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Zu Höherem berufen

Die Fragen stellte Hans-Martin Barthold
Interview mit Professor Dr. Horst Geschka, Chef der Geschka & Partner Unternehmensberatung, Darmstadt, und bis vor wenigen Wochen Präsident des Verbandes Deutscher Wirtschaftsingenieure. e.V. (VWI).
Viele Studenten beklagen das unverbundene Nebeneinander technischer und betriebswirtschaftlicher Fächer. Sind die Lehrpläne verbesserungswürdig - oder die Studenten den Anforderungen einfach nicht gewachsen?

Horst Geschka: Diese Klagen scheinen mir weitgehend berechtigt, auch wenn ein Studium natürlich nicht die Fortsetzung von Schule ist. Doch es gibt bislang keine Instanz, deren Aufgabe die Optimierung des Studiums wäre.

Die besten Jobs von allen


Tatsächlich machen die Wissenschaftsministerien es sich recht leicht. Denn sie fügen technische und wirtschaftswissenschaftliche Fächer einfach irgendwie in einem Curriculum zusammen und nennen es anschließend Wirtschaftsingenieurwesen. Dabei verlangt ein interdisziplinäres Studium wie das Wirtschaftsingenieurwesen zwingend die zielgerichtete Integration seiner sehr unterschiedlichen Teildisziplinen.

Bisher findet deshalb deren Zusammenführung notgedrungen fast ausschließlich in den Köpfen der Studenten statt. Das freilich mit sehr guten Ergebnissen. Immerhin ist daraus ein inzwischen überaus erfolgreiches Berufsbild entstanden.

Welche Vorteile bieten jeweils das Simultan- und das konsekutive Studienmodell?

Das Simultanstudium bietet die kontinuierliche und permanente Vertaktung wirtschafts- und ingenieurwissenschaftlicher Lehrveranstaltungen. Der ständige "Systemwechsel" wird den Studenten dadurch zur Selbstverständlichkeit. Das ganzheitliche Herangehen an technisch-wirtschaftliche Aufgaben geht ihnen in Fleisch und Blut über, fachliche Grenzen verlieren ihre Bedeutung. Diesen Vorzug kann das Aufbaustudium strukturbedingt nicht bieten. In einigen betrieblichen Funktionen ist es allerdings vorteilhaft, ein Ingenieur-Vollstudium abgeschlossen zu haben. Im Übrigen bietet das Aufbaustudium die Möglichkeit, ein Berufsziel, das sich erst im Laufe des Studiums verändert hat, ohne großen Zusatzaufwand zu erreichen.

Konkurrieren Wirtschaftsingenieure bei der Jobsuche mit Absolventen eines konventionellen Ingenieurstudiums und zusätzlichem MBA-Abschluss?

Tatsächlich sind Wirtschaftsingenieure für höhere Managementfunktionen geradezu prädestiniert. Damit werden Absolventen anderer managementorientierter Ausbildungsmodelle für sie zu ganz natürlichen Konkurrenten. Doch Wirtschaftsingenieure sind für diesen Wettbewerb gut gerüstet. Ihr Vorteil: Sie studieren nicht Wirtschaft und parallel dazu Technik, sondern sie durchdringen im Studium wirtschaftswissenschaftliche Themen mit dem kritischen Blick nach dem technisch Machbaren und untersuchen umgekehrt technische Problemlösungen auf der Grundlage unternehmerischer Kosten-Nutzen-Erwägungen. Vor allem im Management komplexer technischer Projekte kommt kein Personalchef an den Wirtschaftsingenieuren vorbei.

Weitere Informationen unter:
www.vwi.org/studium/index.htm
www.hochschulkompass.de
www.wiing-aktiv.de
Dieser Artikel ist erschienen am 17.08.2001