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Dorothee Fricke
Bachelor-Absolventen haben gute Karten auf dem Arbeitsmarkt. Mit vielversprechenden Einstiegschancen und Masterprogrammen auf Firmenkosten locken vor allem große und namhafte Unternehmen quer durch die Branchen gezielt die jungen Absolventen. karriere zeigt, welche Arbeitgeber sich schon jetzt mit attraktiven Einstiegsangeboten ins Zeug legen.
Bachelor-Absolventen haben gute Karten auf dem Arbeitsmarkt. Mit attraktiven Einstiegsangeboten und Masterprogrammen auf Firmenkosten werben Unternehmen um die besten Kandidaten. Wir zeigen, welche Arbeitgeber sich schon jetzt ins Zeug legen

Es ist ein Versuch am lebenden Objekt: Gezielt hat die Deutsche Bahn AG in den letzten Monaten unterschiedlichste Positionen mit Bachelor-Absolventen besetzt. Zehn "Versuchskaninchen" arbeiten seither in den Bereichen Controlling und Marketing oder sind als Ingenieure in der Prozessoptimierung oder in der Instandhaltung tätig. Alle stehen unter besonderer Beobachtung: "Bachelor-Absolventen sowie Fachabteilungen sammeln seit fast einem Jahr ihre ersten Erfahrungen", berichtet Claudia Kunkel, Leiterin Nachwuchsgewinnung und Hochschulmarketing

Die besten Jobs von allen


Demnächst werden sowohl die Berufseinsteiger als auch ihre Vorgesetzten in den Fachabteilungen von den Personalverantwortlichen ausführlich befragt. "Wir wollen herausfinden, welche Positionen für Bachelors besonders geeignet sind, welches Rüstzeug die Absolventen mitbringen und wo gegebenenfalls noch Defizite bei den Berufsanfängern bestehen", erklärt Kunkel. Die Bahn will in der ersten Reihe stehen, wenn es darum geht, den Absolventen der neuen Kurzstudiengänge attraktive Einstiegschancen zu bieten. In vielen Stellenausschreibungen heißt es schon jetzt: Bachelors, bitte bewerbt euch! "Derzeit überprüfen wir auch unsere Einstiegsprogramme für den akademischen Nachwuchs", berichtet Claudia Kunkel

Sprung auf die Welle
Wie die Bahn rüsten sich viele Unternehmen für den ersten großen Ansturm von Bewerbern mit Bachelor-Abschluss. Quer durch die Branchen locken vor allem große und namhafte Arbeitgeber die jungen Absolventen mit breiten Einstiegsmöglichkeiten und Entwicklungsprogrammen, wie eine karriere-Umfrage unter führenden deutschen Unternehmen ergab

Doch auch bei den Vorreitern sind die Erfahrungswerte mit den Turbo-Akademikern noch gering. Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) hatten im Frühjahr 2005 erst 11,5 Prozent der Unternehmen Bachelors eingestellt. Umso größer ihre Bereitschaft, die frisch gebackenen Absolventen, die in diesem Jahr zu Zehntausenden auf den Markt strömen, unter Vertrag zu nehmen. Fast alle der von karriere befragten Unternehmen gaben an, dies tun zu wollen

Allerdings achten die Personalchefs sehr genau darauf, ob hinter dem absolvierten Bachelor mehr steckt als ein umetikettiertes Vordiplom. So arbeiten derzeit führende deutsche Personaler, die sich zum Arbeitskreis Personalmarketing (dapm) zusammengeschlossen haben, an einem eigenen Bachelor-Rating, das ihren Unternehmen erleichtern soll, die Berufsbefähigung der Absolventen zu beurteilen. Dabei geht es ihnen weniger um die fachliche Bewertung der Studienangebote, als vielmehr um die Methoden- und Sozialkompetenz, um Internationalität und Praxisbezug.

"Mit dem Fachbereich Wirtschaftswissenschaften sind wir schon fast durch, so dass uns die endgültigen Ergebnisse in den nächsten Wochen vorliegen werden", sagt dapm-Mitglied Oliver Maassen von der HypoVereinsbank. Als unproblematisch werten Personaler nach karriere-Recherchen den Einstieg für Wiwi-Bachelors etwa in den Bereichen Controlling, Vertrieb und Marketing oder Personal

Roter Teppich bei Handel und Banken
Ob Bachelor, Uni- oder FH-Diplom - beim Handelsriesen Tchibo landen alle Bewerber im gleichen Pool: "Bachelors sind für uns genauso interessant wie andere Hochschulabsolventen", betont Pressesprecherin Anne Lehmbrock. Die Trainee- und Führungskräftenachwuchsprogramme sind selbstverständlich auch für sie offen.

