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Zimmer frei

Katja Stricker
Das häusliche Arbeitszimmer von der Steuer absetzen - ein Privileg, das längst nicht jedem zuteil wird. Wer den Fiskus an den Kosten für sein Home-Office beteiligen kann und welches Steuersparpotenzial in der Büroeinrichtung steckt.
"Ich nehme abends und an Wochenenden regelmäßig Arbeit mit nach Hause" - ganz so einfach lässt sich ein Arbeitszimmer in den eigenen vier Wänden gegenüber dem Finanzamt nicht begründen. Nur unter ganz bestimmten Voraussetzungen können Arbeitnehmer ihr Home-Office als Werbungskosten von der Steuer absetzen

Relativ leicht haben es Angestellte, die komplett von zu Hause aus arbeiten - also Teleworker - sowie Freiberufler und Gewerbetreibende. Wenn bei ihnen das häusliche Arbeitszimmer den Mittelpunkt der beruflichen Tätigkeit bildet, können sie die Kosten steuerlich in voller Höhe abziehen. Darunter fallen beispielsweise Rechtsanwälte oder Steuerberater mit Büro im eigenen Haus, aber auch Hausfrauen und Studenten, die eine selbstständige Tätigkeit ausüben, etwa Übersetzen, Artikel schreiben oder Nachhilfe geben

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Bis 1.250 Euro absetzbar

Bei Angestellten, die trotz festem Arbeitsplatz im Unternehmen mehr als 50 Prozent der Zeit daheim ihren Job machen, erkennt das Finanzamt bis zu 1.250 Euro jährlich als Werbungskosten an. Diese Grenze gilt auch, wenn es beim Arbeitgeber keinen Schreibtisch gibt, den der Mitarbeiter nutzen könnte. Klassisches Beispiel dafür sind Außendienstmitarbeiter und Lehrer, die für die Unterrichtsvorbereitung und Klausur-Korrekturen in der Schule keinen Schreibtisch haben.

Angestellte, die ihr Home-Büro nur hin und wieder nutzen, um dort Akten abzuarbeiten oder einen Vortrag für den Job vorzubereiten, können dagegen keinerlei Kosten abziehen. Einzige Möglichkeit für sie: Die Arbeitszeit mindestens zur Hälfte nach Hause verlegen, so dass wenigstens ein Abzug von bis zu 1.250 Euro der Kosten möglich ist

Arbeiten außer Haus

Wer sich ein Arbeitszimmer außerhalb der eigenen vier Wände einrichtet, kann die Kosten unbegrenzt absetzen - vorausgesetzt, es wird ausschließlich beruflich genutzt. Dabei ist der häufigste Streitpunkt mit dem Finanzamt: Wann fällt das Zimmer in die Kategorie "außerhäuslich"? Knackpunkt ist die räumliche Nähe zur Privatwohnung. Ein Büro im Keller interpretiert das Finanzamt meist als zur Wohnung gehörend. Selbst Steuerzahler, die für den Job eigens eine Zweitwohnung im gleichen Haus anmieten, sind nicht immer aus dem Schneider. Ein endgültiges Urteil des Bundesfinanzhofs, ob die Kosten doch in voller Höhe anerkannt werden, steht noch aus.Nur wer in einem anderen Gebäude einen Raum anmietet, umgeht von vornherein jegliche Probleme, selbst wenn es sich um das Haus der Eltern oder eines Freundes eine Straße weiter handelt. Voraussetzung: Es muss einen offiziellen Mietvertrag geben

Steht im Nebenjob kein Arbeitsplatz zur Verfügung, können wie im Hauptberuf bis zu 1.250 Euro als Werbungskosten für das häusliche Arbeitszimmer abgezogen werden - allerdings nur vom Einkommen aus der Nebentätigkeit. Fällt der Zweitjob unter die Minijob-Grenze von 400 Euro, sind keine Werbungskosten - und damit auch kein Arbeitszimmer - abzugsfähig

Der auf 1.250 Euro beschränkte Abzug gilt laut einem aktuellen Urteil des Bundesfinanzhofs auch für Angestellte, die sich nebenbei als Selbstständige ein zweites Standbein schaffen wollen. Begründung: Das Arbeitszimmer ist nur dann komplett absetzbar, wenn es den Mittelpunkt der gesamten beruflichen Tätigkeit bildet. Bei der Bewertung der Arbeitsdauer werden also beide Jobs herangezogen. Das heißt: Komplett absetzen kann ein Nebenjobber sein Home-Office nicht.

