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Zapf-Finanzvorstand zieht sich in Aufsichtsrat zurück

Einen Tag nach der Ankündigung einer Sonderprüfung für die Bilanz 2004 geht der Interims-Finanzvorstand von Zapf Creation. Einen Zusammenhang verneint das angeschlagene Unternehmen.
jojo/HB MÜNCHEN/RÖDENTAL. Peter Klein habe sein Amt als stellvertretendes Vorstandsmitglied mit sofortiger Wirkung niedergelegt, teilte das Unternehmen am Montagabend nach Börsenschluss in einer Pflichtmitteilung mit. Einen Zusammenhang zwischen der am Sonntagabend angekündigten Sonderprüfung der Bilanz 2004 und dem am Montagabend bekannt gegebenen Rücktritt verneinte eine Unternehmenssprecherin am Dienstag: ?Das kann definitiv ausgeschlossen werden.? Gründe für den Rücktritt von Klein wollte sie jedoch nicht nennen. ?Das kommentieren wir nicht.? Es hieß lediglich, die Funktion des Finanzvorstandes solle noch in diesem Jahr neu besetzt werden.Im Februar war Finanzvorstand Rudolf Winning ohne Angabe von Gründen aus dem Unternehmen ausgeschieden. Klein hatte sein Aufsichtsratsmandat ruhen lassen und war vorübergehend in den Vorstand gewechselt. Ab sofort gehöre Klein wieder dem Kontrollgremium von Zapf an, sagte die Zapf-Sprecherin.

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?Es hat zumindest einen ganz seltsamen Beigeschmack, dass er ausgerechnet jetzt geht?, sagte HVB-Analyst Peter-Thilo Hasler. Aber auch seiner Ansicht nach stehen die Sonderprüfung der Bilanz 2004 und der Rücktritt von Klein in keinem Zusammenhang.Der Jahresabschluss 2004 muss möglicherweise neu aufgestellt werden. Wirtschaftsprüfer hätten entdeckt, teilte das Unterehmen am Sonntagabend mit, dass insbesondere bei der Tochtergesellschaft in den USA einige Positionen nicht korrekt verbucht worden seien. Zudem würde geprüft, ob die dafür Verantwortlichen strafrechtlich belangt werden können.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Zapf ist seit zwei Jahren in Schwierigkeiten.Die Aktie des im Kleinwertesegment SDax notierten Unternehmens brach daraufhin ein. Das Papier rutschte gestern zu Handelsbeginn 13 Prozent ab, erholte sich später aber wieder. Am Nachmittag lag die Aktie bei 8,70 Euro, ein Minus von rund 3,5 Prozent. Damit nähert sich der Titel seinem Allzeit-Tief. Analysten zeigen sich schwer enttäuscht von den erneut schlechten Nachrichten. Die Experten der Hypo-Vereinsbank erwarten nun weitere Tiefststände der Aktie.Zapf hat seit zwei Jahren Probleme, seine einst so populären Puppen zu verkaufen. Umsatz und Gewinn des Spielzeuganbieters sind im vergangenen Jahr eingebrochen. Vor allem in Deutschland liefen die Marken Baby Born, Baby Annabell und Chou Chou zuletzt nicht mehr so gut wie früher. Das hat hausgemachte Gründe, liegt aber auch am schwachen Markt. So teilte Branchenführer Mattel am Montag mit, dass er mit seinen Barbie-Puppen im abgelaufenen Quartal weltweit 18 Prozent weniger umgesetzt hat. Im ersten Halbjahr war der Umsatz von Zapf um mehr als ein Viertel auf 36,8 Mill. Euro zurückgegangen. Der Verlust lag bei 17,3 Mill. Euro.Um wieder auf die Beine zu kommen, saniert Zapf-Vorstandschef Thomas Eichhorn derzeit das Unternehmen. Das ist unter anderem mit einem Stellenabbau verbunden. Eine der wichtigsten Baustellen ist das US-Geschäft, das Zapf schon seit einigen Jahren Sorgen bereitet. Bereits Ende 2003 hatte Eichhorn die Chefin der US-Tochter gefeuert. Der Mitteilung vom Sonntag zufolge ist es im vergangenen Jahr trotzdem zu Unregelmäßigkeiten in der Bilanz der amerikanischen Tochtergesellschaft gekommen. Nun solle eine Sonderprüfung klären, ob deshalb der gesamte Jahresabschluss 2004 ?mit umfangreichen Korrekturen? neu erstellt werden müsse, heißt es.Eine Firmensprecherin sagte am Montag, das ?operative Geschäft und die Neuausrichtung seien von den Vorgängen nicht betroffen?. Innerhalb der nächsten vier Wochen sollen die Wirtschaftsprüfer von Ernst & Young klären, welche weiteren Schritte folgen müssen. Die Experten begännen bereits am heutigen Dienstag mit ihrer Arbeit.
Dieser Artikel ist erschienen am 18.10.2005