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Wulff will Kampfabstimmung um Pischetsrieder

Der niedersächsische Ministerpräsident setzt im Machtkampf bei VW offenbar auf die Unterstützung durch Porsche-Chef Wiedeking. Doch diesem werden selbst Ambitionen auf den VW-Chefposten nachgesagt. Pischetsrieder bekräftige unterdessen seine Ambitionen bei dem Autokonzern.
HB DÜSSELDORF/BERLIN. Dies berichtet die Wirtschaftswoche unter Berufung auf Informationen aus dem VW-Aufsichtsrat. Einen Tag später, am 20. April, soll der Aufsichtsrat dann über die Vertragsverlängerung entscheiden - notfalls in einer Kampfabstimmung. Wulff setzt dabei offenbar auch auf die volle Unterstützung von Porsche-Chef Wendelin Wiedeking, der erst seit wenigen Tagen im VW-Aufsichtsrat sitzt.Wiedeking werden jedoch selbst Ambitionen um den VW-Chefposten nachgesagt, Porsche-Ingenieure in Zuffenhausen berichteten gegenüber der Wirtschaftswoche darüber, dass er schon zahlreiche Kollegen konkret mit VW-Problemen beschäftige, um die möglichen Entwicklungspotenziale in Wolfsburg auszuloten. Ein Vertrauter Wiedekings sagte dem Magazin: "Wir haben doch nicht fast unsere gesamten Barreserven für den Ankauf von VW-Aktien gehoben, um die weitere Entwicklung des Unternehmens stillschweigend zu begleiten." Andere sehen in dem deutlichen und prompten Engagement noch mehr: "Der läuft sich warm für den Chefsessel in Wolfsburg", so ein Porsche-Entwickler über Wiedeking.

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VW-Chef Bernd Pischetsrieder will indessen trotz der von Piëch ausgelösten Diskussion über seine Zukunft an der Spitze des Wolfsburger Autokonzerns bleiben. ?Ich will das, was ich vor Jahren begonnen habe, zu einem nachhaltigen Erfolg führen?, sagte Pischetsrieder der ?Welt am Sonntag?.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Pischetsrieder verteidigt Kooperation mit Daimler-Chrysler?Der Vorstand wird dafür bezahlt, das Unternehmen so aufzustellen, dass es langfristig erfolgreich ist. Mit diesem Verständnis habe ich Volkswagen bisher geführt und werde es auch weiter tun?, fügte er an. Er wolle die anstehenden Probleme weiter angehen und habe in der Vergangenheit schon viel erreicht. Es gebe bei VW einen kontinuierlichen Verbesserungsprozess. ?Unsere Marken arbeiten heute nicht mehr gegeneinander, sondern miteinander?, sagte Pischetsrieder.Pischetsrieder verteidigte zudem Pläne, die Mitarbeiterzahl bei VW zu reduzieren. Der Vorstand trage die Verantwortung dafür, dass Volkswagen profitabel und wettbewerbsfähig sei: ?Nur ein profitables Unternehmen sichert Arbeitsplätze.? Es werde bei VW aber zu keinen betriebsbedingten Kündigungen kommen. Der Zukunftssicherungsvertrag, der bis 2011 läuft, schließt das aus. ?Und wir halten uns daran?, bekräftigte der VW-Chef.Pischetsrieder verteidigte zudem die Kooperation mit dem Autokonzern Daimler-Chrysler, der für Volkswagen demnächst einen Minivan für den amerikanischen Markt baut. ?Wir prüfen weitere Möglichkeiten der Zusammenarbeit?, sagte er. So prüfe man zur Zeit auch, Produktionskapazitäten dem neuen VW-Großaktionär Porsche zur Verfügung zu stellen.
Dieser Artikel ist erschienen am 04.03.2006