Pauken lohnt sich

Arbeitnehmer, die sich abends und an den Wochenenden zu Hause weiterbilden, dürfen ebenfalls bis zu 1.250 Euro der Kosten für das Arbeitszimmer absetzen. Gleiches gilt auch für Arbeitslose und Arbeitnehmerinnen im Mutterschutz oder Erziehungsurlaub. Ausgaben für Miete und Ausstattung können als vorab entstandene Werbungskosten von künftigen Einnahmen abgezogen werden. Ob komplett oder nur bis zu einer Höhe von 1.250 Euro, darüber hat der Bundesfinanzhof in München in den kommenden Wochen zu entscheiden. Dauert die Fortbildung nur einige Monate, sind die Kosten für den Raum nur anteilig für diese Zeit abziehbar

Durchgangsverkehr tabu

Ob das Finanzamt ein Arbeitszimmer anerkennt, hängt nicht nur von Nutzung und Job des Steuerzahlers ab, sondern auch vom Raum selber. Wichtige Voraussetzung: Das Arbeitszimmer muss ein separater Raum sein; eine Arbeitsecke etwa im Wohn- oder Schlafzimmer oder den Arbeitsbereich auf der Galerie eines offenen Wohnzimmers akzeptieren die Finanzbeamten nicht. Und das Zimmer muss ausschließlich beruflich genutzt werden. Durchgangszimmer sind daher untauglich, denn das Durchqueren, um in andere Räume der Wohnung zu kommen, sieht der Fiskus schon als private Nutzung an.

Auch zu groß darf das Büro nicht sein. Die Finanzbeamten prüfen, ob nach Abzug des Raums noch genügend Wohnraum zum Leben bleibt. Bei Singles wird ein kleiner Arbeitsraum in einer Zwei-Zimmer-Wohnung im Allgemeinen anerkannt. Bei einem Paar mit zwei Kindern muss dagegen die Wohnung mindestens vier Zimmer haben, damit eines als Büro durchgeht.

Der Raum muss wie ein Arbeitszimmer eingerichtet sein, also normalerweise mit Schreibtisch, Stuhl und Regalen. Bei privaten Gegenständen wie Home-Trainer, Musikanlage oder Fernseher unterstellt das Finanzamt meist, dass das Zimmer auch privat genutzt wird und lehnt die Anerkennung als Werbungskosten ab.

Steuern sparen beim renovieren

Hat das Finanzamt das Arbeitszimmer prinzipiell anerkannt, können neben den laufenden Kosten auch Ausstattung und Einrichtung steuermindernd geltend gemacht werden. Wichtig dabei: Der Betrag von 1.250 Euro ist keine Pauschale, die die Finanzbeamten ohne Kostennachweis gewähren, sondern ein Höchstbetrag. Deshalb müssen Steuerzahler alle Ausgaben mit Quittungen belegen. Wer zur Miete wohnt, kann anteilig nach der Größe des Arbeitsraumes Miete, Wasser,- Strom- und Heizkosten, Treppenhaus- und Wohnungsreinigung, Müllabfuhr und alle sonstigen Nebenkosten absetzen. Haus- oder Wohnungsbesitzer können unter anderem Zinsen für den Hauskredit, Gebäude-Abschreibung, Reparaturkosten sowie Gebühren für den Schornsteinfeger absetzen.

Die Ausgaben für Tapeten, Farben, Fußboden, Fußleisten sowie den Arbeitslohn für Handwerker erkennt das Finanzamt im Rahmen von Renovierung und Schönheitsreparaturen an. Ebenso Anschaffungskosten für Gardinen, Vorhänge, Einbauschränke, Deckenbeleuchtung, Teppiche oder Heizkörperverkleidungen. All diese Kosten gehören unmittelbar zum Arbeitszimmer und sind damit unter Umständen auf 1.250 Euro beschränkt

Fiskus spendabel bei Möbeln

Viel Steuerspar-Potenzial bietet die Büroeinrichtung. Denn Arbeitsmittel wie Schreibtisch und -stuhl, Papierkorb, Bücherregal, Aktenschrank, Computer, Fax und Telefon sind für jedermann absetzbar - unabhängig davon, ob er ein Arbeitszimmer geltend machen kann oder nicht. Einzige Voraussetzung: Der Steuerzahler nutzt die Möbel beruflich. Dabei spielt es keine Rolle, ob etwa ein Computertisch in einer Arbeitsecke im Schlafzimmer oder in einem anerkannten Arbeitsraum steht. Ein bisschen Luxus im Büro ist durchaus erlaubt. Teure Antiquitäten wie etwa einen antiken Schreibtisch für 3.500 Euro oder einen Schreibtischsessel für 2.000 Euro erkannte der Bundesfinanzhof als nicht überhöht an - ebenso edle Designermöbel oder Teppiche. Kostet ein Gegenstand mehr als 410 Euro, ist er über seine Nutzungsdauer abzuschreiben - Büromöbel zum Beispiel über 13 Jahre. Liegt der Anschaffungspreis darunter, ist der Betrag sofort abzugsfähig.

Auch die Kosten für einen Computer sind absetzbar - und zwar anteilig nach der beruflichen Nutzung. Steht der PC allerdings in einem anerkannten häuslichen Arbeitszimmer und wird mehr als zehn Prozent für private Zwecke genutzt, kann der Fiskus die Kosten für das Büro komplett streichen. Grund: Der Steuerzahler nutzt den Raum nicht mehr so gut wie ausschließlich beruflich.