Große Finanzinstitute wie Commerzbank, Citibank, Deutsche Bank und HypoVereinsbank nehmen Bachelors ebenfalls in ihre Traineeprogramme auf. HVB-Personaler Oliver Maassen entdeckt in ihnen sogar ganz besondere Qualitäten: "Oft sind es gerade die sehr guten und selbstbewussten Kandidaten, die direkt mit dem Bachelor in den Job einsteigen."

Skeptischer gegenüber dem Kurzstudium zeigen sich die hoch spezialisierten Wirtschaftsprüfungen. "Bisher rekrutieren wir in erster Linie Absolventen, die ihre Schwerpunkte im Hauptstudium auf Wirtschaftsprüfung und Steuern gelegt haben", sagt Nebahat Güler, Personalerin bei Deloitte

Die Bachelor-Curricula werden zurzeit von Deloitte daraufhin abgeklopft, ob sie Steuerlehre und Rechnungslegung ins grundständige Studium integriert haben. Denn auf die Bachelors verzichten will die Branche, die in diesem Jahr Nachwuchskräfte zu Tausenden einstellen will, auf keinen Fall. "Wenn wir jetzt nicht reagieren", so Nebahat Güler, "verlieren wir zukünftig Kandidaten an andere Unternehmen."

Berater buhlen um die Besten
So früh wie möglich die besten Kandidaten herauspicken und ans Unternehmen binden - das wollen vor allem die Unternehmensberatungen. Alle Großen der Branche haben bereits Einstiegsprogramme für Bachelors geschaffen. Vorreiter war Roland Berger. "Auch wenn für uns die akademische Ausbildung mit dem Bachelor noch nicht zu Ende ist, wollen wir frühzeitig jungen Nachwuchs an uns binden", erklärt Recruiting-Manager Sven Breipohl.

Für neun bis zwölf Monate arbeiten Bachelor-Absolventen bei Roland Berger als Consultant Analyst. Dann kehren sie an die Uni zurück, um einen Master draufzusatteln. "Wer schon ein Jahr in Projekten gearbeitet hat, weiß viel besser, welchen akademischen Feinschliff er braucht", meint Breipohl. Gute Kandidaten werden während der Masterphase unterstützt und erhalten die Zusage, nach dem zweiten akademischen Abschluss als Junior Consultant durchzustarten

Die übrigen Beratungen sind mit ähnlichen Programmen nachgezogen: Bei Bain & Company und McKinsey arbeiten Bachelors zwölf Monate als Business Analyst, bei Boston Consulting steigen die Jungakademiker für zwei Jahre als Junior Associates ein. Danach heißt es in jedem Fall: Master machen.

Abschied vom Dipl.-Ing.
Der Aufschrei, dass das bewährte deutsche Diplom abgeschafft werden sollte, war bei den Ingenieuren besonders laut. Doch die Wogen haben sich geglättet. Einer Studie des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) zufolge geben nur noch 5,4 Prozent der 286 befragten Unternehmen bei Bewerbungen dem Diplom-Ingenieur den Vorzug. Allerdings siedeln die meisten den Bachelor of Engineering eher auf der Sachbearbeiter-Ebene an - spätere Karrierechancen jedoch nicht ausgeschlossen: Nur 7,8 Prozent der Unternehmen sind überzeugt, dass der Master-Abschluss zwingende Voraussetzung für den Aufstieg in Führungspositionen ist.

Martina Erwig, bei BMW zuständig für strategisches Personalmarketing, bezeichnet das zweistufige Studiensystem als "Riesenchance" - sowohl für Absolventen als auch für Unternehmen. "Die Leute kommen als Bachelor viel jünger zu uns und können später noch den passenden Master draufsetzen." Erwig geht davon aus, dass der Bachelor im Ingenieurwesen künftig zum Regelabschluss wird. Auch wenn sich die Absolventen der neuen Studiengänge erst in "homöopathischen Dosen" bei BMW beworben haben, sieht die Personalfachfrau für sie gute Einsatzmöglichkeiten in allen Service-Bereichen, zum Beispiel als Projektingenieur, im Vertrieb oder in den internen Services. "Im Bereich Forschung und Entwicklung sehen wir eher Absolventen mit Master-Abschluss", so Erwig

Nicht bloss Assi im Labor
Norbert Meyer, Leiter der Rekrutierung Hochschulabsolventen bei BASF, ist ein Fan der neuen Studienabschlüsse. "Das Tolle ist die Flexibilität des Systems", schwärmt er. "Der Bachelor ist oft genau der richtige Hintergrund für den Einstieg, dann entwickeln wir unsere Mitarbeiter individuell weiter."

