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Zehn goldene Regeln

Michael Kübbeler
Die traumhaft hohen Kurse am Neuen Markt mehrten stetig die Depotvermögen und suggerierten selbst Laien, durch ein bisschen Spekulation in die ?richtigen? Werte könne man endlos reich werden. Dummerweise drehte sich dann der Markt.
Im Frühjahr 2000 wähnte sich so mancher Aktionär schon als Millionär. Die traumhaft hohen Kurse am Neuen Markt mehrten stetig die Depotvermögen und suggerierten selbst Laien, durch ein bisschen Spekulation in die ?richtigen? Werte könne man endlos reich werden. Dummerweise drehte sich dann der Markt: Börsenlieblinge wie der Filmrechtehändler EM.TV oder der Software-Hersteller Intershop stürzten ab, und ruckzuck waren viele Beinahe-Millionäre wieder arm.

Genau der richtige Zeitpunkt, um die guten alten Börsentipps, die im vergangenen Jahr niemand hören und schon gar nicht beherzigen wollte, aus der Mottenkiste hervorzukramen. Die zehn goldenen Regeln der Aktienanlage lassen zwar nicht den Adrenalinspiegel, dafür aber den Depotwert merklich steigen.

Die besten Jobs von allen


1. Nie alles auf eine Karte setzen. Kein Geheimtipp der Welt ist es wert, dass man sein gesamtes Vermögen darin anlegt. Kluge Anleger investieren in verschiedene Aktien. Sie decken mehrere Branchen ab, indem sie zum Beispiel neben schwankungsfreudigen Technologietiteln auch etablierte Banken- oder Versicherungswerte kaufen. So sind zwar kaum außergewöhnliche Kurssprünge zu erwarten, aber die Unternehmen zahlen wenigstens regelmäßig Dividende.

2. Info-Beschaffung ist Pflicht. Bei einer Investition in eine bestimmte Aktie sollte man alle verfügbaren Informationen nutzen, um sich über Chancen und Risiken ein genaues Bild zu machen. Blind zu kaufen, ist dumm.

3. Niemals auf Kredit kaufen. Wer Aktien auf Kredit kauft, spürt bei einem Kursverfall den unangenehmen Druck des so genannten negativen Hebels: Sinkt der Kurs unter den Einstandskurs, kann der Kredit nicht mehr durch den Verkauf der Aktien zurückgezahlt werden, und zusätzliches Kapital muss her. Im Fall des Totalverlustes ist der Kredit dann völlig ungedeckt.

4. Gewinne sichern, Verluste begrenzen. Stopp-Loss-Orders verhindern, dass sich bereits aufgelaufene Kursgewinne bei einem plötzlichen Kursrückgang in Luft auflösen. Stoppkurse lassen Kursverluste nur bis zu einer bestimmten Schmerzgrenze zu (Junge Karriere 3/2001).

5. Never catch a falling knife. Nicht jeder Kursrutsch ist gleich ein Einstiegsgrund. Unter Umständen ist der Kursverfall in einer Baisse noch nicht beendet, deshalb sollten Anleger warten, bis sich eindeutige Kaufsignale abzeichnen. Dann ist eine Aktie vielleicht schon ein bisschen teurer, aber man muss immerhin keine Geldvernichtung im Depot ertragen.

6. Dem schlechten kein gutes Geld hinterherwerfen. Nicht jeder Kursrückgang bei einer Aktie sollte zum Nachkaufen anregen. Sonst wirft man sein gutes Geld dem schlechten hinterher. Aktionäre sollten überlegen, ob sie den Wert noch mal kaufen würden oder ob nicht ein anderer für die Zukunft eine bessere Performance verspricht.

7. Kein blindes Vertrauen in Empfehlungen anderer. Niemand gibt Tipps ohne guten Grund, außer zum eigenen Nutzen. Ein Tipp sollte bloß Anlass sein, sich die Aktie mal genauer anzuschauen.

8. Kein Bäumchen wechsle dich. Das ständige Hin- und Herspringen zwischen vermeintlich besser laufenden Werten kostet nur Gebühren und führt zu Reibungsverlusten. Meistens verpasst man dann den wirklich richtigen Moment zum Ein- oder Ausstieg. Eine stetige Anlagestrategie bringt mehr.

9. Nicht gegen Trends kämpfen. Der Trend ist immer stärker. Droht beispielsweise eine Konjunkturüberhitzung oder eine Erhöhung der US-Zinsen, sind Neuengagements gefährlich. Es empfiehlt sich, Anlageentscheidungen an mittelfristigen Trends auszurichten. Merke: Don?t fight the Fed (amerik. Notenbank)!

10. An Gewinnmitnahmen ist noch keiner gestorben. Ab und an sollten Anleger aufgelaufene Kursgewinne durch Teilverkäufe realisieren. Dies sichert ein Plus, bevor durch eine plötzliche Trendwende alle Gewinne wieder futsch sind

Dieser Artikel ist erschienen am 20.03.2001