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Wo kein Master, da kein Richter

Jedes Mal, wenn die Hochschulrektoren sich über die wachsende Zahl von Bachelor- und Masterstudiengängen an Unis und Fachhochschulen freuen, verderben ihnen Berufsverbände den Spaß. Die Ingenieure fürchten lautstark um ihr traditionelles Diplom, die Mediziner um das gute alte Staatsexamen.
Jedes Mal, wenn die Hochschulrektoren sich über die wachsende Zahl von Bachelor- und Masterstudiengängen an Unis und Fachhochschulen freuen, verderben ihnen Berufsverbände den Spaß. Die Ingenieure fürchten lautstark um ihr traditionelles Diplom, die Mediziner um das gute alte Staatsexamen.Der jüngste Aufschrei kommt aus dem Lager der Juristen: "Ein dreijähriges Bachelor-Studium qualifiziert nicht zum Beruf des Richters oder des Rechtsanwalts", sagen der Deutsche Anwaltverein und der Deutsche Juristen-Fakultätentag. In den Rechtswissenschaften sei nach einem Bachelor-Studium "kein klassisch-juristisches Berufsbild erkennbar". Der Qualitätsanspruch, den Bürger an Richter oder Anwälte stellten, würde durch ein nur dreijähriges Studium auf ein "bedenkliches Maß" reduziert, so Hartmut Kilger, Präsident des Deutschen Anwaltvereins. Davon könne auch keine Rede sein, kontern jetzt die Hochschulrektoren. Nie sei es Ziel der Studienreform gewesen, Ärzte oder Richter in sechs Semestern auszubilden.

Die besten Jobs von allen

Statt "Boykott durch Fehlinformation" fordern sie von den Berufsständen konkrete Konzepte. Die Juristen haben auch schon eins in der Schublade - mindestens ein vierjähriges Bachelor-Studium oder besser noch den Uni-Master als Voraussetzung für den Anwalt- oder Richterberuf. (bor)
Dieser Artikel ist erschienen am 04.11.2005