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Zwei-Kulturen-Mythos überwinden

"Die Geisteswissenschaften müssen ihre eigenen Orientierungs- und Organisationsprobleme überwinden", sagt Dieter Simon, Präsident der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften.Fünf Autoren haben deshalb das ?Manifest Geisteswissenschaften? erarbeitet: die Philosophen Carl Friedrich Gethmann und Jürgen Mittelstraß, der Historiker Dieter Langewiesche, der Rechtshistoriker Dieter Simon und der Physiologie Günter Stock.

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Das Manifest liefert eine Analyse des derzeitigen Zustands der Geisteswissenschaften, einen kritischen Blick auf ihr Selbstverständnis und präsentiert konkrete Vorschläge zu ihrer Reorganisation.Mit Blick auf das Selbstbewusstsein der Geisteswissenschaften sollte nach Auffassung der Autoren vor allem der Zwei-Kulturen-Mythos (Geisteswissenschaften versus Naturwissenschaften) überwunden werden. Die Geisteswissenschaften sollten sich nicht länger in eine Position drängen lassen, in der sie zwar vom Modernisierungsdruck entlastet seien, jedoch Gefahr liefen, aus den Wissenschaften in den Bereich der Kultur verdrängt zu werden.Als Reaktion auf die institutionellen Probleme der Geisteswissenschaften geben die Autoren konkrete Empfehlungen. Sie plädieren dafür, die ?überholten disziplinären Parzellierungen? aufzuheben und die Geisteswissenschaften inhaltlich wie institutionell an transdisziplinären Wissensformen auszurichten. Die Neuordnung des Universitätsstudiums in BA, MA und Promotion sollte genutzt werden, die geisteswissenschaftlichen Studiengänge so zu reformieren, dass Grenzüberschreitungen des jeweiligen Fachs ermöglicht werden.Um den Platz der Geisteswissenschaften in der gesellschaftlichen Mitte zu sichern, befürworten die Autoren eine größere wissenschaftliche Einrichtung nach dem Modell des Collège de France und ein europäisches Programm für die Geisteswissenschaften.www.bbaw.de/bbaw/Aktuell/
Dieser Artikel ist erschienen am 28.11.2005