Bei BASF werden Bachelors querbeet eingestellt. Neben Ingenieuren und Wirtschaftsabsolventen sucht der Konzern vor allem Naturwissenschaftler, zum Beispiel für Spezialistentätigkeiten im Labor. Der Befürchtung, dass Bachelors dann auf dem Niveau von Chemielaboranten eingesetzt werden, widerspricht Meyer entschieden: "Bei uns übernehmen Bachelors Tätigkeiten, für die man wissenschaftliche Methoden beherrschen muss."

Für leitende Positionen in der Forschung werden zwar weiterhin mindestens ein Master - eher noch die Promotion - Standard bleiben, doch Meyer erwartet, dass in den naturwissenschaftlichen Produktionsbetrieben zunehmend Personal gebraucht wird, dass über den Tellerrand blicken kann: "Wir werden künftig mehr Chemiker brauchen, die auch etwas von Controlling und Marketing verstehen. Dafür ist die Kombination aus Bachelor und berufsbegleitendem Master ideal."

Die Fachhochschulen Mannheim und Ludwigshafen haben mit Förderung von BASF gerade die Graduate School Rhein-Neckar, die vorwiegend Masterstudiengänge anbietet, gegründet. Klar, dass dort künftig auch BASF-Mitarbeiter den Master draufsatteln werden. Die Garantie auf ein bezahltes, weiterführendes Studium bekommt bei der Einstellung aber niemand. Das ist nicht nur bei der BASF so: "Wer den Master machen will, muss in der Regel in Vorleistung treten", fasst es Norbert Meyer zusammen.

Unsichere Informatiker
Im Gegensatz zu Handel, Banken, Beratern und Chemiekonzernen reagiert die sonst so innovationsfreudige IT-Branche erstaunlich verhalten, wenn es um die Einstellung von Bachelor-Informatikern geht. Im Auftrag der Initiative D21 hat die Unternehmensberatung Accenture 70 IT-Unternehmen zu den neuen Abschlüssen befragt. Ergebnis: Nur sieben Prozent der Unternehmen suchen gezielt Bachelor-Absolventen, 40 Prozent bevorzugen bei Neueinstellungen nach wie vor das Diplom

"Es herrscht noch große Unsicherheit. Hochschulen und Unternehmen müssen stärker aufeinander zugehen", sagt Accenture-Geschäftsführer Holger Bill. Hoffnung macht, dass bei der D21-Studie immerhin 40 Prozent der Unternehmen angegeben haben, dass für sie der Abschluss keine Rolle spielt. Führende IT-Unternehmen wie IBM oder SAP betonten gegenüber karriere sogar explizit, dass Bewerber mit Bachelor-Abschluss bei ihnen willkommen sind.

Die Zeiten, in denen Bachelors wie bessere Abbrecher behandelt wurden, scheinen endgültig vorbei zu sein. Das zeigt spätestens der Faktor Gehalt: Die meisten Unternehmen wollen die Abgänger der neuen Kurzstudiengänge genauso einstufen wie FH-Absolventen, wie eine karriere-Umfrage unter insgesamt 60 Firmen ergab. (siehe Gehälter-Tabelle unten). Die Hälfte der Unternehmen, die das Institut der deutschen Wirtschaft zum Fach Betriebswirtschaft befragt hat, zahlt Bachelor-Absolventen überdurchschnittliche Einstiegsgehälter von 35 000 bis 40 000 Euro. In Banken und Unternehmensberatungen liegt das Salär nach karriere-Recherchen sogar noch darüber. Früher Jobeinstieg lohnt sich also - der Master kann noch ein Weilchen warten

