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Zwei Paar Schuhe

Fulltime oder Executive MBA? Sprich: 18 Monate Campus-Leben oder 16 Monate berufsbegleitend? Wer ein MBA-Studium erwägt, für den ist diese Frage zentral. Mireia Rius und Elena Liquete von der IESE Business School beantworten sie aus Insidersicht.
Als Alois Linder 1970 für sein damaliges Unternehmen nach Spanien ging, traf er dort zum ersten Mal Kollegen, die von ihrem MBA-Studium erzählten. Der Gedanke gefiel ihm sofort. Kurze Zeit später schrieb er sich an der IESE in Barcelona ein, die als erste europäische Business School einen zweijährigen Vollzeit-MBA anbot

Linders Motive unterscheiden sich wenig von denen heutiger Kandidaten. Als Diplomkaufmann wollte er sich nach ein paar Jahren im Job weiterqualifizieren und seine Karriere anschieben. Seine eher akademischen Kenntnisse wollte Linder durch praxisnahes Wissen ergänzen. Das zweijährige MBA-Programm bot ihm all dies: "Zwei Jahre MBA ersetzen fünf oder sechs Jahre im Beruf", bestätigt Linder heute. Bald nach seinem Abschluss wechselte er zu Henkel - heute gehört er zum Vorstand des Unternehmens

Die besten Jobs von allen


Karrierewege austesten
Viele, die sich für den MBA in Vollzeit entscheiden, suchen Abstand vom bisherigen Job, suchen persönlich und beruflich nach neuen Perspektiven. Das kann die Germanistin sein, die nach dem Abschluss zu einer Investmentbank geht, genauso wie der Investmentbanker, der zu einer Hilfsorganisation wechselt. In den 18 Monaten können die Studenten der IESE Business School Spezialisierungskurse belegen, während der so genannten "Summer Internships" in Unternehmen und in Ländern ihrer Wahl arbeiten. So können die Studenten verschiedene Optionen austesten, bevor sie sich endgültig für einen Karriereweg entscheiden. Die Studierenden des Fulltime-Programms der IESE sind durchschnittlich 27 Jahre alt, und haben vier Jahre gearbeitet. Fast 80 Prozent kommen aus dem Ausland - insbesondere aus den USA, Großbritannien, Brasilien, Mexiko, Japan, Indien und Deutschland. Die Kontakte, die so entstehen, gehören zu dem Wichtigsten im Gepäck der Absolventen, wenn sie den Campus schließlich verlassen

Alternative Teilzeit
Gerade für Deutsche, die für ihr Hochschulstudium im internationalen Vergleich relativ lange brauchen, kommt der MBA in Vollzeit oft nicht mehr in Frage. Wer aber nach mehreren Jahren im Beruf nach neuem Input und neuen Herausforderungen sucht, ist mit einem Executive MBA, der berufsbegleitenden Variante, gut beraten. Im Gegensatz zum Vollzeit-Programm erfüllt der Executive-MBA aber nicht mehr die Rolle des Karriereturbos. Die Kandidaten aus dieser Zielgruppe sind beruflich bereits ausgesprochen erfolgreich und können es sich kaum leisten, für anderthalb Jahre auszusteigen. So ist auch das Teilnehmerprofil des Global Executive MBA an der IESE mit dem des Fulltime MBA nicht vergleichbar. Durchschnittlich verfügen die Teilnehmer über 13 Jahre Arbeitserfahrung - sieben davon in Führungspositionen - und sind im Schnitt 38 Jahre alt. Weil abgehetzte Manager mit Jetlag vom ständigen Wechsel zwischen Beruf und Studium kaum profitieren würden, ist das Programm in sieben zweiwöchige Module aufgeteilt. Über 16 Monate hinweg treffen sich die Teilnehmer in Barcelona, Madrid, Silicon Valley und Schanghai.

Zeitzonen überwinden
Ansonsten studieren sie auch zwischen den Modulen weiter, meist abends und am Wochenende. Über eine webbasierte Plattform werden sie von den Kommilitonen und den Professoren auf Trab gehalten. Allerdings muss niemand zu einer bestimmten Zeit online sein, da die Teilnehmer in unterschiedlichen Zeitzonen leben und auch unterschiedlichen beruflichen Verpflichtungen nachgehen. Sieben Module auf drei Kontinenten - für viele unserer Teilnehmer ist das eine logistische Herausforderung. Doch es lohnt sich. Firmenbesuche, beispielsweise bei Cisco, Electronic Arts oder Intel, gehören genauso zum Silicon-Valley-Modul wie ein Treffen mit den Alumni der Stanford Business School. Wertvolle Einblicke in eine fremde Business-Kultur, Zugang zu verschiedenen Netzwerken - diese Kombination verhilft zu völlig neuen Gedankengängen. Jörn Berninger, Absolvent 2006, kam bei einem der Firmenbesuche in Kalifornien die Erleuchtung: "Schon vier Jahre hatte ich mit einer Idee gespielt. Aber erst in diesem Modul habe ich erkannt, wie ich das Ganze aufziehen könnte." Vorher fehlte ihm das Netzwerk, das richtige Werkzeug, das Insiderwissen über Venture Capital. "Wir haben uns mit Investoren und Unternehmen getroffen, die mit Risikokapital ihr eigenes Geschäft aufgebaut haben. Erst daraus habe ich gelernt, wie ich es selbst machen kann.

Mireia Rius und Elena Liquete

Die Autorinnen:
Mireia Rius leitet als Director Admissions das Aufnahmeverfahren an der IESE Business School in Barcelona.
Elena Liquete ist Programmdirektorin für das Global Executive Programm
www.iese.de
Dieser Artikel ist erschienen am 29.03.2007