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Zahltag an der Wall Street

Die guten Zeiten sind zurück an der Wall Street ? nicht nur an der Börse, sondern auch bei den Gehältern. Händler und Investmentbänker können sich freuen. Sie zählen wieder zu den Spitzenverdienern in den USA.
Finanzleute an der Wallstreet dürfen sich die Hände reiben: Sie finden wieder Anschluss an die Top-Gehälter. Foto: AP
ebe / mm / Bloomberg NEW YORK/LONDON. Das Volumen der Boni, die einen Großteil der Gehälter ausmachen, wird nach Angaben des Beratungsunternehmens Alan Johnson in diesem Jahr voraussichtlich um 15 Prozent steigen. Dabei dürften Investmentbanker und Händler die stärksten Steigerungen kassieren.Im vergangenen Jahr schütteten die New Yorker Wertpapierhäuser etwa 21,5 Mrd. Dollar an Bonuszahlungen aus. Insgesamt stiegen die Gehälter im bekanntesten Börsenviertel der Welt um 36 Prozent auf 49 Mrd. Dollar. Damit verdienten Banker und Börsenmakler mehr als fünfmal soviel wie die New Yorker Arbeitnehmer im Durchschnitt. Das teilte Alan Hevesi, Finanzchef des US-Bundesstaates New York, jetzt mit. Im Schnitt kassierte ein Beschäftigter an der Wall Street 289 664 Dollar.

Die besten Jobs von allen

Die Steuereinnahmen daraus beliefen sich auf 2,1 Mrd. Dollar. Das florierende Handelsgeschäft und steigende Beratungsgebühren hatten im vergangenen Jahr für Rekordgewinne im Wertpapiergeschäft gesorgt. ?Während auf die Wertpapierbranche nur fünf Prozent der Arbeitsplätze entfallen, zahlt sie über 20 Prozent des Gehaltsvolumens in der City?, sagte Hevesi in New York. In der Regel geben Investmentbanken zwischen 45 und 50 Prozent ihrer Einnahmen als Gehälter an ihre Mitarbeiter weiter. Im vergangenen Jahr führte das Wall-Street-Haus Goldman Sachs die Liste der Institute mit der höchsten Ausschüttungsquote an. Auf den Plätzen folgten die Konkurrenten Lehman Brothers und Morgan Stanley.Die Fixgehälter in der Branche fallen in der Regel vergleichsweise bescheiden aus. Nur wenige führende Banker kassieren ein festes Salär von mehr als 250 000 Dollar. In Boomzeiten können erfahrene Kräfte dank der üppigen Ausschüttungen dennoch schnell in den Millionenbereich vorstoßen. Die Boni werden bei den meisten Geldhäusern im Frühjahr für die Leistung im vergangenen Jahr ausgeschüttet und sind die entscheidende Messlatte für den Erfolg eines Investmentbankers.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Der Trend zu neuen Höhen auf der Gehaltsskala der Investmentbanker ist nicht nur auf New York begrenzt.Der Personalstand bei den Investmentbanken ist jedoch längst nicht so aufgeblasen wie einst im Boomjahr 2000: Die Wertpapierbranche hat bisher nur ein Drittel jener Stellen, die nach dem Platzen der Technologieblase 2000 wegfielen, wieder geschaffen. Der Trend indes zeigt deutlich nach oben: Allein Merrill Lynch stellte im dritten Quartal 1 700 neue Mitarbeiter ein, viele davon in New York.Während die Wall Street ihren Mitarbeitern 1990 das 2,5fache des Durchschnittseinkommens zahlte, war es 2003 schon das 4,3fache des durchschnittlichen Gehalts. New York erzielt elf Prozent der Steuereinnahmen aus Einkommensteuern und Unternehmensabgaben der Wertpapierhäuser, ohne Berücksichtigung der Grundsteuer. In diesem Jahr werden die Steuereinkünfte aus der Branche voraussichtlich um etwa 14 Prozent auf 2,4 Mrd. Dollar anwachsen. Das Wohl der Wall Street ist entscheidend für die Gesundheit der New Yorker Wirtschaft. Jede in der Finanzbranche neu geschaffene Stelle schafft einer gültigen Faustregel zufolge zwei Jobs in der New Yorker City und einen weiteren in den Vororten.Der Trend zu neuen Höhen auf der Gehaltsskala der Investmentbanker ist nicht auf New York begrenzt, sondern lässt sich parallel auch in Europa festmachen. In diesem Frühjahr schütteten Banken und andere Unternehmen allein in Großbritannien Bonuszahlungen von 19 Mrd. Pfund an ihre wichtigsten Angestellten aus ? ein Plus von mehr als 15 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und ein neuer Rekord. Viele Firmen können sich die üppigen Ausschüttungen allerdings auch leisten. Banken mit Sitz in Großbritannien fuhren im vergangenen Jahr Rekordgewinne von insgesamt 33 Mrd. Pfund ein. Glaubt man den aktuellen Schätzungen der Personalberater, ist die Party im Investment-Banking mit dem neuen Höchststand auch in Europa noch nicht vorbei. Die Bonuszahlungen könnten weiter mit zweistelligen Raten steigen, heißt es in der Branche.
Dieser Artikel ist erschienen am 23.10.2006