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Yukos-Chef Chodorkowski tritt zurück

Der wegen Betrugs und Steuerhinterziehung inhaftierte Milliardär Michail Chodorkowski ist als Vorstandsvorsitzender des russischen Erdölkonzerns Yukos zurückgetreten. Der bisherige Vorsitzende des Direktoriums, Simon Kukes, soll Chodorkowski nachfolgen.
Michail Chodorkowski hat einen Schlussstrich unter seiner Tätigkeit beim Ölkonzern Yukos gezogen. Foto: dpa
HB MOSKAU. Er begründete seinen Schritt damit, das Unternehmen aus der Schusslinie der gegen ihn gerichteten Ermittlungen nehmen zu wollen. Sein Nachfolger soll unternehmensnahen Kreisen zufolge der bisherige Vorsitzende des Yukos-Direktoriums, Simon Kukes, werden. Ein Anwalt Chodorkowskis warf den russischen Behörden vor, im Stile eines autoritären Staates das Recht zu missachten. Die Staatsanwaltschaft hatte den Konzernchef am 25. Oktober unter dem Vorwurf des Betrugs und der Steuerhinterziehung festgenommen und später einen großen Teil der Aktien des Unternehmens beschlagnahmt.?Als Führungskraft der Firma muss ich mein Äußerstes tun, um unsere Mannschaft aus der Schusslinie zu nehmen nach dem Angriff, der gegen mich und meine Partner gerichtet ist?, erklärte der 40-Jährige in einem Fax an Reuters. Er sei sicher, dass ein erfahrenes Management-Team mit Unterstützung des Direktoriums erfolgreich die Globalisierungsstrategie des jüngst mit dem Konkurrenten Sibneft fusionierten Yukos-Konzerns vorantreiben werde. Der größte russische Ölkonzern wird an den Finanzmärkten derzeit als Übernahmeziel für den US-Ölgiganten Exxon Mobil gehandelt.

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Die im RTS-Index gehandelten Aktien von Yukos stiegen um 12,95 % auf 12,65 Dollar, in dem in Rubel gehandelten Micex-Index gar um 13,39 % auf 391,20 Rubel. Sie lagen damit aber immer noch um rund 15 % unter ihrem Stand vor der Chodorkowski-Festnahme.Der von Chodorkowski beauftragte Anwalt Robert Amsterdam erklärte in Brüssel, die russischen Behörden hätten mit der Verhaftung seines Mandanten das Recht gebeugt. ?Wir reden in der Tat über ein Krebsgeschwür, ein Geschwür das sich im politischen Apparat Russlands ausbreitet. Dieser Krebs heißt autoritäres System.? Der Anwalt hielt sich in Brüssel auf, um vor dem für Donnerstag in Rom geplanten EU-Russland-Gipfel EU-Vertreter auf das Schicksal seines Mandanten anzusprechen.Politische Beobachter hatten das Vorgehen gegen Chodorkowski als Höhepunkt eines Machtkampfes zwischen Präsident Wladimir Putin und dem Ölmagnaten gewertet, der die liberale Opposition finanziell unterstützt. Die Aktionen gegen Yukos hatten Befürchtungen geweckt, die Regierung könnte eine Wiederverstaatlichung des Ölunternehmens betreiben. An den Märkten hatten die Festnahme und die Beschlagnahme Panikverkäufe ausgelöst. Genährt worden war diese Sorge auch dadurch, dass Putin zu dem Vorgehen der Justiz lange Zeit geschwiegen hatte.Der Internationale Währungsfonds (IWF) sieht jedoch trotz der Vorfälle Yukos kein Signal für eine Abkehr Russlands von einer marktwirtschaftlich ausgerichteten Wirtschaftspolitik. IWF-Direktor Horst Köhler sagte auf einer Osteuropa-Konferenz der Österreichischen Nationalbank (ÖNB) in Wien: ?Ich glaube nicht, was Präsident Putin betrifft, dass er von dem in den vergangenen Jahren eingeschlagenen Weg in Richtung einer stark marktwirtschaftlich orientierten Politik abgehen möchte.?
Dieser Artikel ist erschienen am 03.11.2003