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Zeitungsdesigner

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Am Anfang roch beruflich alles nach Katastrophe. Sein Studium der visuellen Mediengestaltung an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst brach Lukas Kircher ab. "Ich hatte keine Lust mehr und wollte in die Praxis", sagt er.
Am Anfang roch beruflich alles nach Katastrophe. Sein Studium der visuellen Mediengestaltung an der Wiener Hochschule für angewandte Kunst brach Lukas Kircher ab. "Ich hatte keine Lust mehr und wollte in die Praxis", sagt er. Kircher startete als Infografiker bei der "Kleinen Zeitung". Danach ging's bergauf: Art Director bei "Die Presse" - erst in Wien, dann mit 26 Jahren bei der Berliner Zeitung in Deutschland, wo er den kompletten Relaunch stemmte. Auf den Erfolg folgten höhere Weihen. Gruner + Jahr machte Kircher zum Leiter der Entwicklungsgrafik und Leiter der Grafik beim Stern in Hamburg. "Das war eine wichtige Zeit, in der ich viele nützliche Kontakte knüpfte." Doch nach einer Weile trieb ihn nur noch ein Gedanke um: "Entweder bleibe ich bei einer großen Firma und fliege spätestens mit 55 Jahren raus, ohne vorher mal etwas anderes gewagt zu haben. Oder ich mache mich jetzt sofort selbstständig."

Gedacht, getan. Im Jahr 2000 gründete der Klagenfurter die Agentur Kircher Burghardt in Berlin - der wichtigste Schritt seines damals knapp 30-jährigen Lebens. Der Lohn: Mit seinen Entwürfen (unter anderen für Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, Welt am Sonntag, Tagesspiegel) avancierte er zum Shootingstar unter den Zeitungsdesignern. "Es war für uns schon aufregend, ins kalte Wasser zu springen. Aber das Risiko, frustriert alt zu werden, war größer, als mit der Agentur zu scheitern.

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30 Prozent seiner Arbeit verbringt Kircher heute mit Design-Ideen, 70 Prozent mit Change Management: "Bis man Verlage und Redaktionen überzeugt hat, Dinge anders zu machen, zum Beispiel am Layout zu feilen, Grafik und Bild endlich mehr Bedeutung zu schenken, können Monate vergehen." Kirchers Ziel ist die ästhetisch-funktionelle Abstimmung von Grafik und Text. "Zeitungen müssen viel visueller werden. Und darum sollten alle, die im Print anfangen, eine übergreifende Ausbildung bekommen, also neben Journalismus auch Design lernen", findet Kircher. Editorial Designer (Zeitungsdesigner) wie ihn gebe es viel zu wenig. "Das ist schade. Denn es ist ein faszinierender Beruf, kreativ, informativ, nah am Menschen. Und wenn man Glück hat, kann man damit auch noch so viel Geld verdienen, dass man ein Unternehmen aufbauen kann. Was will man mehr?"
Dieser Artikel ist erschienen am 23.03.2005