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Zumwinkel liebt keine halben Sachen

Von Axel Granzow
Klaus Zumwinkel hat als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom ein persönliches Tabu gebrochen: Er hat sich mit der Ablösung von Kai-Uwe Ricke in das operative Geschäft der Telekom eingemischt. Nur so konnte er die wochenlange Hängepartie beenden. Ricke wäre öffentlich geschlachtet worden, die Telekom drohte unter die Räder zu kommen. Und auch der Chef des Aufsichtsrats selbst hätte unter Beschuss gestanden.
DÜSSELDORF. ?Meine Frau meint, ich sei auf dem Foto gut getroffen?, scherzte Post-Chef und seit 2003 auch Telekom-Aufsichtsratsvorsitzender Klaus Zumwinkel noch vor zwei Wochen über Medienberichte zur Verlängerung des Vertrags von Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke. Auf einer halben Seite breitete die ?Süddeutsche Zeitung? mit großem Foto da noch die neuesten Spekulationen über den Telekom-Vorstand aus. Eine Kompromisslösung werde angestrebt. Ricke sollte danach nur einen Drei- statt einen Fünfjahresvertrag erhalten ? sozusagen als Vorstandschef auf Bewährung. ?Das ist blanker Unsinn und entbehrt jeder Grundlage?, wetterte Zumwinkel damals auf einer Pressekonferenz der Deutschen Post in den USA. Halbe Sachen macht der Post-Chef nicht ? hopp oder Top ? aber mit Augenmaß, vorsichtig und zurückhaltend. Nun hat Ricke auf Betreiben Zumwinkels den Hut genommen, er war als Telekom-Chef nicht mehr zu halten.Erstmals brach Zumwinkel in den USA ein ?persönliches? Tabu: Er sagte als Aufsichtsratschef etwas über die Telekom. Im kleinen Kreis erneut auf den Bonner Konzern angesprochen, wechselte der ehemalige McKinsey-Manager und Quelle-Chef dann aber lieber das Thema. Schließlich wollte er als Post-Chef eine andere Wende ankündigen: Die Tochter DHL Express ist in den USA endlich aus dem Gröbsten heraus. Zuvor hatte Zumwinkel seinen DHL-USA-Chef Uwe Dörken in die Wüste geschickt, nachdem der in den USA die Kurve nicht gekriegt hatte. Und erst kürzlich noch setzte Zumwinkel den DHL-Express-Europa-Chef Peter Kruse vor die Tür. Auch hier war er mit seiner Geduld am Ende.

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Zumwinkel ist kein Zauderer, auch nicht als Aufsichtsratschef. Top-Manager dürfen Fehler machen ? aber nicht zu oft. Er lässt Leine, greift aber hart durch, wenn etwas aus dem Ruder zu laufen droht. Auch Ricke durfte Fehler machen und bekam sogar eine Chance. Doch am vergangenen Donnerstag fiel sein Strategieplan, mit dem er der Telekom wieder Zukunft vermitteln und vor allem die Börse überzeugen wollte, endgültig durch. Zumwinkel teilte Rickes Erfolgsdarstellung nicht, im Gegenteil. Er monierte die anhaltende Abwanderung der Kunden.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Nur der letzte TropfenSo brachte dieser letzte Tropfen das Fass zum Überlaufen. Die Unzufriedenheit über Ricke war latent und beinahe täglich Thema in den Medien. Doch Rickes Ideen, der Telekom eine neue Richtung zu geben, zündeten nicht. Wochenlang hatte Zumwinkel bereits die Diskussion über Ricke ertragen müssen und stillgehalten, zu Ricke gestanden. Doch jetzt musste er, der sich als Aufsichtsratschef grundsätzlich nicht in das operative Geschäft einmischt, eingreifen. Eine Hängepartie bis zur nächsten Sitzung des Aufsichtsrats Anfang Dezember wollte Zumwinkel auf jeden Fall vermeiden. Ricke wäre öffentlich geschlachtet worden, die Telekom drohte unter die Räder zu kommen. Und auch der Chef des Aufsichtsrats selbst hätte unter Beschuss gestanden.Folglich hat er es erstmals richtig krachen lassen, sagen Insider. Seit Ende vergangener Woche war dann klar: Es gibt einen Wechsel. Innerhalb von vier Tagen setzte Zumwinkel mit René Obermann seinen neuen Hoffnungsträger durch. ?Ich bin wirklich optimistisch für die Deutsche Telekom?, sagte Zumwinkel gestern bei der Vorstellung des Neuen in Bonn.Damit dürften auch Spekulationen über Zumwinkels Zukunft als Aufsichtsratschef vom Tisch sein: Er wird seinen Vertrag bei der Telekom erfüllen. Dieser läuft bis Anfang 2008.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.11.2006