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Wohnen in Japan

Axel Berkofsky
Foto: Japanische Fremdenverkehrszentrale
Wohnen in Japan mit einem normalen oder bescheidenem Budget heißt zweifelsohne Abstriche machen, und die Fähigkeit besitzen, über die ein oder andere Widrigkeit hinwegsehen zu können.
Wohnungen und Häuser
Wohnen in Japan mit einem normalen oder bescheidenem Budget heißt zweifelsohne Abstriche machen, und die Fähigkeit besitzen, über die ein oder andere Widrigkeit hinwegsehen zu können.

Die Mieten in den Großstädten Tokio, Osaka und Yokohama gehören zu den weltweit höchsten. Wahrscheinlich bekommt man nirgendwo sonst auf der Welt für so viel Geld so wenig Platz und so wenig Komfort. Hinzu kommt, dass die meisten Zimmer und Appartements im Sommer nicht vor Hitze und im Winter nicht vor Kälte schützen. Ohne Klimaanlage bzw. Heizung, deren Gebrauch sehr teuer ist, sind japanische Wohnungen alles andere als gemütlich. Die Wände der Häuser im High-Tech-Land sind in der Regel sehr dünn, und die Fenster schlecht oder gar nicht isoliert. Die schlechte Isolierung ist auch dafür verantwortlich, dass im Sommer die Wohnungen von Kakerlaken heimgesucht werden, die sich von ungefähr allem, von Staub bis Hausmüll, ernähren. Ausgenommen sind nur Häuser und Wohnungen, deren Monatsmiete zwischen 10.000 und 20.000 Mark liegen und westlichem Standard entsprechen. Warum sich die Japaner in Anbetracht ihres hohen Pro-Kopf-Einkommens auch weiterhin mit der schlechten Qualität ihrer Wohnungen und Häuser zufrieden geben, bleibt für Ausländer ein Rätsel.

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Universitäts-/Studentenwohnheime
Die günstigste Unterkunft für Studenten ist das Uni-Wohnheim. Der Zustand der Wohnheime variiert von Uni zu Uni: Manche sind neu und modern, andere alt und marode. Auch die Preise sind unterschiedlich, im Schnitt kostet ein Zimmer etwa 50.000 Yen (1.000 Mark), Gemeinschaftsküche und -bad inklusive.

Jede größere Uni hat eine bestimmte und begrenzte Anzahl von Wohnheimplätzen, von denen wiederum eine bestimmte Zahl für ausländische Studenten reserviert ist. Wer ins Wohnheim will, sollte sich früh um einen Platz bewerben - und immer wieder bei der zuständigen Verwaltung nachhaken. Am besten ist es, zusammen mit der Bewerbung um einen Studienplatz auch schon die Bewerbung um einen Wohnheimplatz loszuschicken. Gute Chancen hat oft, wer seinen Gastprofessor auf einen Wohnheimsplatz anspricht. Die Gastprofessoren übernehmen diese Aufgabe in der Regel gern und haben meistens Erfolg

Wohnheime sind der beste Platz, um japanische Studenten kennen zu lernen. Es wird wie überall in Wohnheimen viel gefeiert und japanische Studenten sind in der Regel sehr interessiert an ihren ausländischen Kommilitonen. Ein Nachteil ist, dass es fast unmöglich ist, hier Freunde übernachten zu lassen. Ein Hausmeister oder Verwalter kontrolliert, wer ein- und ausgeht. Im Zweifelsfall sollte man frühzeitig den Verwalter informieren und darum bitten, der Übernachtung eines Freundes zuzustimmen.

Studenten-WGs sind in Japan unüblich. Einige wenige gibt es dennoch. Aushänge über freie Zimmer finden sich an den schwarzen Brettern der Unis

Mieten eines Appartements
In den Großstädten gibt es zwar jede Menge freie Wohnungen, aber der Aufwand und die Kosten für das Anmieten sind enorm. Bevor man überhaupt einzieht, muss man dem Makler fünf bis sechs Monatsmieten in bar zahlen. Darin enthalten sind die erste Monatsmiete, Maklergebühren (praktisch nichts wird ohne Makler vermietet), Kaution (wird in der Regel nur anteilsmäßig zurückerstattet) und das sogenannte Schlüsselgeld (Jap. Reikin). Das Schlüsselgeld entspricht einer Monatsmiete und ist praktisch ein Geschenk an den Vermieter, das dieser quasi als Service für die Übergabe des Wohnungsschlüssels dankend annimmt. Auch wenn sich an dem Wohnungsvermittlungssystem in Japan grundsätzlich nichts geändert hat, gibt es neuerdings auch Makleragenturen, die Wohnungen ohne Schlüsselgeld anbieten. Ist der Aufenthalt länger als ein Jahr und steht ein größeres Budget zur Verfügung, sollten diese Makleragenturen konsultiert werden.

Mittlerweile gibt es in Tokio eine Reihe von Maklern, die sich auf das Vermieten von Wohnungen an Ausländer spezialisiert haben. Diese Makler verzichten neuerdings auf die hohen Anfangskosten und bieten sehr zentral gelegene Wohnungen an - allerdings meist mit hohen Mietkosten. Adressen dieser Makleragenturen sind in den englischsprachigen japanischen Tageszeitungen und für den Tokioer Raum in den Tokyo Classifieds zu finden. Generell gilt: Für ein Zimmer oder ein Ein-Zimmer-Appartement sollten nicht mehr als 70.000 Yen (1.400 Mark) ausgegeben werden.

Gaijin Houses (Ausländerhäuser)
Ein Gaijin House ist eine einfache Herberge. Mittlerweile gibt es in den Großstädten jede Menge solcher Unterkünfte. Gaijin Houses sind in der Regel zentral gelegen, lassen aber an Komfort, Ausstattung und Sicherheitsvorkehrungen einiges zu wünschen übrig: Die meisten Gaijin Häuser sind aus Holz gebaut. Im Winter kommt es daher regelmäßig zu Häuserbränden, zumal diese Häuser in der Regel mit offenen Heizungen beheizt werden - Zentralheizungen gibt es in Japan praktisch nicht.

Wenn auch eine der preisgünstigeren Wohnvarianten, kostet ein Zimmer auch dort zwischen 50.000-70.000 Yen (zwischen 1.000 und 1.400 Mark) im Monat, Benutzung von Gemeinschaftsbad und -küche inklusive. Ein weiterer Vorteil ist, dass die Zimmervermittlung sehr unkompliziert ist. Wenn man die erste Monatsmiete und die Vermittlungsgebühr bezahlt hat, kann man in der Regel gleich einziehen

Neben Ausländern wohnen in den Gaijin Houses auch immer mehr japanische Studenten - ein guter Platz also, um Kontakte zu knüpfen und anderen zusammen zu kochen und zu feiern.

Eine Liste der Gaijin Houses steht auf der Homepage der Deutschen Botschaft in Tokio.

Tipp: Studenten, die auf Wohnungssuche sind, können sich auch an den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Tokio wenden. Adresse: Akasaka 7-5-56, Minato-ku Tokyo 107, Japan, Tel.: (0081/3) 35 82-59 62, Fax: (0081/3) 35 82-55 54 , E-Mail: daadtyo@gmd.co.jp, Internet: http://www.daad.de/tokyo/.
Dieser Artikel ist erschienen am 19.04.2001