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Yoga-Klassen und Klausuren

Von Patrick Mönnighoff, Handelsblatt
Mit der Nachwuchsgruppe Entrepreneurship hat auch das Gründertum an der Universität Magdeburg Einzug gehalten. Mittlerweile gibt es jedes Jahr weit mehr Bewerber als die 20 freien Plätze.
HB DÜSSELDORF. Geld verdienen konnte er damit bisher allerdings nicht. Ein Jahr lang hat er sich daher der Nachwuchsgruppe Entrepreneurship an der Universität Magdeburg angeschlossen.Dahlem war als Physiker dabei alles andere als eine Ausnahme. ?Die Teilnehmer müssen keine Wirtschaftsstudenten sein?, sagt Matthias Raith, Professor an der Universität Magdeburg. Vielmehr geht es darum, Ingenieure, Mediziner oder Soziologen mit den Wirtschaftsstudenten zusammenzubringen, damit sie gemeinsam die Projekte verwirklichen. ?Die Techniker liefern meist die Ideen, die BWLer das kaufmännische Wissen?, sagt Raith.

Die besten Jobs von allen

Jeden Montag jeweils für vier Stunden treffen sich die Mitglieder der Gruppe. Sie laden Bankenvertreter, Steuerberater und Unternehmer zu Vorträgen ein, besuchen Rechtsseminare und feilen an ihren Business-Plänen.Mit dem Projekt hat damit auch das Gründertum an der Uni Einzug gehalten ?Zuvor hatte sich kaum ein Student ernsthaft mit dem Gedanken beschäftigt, sich nach seinem Studium selbstständig zu machen?, sagt Raith. Mittlerweile gibt es jedes Jahr weit mehr Bewerber als die 20 freien Plätze. ?Es hat sich zwar rumgesprochen, dass das Programm anspruchsvoll ist. Dafür erkennen die Bewerber aber auch die Möglichkeiten, die sich ihnen bieten?, sagt Raith. Ausgewählt werden die Teilnehmer dabei nicht nur nach Notendurchschnitt und Alter. ?Auch wer keinen geradlinigen Lebenslauf vorweisen kann, hat bei uns eine Chance ? solange das unternehmerische Profil stimmt?, sagt der Professor. So saßen in den Forschungsgruppen nicht nur ein leidenschaftlicher Fotograf, sondern auch eine Laienschauspielerin und ein ausgebildeter Yoga-Lehrer.Der von der KfW Bankengruppe finanzierte Lehrstuhl wurde vor vier Jahren gegründet. Raith sieht in dem Projekt nicht nur Vorteile für die Teilnehmer. Gerade Gründer sind stark mit der Region verbunden. ?Während viele andere Absolventen Magdeburg nach ihrem Abschluss gen Westen verlassen und Jobs bei Volkswagen oder Siemens anstreben, bleiben die Jungunternehmer meist in der Region. Damit wird der Standort gefestigt und neue Arbeitsplätze werden geschaffen?, sagt Raith.Derartige Projekte sprechen sich auch unter Abiturienten herum. So steigt die Zahl der Wirtschaftsstudenten an der Universität seit sechs Jahren beständig. Im vergangenen Sommersemester waren rund 3 000 Studenten an der Fakultät registriert. Gerade im Bereich der Forschung zählt Magdeburg zu den führenden deutschen Hochschulen.
Dieser Artikel ist erschienen am 28.09.2004