Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Zeitarbeit zum Schnäppchenpreis

Von Christoph Hus
Personaldienstleister werden billiger. Bereits jedes fünfte deutsche Unternehmen nutzt Leiharbeiter.
HB DÜSSELDORF.Doch die Qualität der Leistungen leidet darunter nicht, meint Wieland, denn ?gerade die großen Anbieter haben einen starken Qualitätsfokus und darüber wollen sie sich bei ihren Kunden empfehlen?. Dies erklärt sich besonders durch die aktuelle Lage: Die Personaldienstleistungsbranche in Deutschland steht kurz vor einer Konsolidierungswelle.Große Anbieter wie Randstad, Adecco und Manpower werden ihren Marktanteil in den kommenden zwei Jahren stark ausbauen, sagt Wieland voraus, der gerade für Ernst & Young eine Studie über ?Personaldienstleistungen in Deutschland? erstellt hat, die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt: Vereinigen im Moment die zehn größten Anbieter von Zeitarbeit einen Marktanteil von 31 Prozent auf sich, so wird er bis zum Jahr 2007 auf 40 Prozent wachsen, und zwar vor allem zu Lasten kleiner Konkurrenten.

Die besten Jobs von allen

Gleichzeitig profitieren die Kunden von einem größeren Angebot. Viele Dienstleister offerieren inzwischen ein Vollsortiment. Es deckt alle gängigen Berufe und Qualifikationen ab und bietet den Kunden die Dienste von Interimsmanagern genauso wie den Einsatz ganzer Teams. Viele Unternehmen verhandeln deshalb nur noch mit einem großen Zeitarbeitsanbieter und lassen die vielen kleinen Konkurrenten außer Acht.Für bemerkenswert hält es Wieland, dass in vielen Unternehmen der Einsatz von Zeitarbeitern von der Personalabteilung auf den Einkauf übergegangen ist: ?In den Unternehmen zählt der Faktor Arbeit zunehmend nicht mehr zu den Fixkosten. Arbeit wird zum variablen Kostenfaktor.?Die Anbieter von Zeitarbeit profitieren üblicherweise als erste von einer anziehenden Konjunktur. Viele Unternehmen ordern bei steigender Auslastung zunächst Arbeitskräfte bei den Vermittlern, bevor sie neue eigene Mitarbeiter einstellen. Schon jedes fünfte deutsche Unternehmen beauftragt nach Zahlen des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung Zeitarbeitsfirmen.Eine Zahl, die steigen wird, vermutet Wieland, vor allem im Hinblick auf Büropersonal und Hochqualifizierte: ?Die deutschen Unternehmen haben in Sachen Zeitarbeit im europäischen Vergleich großen Nachholbedarf.? Hier zu Lande arbeiten erst 0,9 Prozent der Arbeitnehmer bei Personaldienstleistern. Europas Spitzenreiter ist Großbritannien mit 4,7 Prozent, gefolgt von den Niederlanden mit 4,5 Prozent. Auch in Frankreich ist die Zeitarbeit mit 2,1 Prozent der Arbeitnehmer stärker verbreitet hier.Lesen Sie weiter auf Seite 2:Die Studie im Detail. Die Studie im Detail: Zu den Verlierern der Marktumwälzung werden kleine bis mittlere und regionale Zeitarbeitsvermittler gehören, die angesichts sinkender Margen im Wettbewerb nicht mithalten können und an die großen Konkurrenten oder Beteiligungsgesellschaften verkaufen werden. 2002 mussten 199 Unternehmen der Branche Insolvenz anmelden (2001: 114).Kleinere Unternehmen begegnen der Konkurrenz großer Anbieter in jüngster Zeit mit Kooperationen. ?Vor allem Regionalanbieter setzen auf solche Partnerschaften, um bundesweit präsent zu sein?, erläutert Werner Stolz, Bundesgeschäftsführer des Interessenverbands Deutscher Zeitarbeitsunternehmen (IGZ).Im internationalen Vergleich ist der deutsche Zeitarbeitsmarkt stark zersplittert. Im vergangenen Jahr gab es rund 11 500 Unternehmen mit einer Lizenz zur Arbeitnehmerüberlassung. Mehr als die Hälfte hat nur eine Niederlassung mit weniger als 60 Zeitarbeitern. Seit drei Jahren ist der Umsatz der Branche kontinuierlich bis auf 7,5 Milliarden Euro 2003 gesunken.Jetzt erwarten die Unternehmen ein Ende der Schwächephase. Nach guten Zahlen in den ersten Quartalen soll der Umsatz wieder wachsen. Der Bundesverband IGZ rechnet mit einem Plus zwischen fünf und zehn Prozent. ?Unsere jüngste Mitgliederbefragung hat gezeigt, dass sich die Stimmung in der Branche stark aufgehellt hat?, freut sich Geschäftsführer Stolz. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Umfrage der Unternehmensberatung Lünendonk. Danach erwarten die 15 größten Zeitarbeitsfirmen einen durchschnittlichen Umsatzanstieg von 9,5 Prozent für das laufende Jahr.Der Anbieter DIS demonstrierte Anfang August mit guten Zahlen die starke Verfassung der Branche. Nach einem Umsatzanstieg von 21,9 Prozent im zweiten Quartal hob das Unternehmen seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr an. Gute Zahlen hatte zuletzt auch Konkurrent Randstad vorgelegt. Deutschland-Chefin Heide Franken sprach von einer ?Fortsetzung des positiven Trends aus dem vergangenen Jahr?.
Dieser Artikel ist erschienen am 16.08.2004