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Die guten Zeiten sind zurück. Für die MBA-Absolventen des letzten Jahres wurden wieder Spitzengehälter gezahlt. Doch nicht der Titel bringt das große Geld, sondern der Abschluss der jeweiligen Schule. Wir zeigen, wo der MBA am lukrativsten ist.
Die Presse liebt negative Schlagzeilen. Nachdem Zeitungen und Magazine aus aller Welt jahrelang den MBA als VIP-Eintrittskarte ins Topmanagement "gehypt" hatten, gab es in den letzten Monaten kalte Duschen für den Master of Business Administration. Tenor: Auslaufmodell MBA.
Von wegen. "Genau das Gegenteil ist der Fall", behauptet Nunzio Quacquarelli, Ko-Geschäftsführer des Londoner MBA-Messeveranstalters QS Ltd., der die "World MBA Tour" an 43 Orten in der ganzen Welt organisiert. "Die Zeiten für MBA-Absolventen sind so gut wie seit Jahren nicht mehr. Die Gehälter, die geboten werden, erreichen Rekordniveau.

Überblick: Das verdienen MBA-Absolventen von internationalen Top-Schulen

Gewaltiger Gehaltssprung
Die Umfrage, die QS Ltd. weltweit unter Recruitern durchführt, bestätigt den Trend. Danach sind die Gehälter für MBA-Absolventen nach zweijährigem Abschwung seit 2003 wieder stetig angestiegen und liegen derzeit bei rund 85 000 Dollar im Schnitt. Das ist im Zehnjahresvergleich ein Sprung um satte 20 000 Dollar.
Und in der Spitze ist noch viel mehr drin. Nach dem aktuellen Ranking der Financial Times stiegen die MBA-Absolventen 2005, die ins Investmentbanking gingen, mit durchschnittlich 140 000 Dollar ein und immerhin noch mit 105 000, wenn sie ihren Abschluss außerhalb der USA gemacht hatten. Im Consulting, dem zweiten klassischen MBA-Jobmarkt, lagen die Gehälter bei 120 000 Dollar (US-Abschlüsse) beziehungsweise 99 500 Dollar (andere Abschlüsse)

Die besten Jobs von allen


Deutschland im Schatten
Von solchen Top-Einstiegsgehältern sind die Absolventen der führenden deutschen MBA-Anbieter allerdings Lichtjahre entfernt. So verbessern die Abgänger der Handelshochschule Leipzig (HHL) ihr Jahresgehalt mit dem MBA um gerade mal 12 000 Euro auf durchschnittlich 64 354 Euro.
In ähnlicher Größenordnung bewegt sich die Gisma in Hannover, deren Alumni im Fünfjahresmittel auf 61 000 Euro kommen. Allerdings verweist die Schule auf die großen Gehaltsspannen, die sich aus der Berufserfahrung vor dem MBA ergeben: Mit weniger als zwei Jahren Jobpraxis vor dem MBA-Studium kamen die Gisma-Absolventen nach ihrem Abschluss auf lediglich 40 000 bis 50 000 Euro Jahresgehalt, bei mehr als vier Jahren immerhin schon auf 70 000 bis 80 000 Euro.
Doch allmählich gewinnt auch der MBA in Deutschland an Stellenwert. Nach der soeben veröffentlichten "Kienbaum High Potentials Studie 2005", deren Detailergebnisse karriere vorliegen, wird der MBA-Abschluss mittlerweile von Unternehmen aller Bereiche - mit Ausnahme der Bau- und Immobilienbranche - einem Doktorhut vorgezogen. "56 Prozent der mittleren Unternehmen und rund 79 Prozent der großen Unternehmen favorisieren den MBA", hat die Personalberatung herausgefunden

Schule entscheidet
Die grundsätzliche Akzeptanz von MBA-Abschlüssen auf dem Arbeitsmarkt bedeutet aber noch keinen (Geld-)Wert an sich. Was wirklich zählt - und sich auszahlt -, ist der MBA dieser oder jener Schule. Eine Übersicht der Economist Intelligence Unit verdeutlicht dies mit Gehaltszahlen aus den Top-Business-Schools der Welt: So bewegten sich die Einstiegsgehälter von MBA-Absolventen US-amerikanischer Schulen selbst im "mauen" Jahr 2004 durchweg über dem weltweiten Schnitt: Wharton-Abgänger kassierten 85 000 Dollar, Kellog-Schüler kamen auf 88 000 und Absolventen der Harvard Business School sogar auf 94 300 Dollar im Schnitt. In Europa steht die französische Top-Schule IMD Lausanne mit 123 000 Dollar Jahresdurchschnittsgehalt ihrer Absolventen einsam an der Spitze. Aber auch die Konkurrenten Insead/Fontainbleau, London Business School und IESE in Barcelona können sich mit Salären zwischen 90 000 und 100 000 Euro gut sehen lassen.
Hinter den Durchschnittszahlen verbergen sich indessen gewaltige Spannen, wie der Blick etwa auf die Absolventenstatistik der London Business School zeigt: Die "MBA employment statistics 2004/05" weisen etwa für den MBA-Jahrgang 2004 ein Durchschnittsgehalt von 101 831 Dollar aus. Tatsächlich reicht die Bandbreite von 33 420 Dollar für den MBA-Abgänger mit dem niedrigsten Einstiegsgehalt bis zum Spitzenverdiener mit 187 500 Dollar. Und während die Absolventen, die in London blieben, durchschnittlich 109 267 Dollar einstrichen, musste sich, wer nach Lateinamerika ging, mit gerade mal der Hälfte, nämlich 55 463 Dollar, begnügen

Gut ist, was teuer ist
Bei allen Variationen, die die Vergütung von MBAlern je nach Branche, Unternehmensgröße oder Region aufweist - ein Ergebnis ist offenkundig: Es sind gerade die teuren MBA-Schulen, die die besten Gehaltsperspektiven bieten. Die Kosten eines MBA-Studiums sind hoch, für deutsche Verhältnisse mitunter sogar astronomisch. Aber wer bei Studiengebühren von 50 000 bis 100 000 Dollar an einer Top-Schule die vermeintlich preisgünstigere Alternative wählt, läuft Gefahr, eine Milchmädchenrechnung zu machen. Denn letztlich zählt, was langfristig herauskommt. So gehört in die Kalkulation eines MBA-Studiums auch die des Return on Investment: Welche Investition in Studiengebühren zahlt sich wie schnell in Jahresgehältern aus? Die Statistiken über Absolventengehälter sind dafür keine Garantie, aber doch eine gute Rechengrundlage

Christoph Mohr

Dieser Artikel ist erschienen am 10.04.2006