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Wir brauchen keine Millionen

Die Fragen stellte Peter Nederstigt
Gerade geht in Passau, Bamberg und Bayreuth der 5-Euro-Business-Wettbewerb in die nächste Runde. In sechs Wochen müssen Studenten ein Unternehmen aufbauen - und das mit fünf Euro Startkapital.
Gerade geht in Passau, Bamberg und Bayreuth der 5-Euro-Business-Wettbewerb in die nächste Runde. In sechs Wochen müssen Studenten ein Unternehmen aufbauen - und das mit fünf Euro Startkapital. Der Wettstreit ist eine Initiative des Bildungswerks der Bayerischen Wirtschaft und Hochsprung, dem Hochschulprogramm für Unternehmensgründungen. Im vergangenen Sommer in München gewannen Katharina Kugler und Ali Zojaji.

Ihr Unternehmen ConActive hat innerhalb von sechs Wochen sein Startkapital verhundertfacht. Das muss ja eine tolle Geschäftsidee gewesen sein.

Ali Zojaji: Ja, fanden wir auch. Wir haben eine Stadt-Rallye für Münchener Singles konzipiert, die die Stadt von einer anderen Seite kennen lernen wollen. Auf einem drei- bis vierstündigen Rundgang mussten die Teilnehmer verschiedene Fragen beantworten und Aufgaben lösen, zum Beispiel: "Wo ist die Weißwurst erfunden worden?"

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Katharina Kugler: ...oder: "Was hat die Bayerische Landeszentralbank mit der österreichischen Monarchie zu tun?" In dem Haus ist nämlich Kaiserin Sissi geboren. An der Rallye haben im Juni 50 Leute teilgenommen. Hinterher hatten wir nach Abzug der Kosten 500 Euro in der Kasse. Für den ersten Platz in der Münchener Runde des 5-Euro-Business-Wettbewerbs haben wir dann noch einmal 1.500 Euro erhalten.

Nicht schlecht für fünf Euro Startkapital. Wie bringt man mit so wenig Geld ein Unternehmen in die Gänge?

Katharina Kugler: Die fünf Euro haben wir für Visitenkarten ausgegeben, mit denen wir Sponsoren gesucht haben. Das war der größte Teil der Arbeit. Die Sparkasse München hat uns 500 Euro gegeben. Damit haben wir die gesamte Werbung finanziert: Plakate, Flyer, Pressemitteilungen.

Ali Zojaji: Außerdem haben uns Geschäfte und Kneipen, die an der Rallye-Route lagen, Gutscheine für die Teilnehmer geschenkt, zum Beispiel für Essen oder Stifte. Dafür haben wir sie auf unseren Flyern genannt. Aber die meisten wollten einfach neue Leute in ihren Laden locken. Denen hat es gereicht, dass wir ihnen 100 potenzielle neue Kunden versprochen haben.

Und seit dem Wettbewerb ist Schluss mit dem Unternehmertum?

Katharina Kugler: Nein. Zu Semesterbeginn haben Ali und ich an der Ludwig-Maximilians-Universität unter dem Titel "UniQuest" eine Rallye für die Erstsemester organisiert, inklusive Routenplanung und Sponsorensuche. Hauptpreis waren vier Flüge nach Venedig.

Ali Zojaji: Wir haben auch schon Ideen, wie wir das Ganze ausweiten können, beispielsweise Rallyes für Unternehmen, um die Teambildung zu unterstützen. Aber wegen des Vordiploms unserer Mitgründer liegt alles vorübergehend auf Eis.

Katharina Kugler: Ich denke aber schon, dass wir die Idee neben dem Studium fortführen. Auf jeden Fall hat der Wettbewerb die Lust auf Selbstständigkeit geweckt. Wir haben gesehen, dass man etwas auf die Beine stellen kann, wenn man es einfach macht. Und wir haben die Angst vor dem mysteriösen Markt verloren.
Dieser Artikel ist erschienen am 30.11.2002