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Zukunftsvorsorge

Barbara Weise
Jeder weiß, dass die Renten nicht mehr sicher sind ? und trotzdem kümmern sich die meisten Deutschen nicht ausreichend um ihre Altersvorsorge. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat gezeigt, dass nur jeder Achte weiß, wie viel er für seine Zukunft sparen muss.
Jeder weiß, dass die Renten nicht mehr sicher sind ? und trotzdem kümmern sich die meisten Deutschen nicht ausreichend um ihre Altersvorsorge. Eine Studie der Bertelsmann Stiftung hat gezeigt, dass nur jeder Achte weiß, wie viel er für seine Zukunft sparen muss.Früher war die gesetzliche (staatliche) Rente der wichtigste Baustein für die Altersvorsorge. Aufbauend auf den Generationenvertrag, nach dem die jeweils berufstätige Generation für die Renten der älteren Generation aufkommt, konnte sich jeder Angestellte und Arbeiter auf eine sichere Rente verlassen. Wer sein ganzes Leben gearbeitet hat und 45 Jahre lang in die gesetzliche Rentenkasse eingezahlt, bekommt heute etwa 67 Prozent seines Durchschnittseinkommens als Rente ausgezahlt. Beamte bekommen sogar 70 Prozent des letzten, also höchsten Nettoverdienst als Pension vom Staat.

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Doch diesen Standard wird sich Deutschland in Zukunft nicht mehr leisten können. Es werden weniger Kinder geboren, und die Menschen werden immer älter. Deshalb muss eine kleinere Zahl an Berufstätigen für immer mehr Rentner aufkommen. Da dieses System nicht funktionieren kann, muss jeder zusätzlich dafür sorgen, dass er im Alter genug Geld zur Verfügung hat.Wie groß die Vorsorgelücke im Alter sein wird, die man durch private Vorsorge ausfüllen muss, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. Als Faustregel gilt:Vorsorgelücke = Versorgungsbedarf ? Einkommen im Alter Erst mal muss jeder für sich klären, wie groß sein Versorgungsbedarf im Alter sein wird, also wie viel Geld er zum Leben braucht. Neben den laufenden Kosten wie Miete, Wohnnebenkosten, Haushaltsgeld, Versicherungen und Kreditraten muss man überlegen, welche Ansprüche man an das Leben im Ruhestand hat. Wer sich auf Reisen oder teure Hobbys freut, muss das Geld dafür extra einplanen. Auch sollte man an Rücklagen für größere Anschaffungen, zum Beispiel ein neues Auto, denken. Als Richtwert empfehlen Experten, etwa 90 Prozent des letzten Nettoeinkommens einzurechnen.Danach muss man überlegen, wie groß das Einkommen im Alter sein wird. Über die voraussichtliche Rentenhöhe informieren die Rentenversicherungsträger. Ab 2005 sollen alle Versicherten jährlich Auskunft über den Stand ihres Rentenkontos erhalten. Jedoch muss man davon ausgehen, dass die dort gemacht Angaben zu optimistisch sind, denn sie beinhalten keine Risiken, wie Rentenkürzungen, Arbeitslosigkeit oder vorzeitigen Ruhestand. Weitere Einkommen im Alter sind Bezüge aus der betrieblichen Altersvorsorge ? wie hoch diese sein werden, darüber informiert der Arbeitgeber. Außerdem können als Einnahmen bereits bestehende Rentenversicherungen eingerechnet werden.Im Vergleich von erwarteten Ausgaben und geschätzten Einnahmen kann jeder seine persönliche Vorsorgelücke ermitteln. Im nächsten Schritt muss man dann über eine Strategie nachdenken, wie diese Lücke gefüllt werden kann.Vorsorgestrategien ? unterschiedlich je nach Alter und Lebenssituation Die persönliche Vorsorgestrategie hängt von vielen Faktoren ab: vom Einkommen, Eigenkapital/Erbschaften, Alter und Familienstand. Deshalb kann man keine für alle passende Idealstrategie entwickeln, sondern jeder muss sich für sein persönliches Modell entscheiden. Generell gilt jedoch: Je früher man mit der Altersvorsorge beginnt, desto geringer können die Sparbeiträge sein. Je riskanter die Geldanlageprodukte sind, desto höher sind die Renditechancen. Es empfiehlt sich, als junger Mensch risikoreicher anzulegen, und später in sichere Anlageprodukte mit einer geringeren Rendite zu investieren.Schon in den ersten Berufsjahren sollte man an seine Rente denken. Wer ein eigenes Gehalt bezieht, hat Anspruch auf staatliche Förderung, die Riester-Rente. Da die eigenen Beiträge sich prozentual aus dem Einkommen berechnen, sind sie auch für Berufsanfänger bezahlbar.Eine Lebensversicherung als Familienschutz ist für Singles nicht erforderlich. Empfehlenswert ist dagegen eine Berufsunfähigkeitsversicherung, denn wer wegen Unfall oder Krankheit nicht mehr arbeiten kann, kann von der staatlichen Rente kaum überleben. Tipp: Wer früh eine Berufsunfähigkeitsversicherung abschließt, zahlt günstige Beiträge und kann bei späteren Erkrankungen nicht wieder ausgeschlossen werden.Mit steigendem Einkommen sollte man sich verstärkt um seine Zukunft sorgen. Es lohnt sich, eine private Rentenversicherung abzuschließen und dabei alle staatlichen Zulagen zu nutzen. Wer Kinder hat, bekommt durch die Riester-Rente zusätzliche Prämien. In der Hauptphase des Berufslebens, etwa zwischen 30 und 50 Jahren, muss jeder selbst entscheiden, auf welche Produkte er setzt, ob ihm eine höhere Rendite oder mehr Sicherheit wichtiger ist. Wer auf Aktien setzt, sollte breit streuen, damit das Risiko nicht zu groß wird.Für Familien ist eine Risikolebensversicherung empfehlenswert, damit die Familie im Notfall finanziell abgesichert ist. Mit einer Kapitallebensversicherung sorgt man zusätzlich fürs Alter vor, ab einer Laufzeit von zwölf Jahren sogar steuerfrei.Im Laufe des Lebens sollte man seine Vorsorgestrategie immer wieder überdenken und der Lebenssituation anpassen. Wenn ein Ehepartner nicht arbeitet, sondern sich um Haushalt und Kinder kümmert, hat er trotzdem Anspruch auf staatliche Förderung. In einem solchen Fall ist Familienschutz für den nicht berufstätigen Partner besonders wichtig.Je mehr man sich dem Rentenalter nähert, desto sicherer sollte die Geldanlage sein. Wer vorher vor allem in Aktien investiert hat, sollte jetzt eher in risikoarme Anlagen umschichten.
Dieser Artikel ist erschienen am 14.04.2004