Unternehmen Bevorzugte Fachrichtungen Jobs und Entwicklungsprogramme für Bachelor-Absolventen
Accenture
www.accenture.de
Naturwissenschaften, IT Einstieg in allen Bereichen außer Strategieberatung, z.B. im Consulting oder in der Programmierung
Audi
www.audi.de/karriere
vorwiegend Ingenieurwesen Einstieg auf gleicher Stufe wie FH-Absolventen, z.B. in technischer Entwicklung, Produktion oder Vertrieb
Bain & Company
www.bain.de
alle 12-monatiges Programm "Business Analyst" (Start 1. April und 1. Oktober), danach Einstieg als Associate Consultant möglich, spätere Weiterqualifizierung (Master oder MBA) erwünscht, finanzielle Unterstützung
BASF
www.careers.basf.com
Ingenieurwesen, Wirtschaft, Naturwissenschaften Einstieg in Produktentwicklung, Labor, Anlagenbau (Ingenieure), Finanzen, Controlling oder Logistik. Weiterqualifizierung: BASF unterstützt die Graduate Schools der FHs in Mannheim und Ludwigshafen
Bertelsmann
www.myfuture.bertelsmann.de
vorwiegend Wirtschaft Einstieg in zahlreichen Unternehmensbereichen, u.a. Marketing, Controlling, Finanzen, Personal oder Projektmanagement
BMW
www.bmw.de
vorwiegend Ingenieurwesen Einstieg in allen Service-Bereichen, z.B. als Projektingenieur, im Vertrieb, in den internen Services. Bestehende Nachwuchsprogramme werden derzeit auf eine mögliche Anpassung für Bachelor-Absolventen hin überprüft
Boston Consulting Group
www.bcg.de
alle Einstieg als Junior Associate (befristet auf zwei Jahre). Bei guter Performance Master mit finanzieller Unterstützung an einer Hochschule im Ausland
Continental
www.conti-online.com
Ingenieurwesen, Naturwissenschaften Einstiegsmöglichkeiten in allen Bereichen, in denen auch andere Hochschulabsolventen eingesetzt werden, sehr gute Bachelor-Absolventen werden für das Programm Conti Explore gesucht (technischer Traineepool in der Reifenentwicklung)
Deutsche Bahn
www.bahn.de/karriere
Ingenieurwesen, Wirtschaft Einstieg für Wiwis in Controlling, Vertrieb oder Personal, für Ingenieure u.a. in Produktion oder Prozesskoordination. Traineeprogramme für Bachelors in Planung (Start etwa Mitte 2006)
Deutsche Bank
www.careers.db.com
vorwiegend Wirtschaft Bachelor-Absolventen werden bei Neueinstellungen mit Diplomabsolventen gleichgesetzt, absolvierter Studiengang muss akkreditiert sein, Schlüsselqualifikationen vermitteln und international ausgerichtet sein
Deutsche Post World Net
www.dpwn-karriere.de
Wirtschaft, Wirtschaftsingenieur Einstieg als Junior-Experte (interne Karrierestufe ohne berufliche Erfahrung) u.a. in Controlling, Logistik oder Marketing. Berufsbegleitendes Masterstudium möglich
HypoVereinsbank
www.hvb.de
Wirtschaft, Mathematik Einstieg mit unbefristetem Training on the Job (Traineeprogramm von 15 Monaten). Danach individueller Karriereweg. Je nach Qualifikationsbedarf berufsbegleitender Master mit HVB-Unterstützung.
IBM
www.ibm.de
vorwiegend IT Einstieg in allen Geschäftsfeldern, z.B. Entwicklung, Service und Consulting. Bachelors werden ähnlich wie FH-Absolventen für praxisorientierte Tätigkeiten eingesetzt. Individuelle Entwicklungsmöglichkeiten
Infineon Technologies
www.infineon.com
IT, Wirtschaft Einstieg sowohl in kaufmännischen als auch technischen Bereichen, z.B. Product Engineering, Product Design, Product Development
Lucent Technologies
www.lucent.de
IT, Ingenieurwesen Einstieg u.a. als Entwicklungsingenieur, Softwareentwickler bzw. Softwaretester
McKinsey
www.mckinsey.de
alle Einstieg als Business Analyst (ein Jahr), anschließend akademische Weiterqualifizierung. Mit Master-Abschluss Einstieg als Fellow möglich, wobei es keine automatische Übernahme gibt
Philips
www.philips.de/about/careers
Wirtschaft, Ingenieurwesen Bestehendes Young-Potential-Programm wurde für Bachelor Absolventen geöffnet, der Vordiplom-Preis von Philips wurde um die Best-Bachelor-Variante erweitert
SAP
www.sap.de/jobs
IT, Wirtschaft, Ingenieurwesen Einstieg in allen Bereichen, wie etwa Consulting, Softwareentwicklung, Controlling oder Marketing, spezielle Einstiegsprogramme für Bachelors voraussichtlich in ein bis zwei Jahren verfügbar
Siemens
www.siemens.de/career
Wirtschaft, Ingenieurwesen International sind schon jetzt drei Viertel der neu eingestellten Hochschulabsolventen Bachelors, grundsätzlich stehen alle Karrierewege offen
Tchibo
www.company.tchibo.de/career/
vorwiegend Wirtschaft Einstieg in allen Bereichen. Traineeprogramm und Führungskräftenachwuchsprogramm Vertrieb für Bachelors offen
Telekom
www.telekom.de/karriere
IT, Wirtschaft Direkteinstieg in allen Bereichen, z.B. IT, Vertrieb oder Marketing, Praxiserfahrungen unbedingte Voraussetzung, internationale Ausrichtung des Studiengangs erwünscht
Dieser Artikel ist erschienen am 07.03.2006