichert Doreen Haase von der Kommunikationsagentur TC Gruppe, deren Logo noch kürzlich auf der Yourcha-Homepage durchlief. Dem kann sich Daniela Denninger vom Museum für Moderne Kunst (MMK) Frankfurt nur anschließen: ?Von Yourcha höre ich heute zum ersten Mal.? Die Werbeagentur Publicis, die Großbank UBS - sie alle haben nach eigenen Aussagen nichts mit Yourcha zu schaffen, obwohl das Unternehmen sie als Kunden nennt. Immerhin: Kurz nach den karriere-Recherchen verschwanden die Logos sämtlicher Unternehmen - darunter auch Konzerne wie Audi und VW - von der Homepage. Seine hochgesteckten Ziele wird Sven Reuter so wohl nicht erreichen. Im Interview hatte er noch getönt: ?Wir werden vermutlich in den nächsten 24 Monaten unter die Top Drei der Recruiting-Plattformen vorstoßen.?
Dieser Artikel ist erschienen am 29.06.2007