Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Wilfried Remmers

Die Fragen stellte Anne Koschik
Wilfried Remmers, 61, ist Business Angel und unabhängiger Unternehmensberater in Hamburg und Umgebung. Seit Anfang 1999 ist er Mitglied des Business Angels Netzwerks Deutschland (B.A.N.D.).
Im vergangenen Jahr mussten viele Startups Federn lassen. Hat die jüngste Gründergeneration aus den Fehlern gelernt?

Leider nur bedingt. Natürlich will kaum noch einer auf den überfüllten Internet-Zug aufspringen. Es gibt tatsächlich wieder Gründer, die Geräte und Gebrauchsgegenstände entwickeln wollen. Sie prüfen zwar heute auch im Vorfeld, ob ihr Produkt wirklich verkaufsfähig ist. Doch die meisten loten das Feld ihrer Mitbewerber und des Marktes nicht aus. Mehr sind mit der Suche nach Startkapital beschäftigt. Denn das haben sie auf jeden Fall gelernt: Es ist nicht mehr so leicht wie vor zwei Jahren, an Geld zu kommen.

Wagniskapitalgeber halten sich zurück: Können Business Angels da in die Bresche springen?

So einfach ist das nicht. Es klopfen heute sicher mehr junge Gründer bei Business Angels an. Mehr als 150.000 Euro investiere ich beispielsweise aber nie. Wagniskapitalgeber denken da in anderen Größenordnungen. Allerdings interessieren diese sich viel eher für ein Startup, wenn ein erfolgreicher und bekannter Business Angel das Projekt unterstützt.

Die besten Jobs von allen


Wie finden und erkennen Gründer einen guten Business Angel?

Indem sie zum Beispiel beim B.A.N.D., der zuständigen IHK oder anderen Startups nachfragen. Die wissen auch, wer nicht nur sein Geld für Unternehmensanteile gibt, um diese nach anfänglichem Erfolg schnell zu versilbern. Gute Business Angels investieren nur in Branchen, in denen sie sich bestens auskennen. Dann können sie als Leitfigur wirken. Dafür müssen die Gründer auch etwas tun. Ich verlange grundsätzlich, dass sie das Gründungskapital für eine GmbH in Höhe von 25.000 Euro selbst aufbringen. Und ich erwarte neben einem intensiven und fundierten Wissen um ihr Produkt ein entschlossenes Auftreten, einen großen Enthusiasmus und Durchhaltevermögen. Allerdings sollten sie auch nicht mit der Haltung auftreten "Wir sind die Größten", denn Sympathie geht vor Argument und gehört zum Erfolg.
Dieser Artikel ist erschienen am 24.01.2002