Bilder, Poster, Gemälde, Skulpturen, Blumen oder Vasen erkennt der Fiskus dagegen in der Regel nicht als Werbungskosten an. Ausnahme: Im Arbeitszimmer werden regelmäßig Besucher und Kunden empfangen. Dann sind unter Umständen auch Sofa und Sessel abzugsfähig.

Wer Ausgaben für Miete, Ausstattung oder Einrichtung seines Arbeitszimmers in der Steuererklärung geltend macht, sollte damit rechnen, dass das Finanzamt die Angaben hin und wieder vor Ort überprüft. Doch keine Panik: Die Finanzbeamten müssen sich vorher ankündigen

Einspruch erheben

Um die Absetzbarkeit von Arbeitszimmern wird zurzeit noch heftig gestritten; bei vielen Verfahren hat in den kommenden Wochen und Monaten der Bundesfinanzhof in München das letzte Wort. Um künftig von positiven Urteilen profitieren zu können, sollten Steuerzahler zunächst ihre Kosten für das Home-Office bei der jährlichen Steuererklärung in jedem Fall geltend machen. Erkennt das Finanzamt die Ausgaben nicht als Werbungskosten an, kann der Steuerzahler mit Hinweis auf anhängige Verfahren innerhalb eines Monats gegen einen ablehnenden Bescheid Einspruch einlegen

Das sagen die Richter

Büro im Anbau ist "häuslich"

Liegt ein Arbeitsraum im Anbau eines Wohnhauses, gilt es als häusliches Arbeitszimmer und ist damit nur begrenzt abzugsfähig, selbst wenn es über einen eigenen Eingang, Klingel und Briefkasten verfügt und es keinen Durchgang zwischen Wohnhaus und Anbau gibt. So ein aktuelles Urteil des Bundesfinanzhofs München. Grund: Der Anbau war nur durch den zum Wohnhaus gehörenden Garten erreichbar. Dadurch sei eine starke Einbindung in die häusliche Sphäre gegeben.
BFH, Az. VI R 164/00

Archiv nicht extra abzugsfähig

Ein Archivraum im Keller gehört zum häuslichen Arbeitszimmer, so hat der Bundesfinanzhof entschieden. Im konkreten Fall handelte es sich um ein Arbeitszimmer und einen Extra-Archivraum im Keller des gleichen Hauses mit Regalen voller Akten. Der Bundesfinanzhof sah Büro und Archiv als Einheit an; es sei steuerlich völlig unerheblich, ob jemand einen großen Raum als Arbeits- und Lagerraum für Akten nutze oder zwei kleinere Zimmer. Die Ausstattung des Archivs mit Regalen und Tisch sowie die Aufgaben - nämlich das Sichten, Ordnen und Lagern von Unterlagen - seien typische Teilaufgaben eines Arbeitszimmers. Daher gelte die Abzugsgrenze von 1.250 Euro für beide Räume zusammen.
BFH, Az. VI R 70/01

Außendienstler im Vorteil

Ein häusliches Büro ist voll abzugsfähig, wenn laut Definition der "Schwerpunkt der beruflichen Tätigkeit" dort verrichtet wird. Das gilt auch, wenn die Zeit im heimischen Arbeitszimmer nur knapp über 50 Prozent der gesamten Arbeitszeit liegt. Im konkreten Fall ging es um das Home-Office eines Außendienstmitarbeiters. Das Finanzgericht entschied, dass die puren An- und Abwesenheitszeiten in dem Raum wenig über den Job-Schwerpunkt aussagen. Es komme vielmehr darauf an, wo der Steuerpflichtige die für seinen unternehmerischen oder beruflichen Erfolg wesentlichen Leistungen erbringe - am Schreibtisch oder in seiner Außendiensttätigkeit. Das sei im Einzelfall zu prüfen.
FG Niedersachsen, Az. III 177/2000

Vier Tage sind zu wenig

Angestellte Außendienstler können ihr häusliches Arbeitszimmer als Werbungskosten absetzen, wenn sie im Unternehmen keinen dauerhaften Arbeitsplatz haben. Im konkreten Fall hatte ein Außendienstmitarbeiter nur an vier Tagen im Monat beim Arbeitgeber einen Schreibtisch zur Verfügung. Die restliche Zeit nutzte ein Azubi Tisch und Telefon. Das zuständige Finanzamt wollte dennoch die Kosten fürs Home-Office nicht anerkennen. Dem widersprachen die Finanzrichter: Wer seinen Firmenschreibtisch nur an wenigen Tagen im Monat zur Verfügung hat, darf die Kosten für den Alternativarbeitsplatz absetzen.
FG Niedersachsen, Az. 11 K 316/00

Dieser Artikel ist erschienen am 22.04.2003