Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Wildern beim Ex

Hans G. Nagl
Jens Hagemann, ehemals Vorstand der DAB, startet mit einer Bank für Vermögensverwalter. Seinem Ex-Arbeitgeber hat er Finanzkreisen zufolge weit über ein Dutzend Mitarbeiter abgeworben ? und will der Münchener Direktbank nun kräftig Konkurrenz machen.
Jens Hagemann hat ein neues Projekt. Foto: pr
MÜNCHEN. ?Aprilscherz? nennt man Kinder, die am 1. April geboren sind. Jens Hagemann gehört auch dazu. Doch wenn seine V-Bank AG im April an den Start geht, dürfte sein früherer Arbeitgeber, die DAB Bank, nach dieser Vorgeschichte eher weniger zu Scherzen aufgelegt sein.?Der Reiz für mich ist einfach, nach mehr als 20 Jahren als Banker einmal eine unternehmerische Rolle auszufüllen?, beschreibt der 48-Jährige, der 1983 bei der Münchener Hypo-Bank als Vorstandsassistent begonnen hat, seine Motivation. Zur Abwerbung von DAB-Mitarbeitern will sich Hagemann lieber nicht äußern. Hier lächeln die blauen Augen des schlanken, sportlich wirkenden Wahl-Müncheners seinen Gegenüber vielleicht noch ein weniger freundlicher an als ohnehin schon.

Die besten Jobs von allen

?Das ist ein Verkäufer, durch und durch?, heißt es über ihn in der Branche, wobei auch Anerkennung mitschwingt. Sein Talent erkennt man in der Hypo früh. Mitte der 80-er Jahre wird er Firmenkundenbetreuer in Berlin, arbeitet ab 1990 am Aufbau Ost mit. Nach der Fusion mit der Bayerischen Vereinsbank leitet er den Zentralbereich Geschäftskunden und wird im Frühjahr 2002 schließlich Vorstand der DAB Bank. Dort sind vor Steuern gerade knapp eine Viertelmilliarde Euro Verlust aufgelaufen ? das Platzen der New-Economy-Blase lässt grüßen. Hagemann greift durch, schrumpft die Bank gesund. Und schreibt 2003 bereits wieder schwarze Zahlen.Heute will der begeisterte Bergwanderer mehr als nur restrukturieren. Seit Mitte 2007 baut er seine Direktbank mit rund 30 Mitarbeitern auf. ?Banken gibt es genug?, sagt der gebürtige Frankfurter. ?Wir sind in einer Nische tätig.? Die Idee: Die Bank will sich als Dienstleister für unabhängige Vermögensverwalter aufstellen. Die sollen dann Wertpapiere, Devisen und Fonds jeglicher Art handeln. Die DAB Bank ist heute in dem Bereich der Platzhirsch, gefolgt von Deutscher Bank und der Augsburger Aktienbank.Lesen Sie weiter auf Seite 2: Teil der Kunden bereits gesichertDoch genau diese sind auch mit eigenen Vermögensverwaltern am Markt tätig. ?Es braucht einen wirklich unabhängigen Anbieter?, wirbt Hagemann. Die V-Bank werde besser und günstiger sein. Einen Teil seiner Kunden hat er sich bereits gesichert ? als Aktionäre. 30 bis 40 Vermögensverwalter halten rund 35 Prozent des Stammkapitals und dürften aus dem Stand für Orders sorgen.Knapp die Hälfte der Anteile liegt beim Versicherer Wüstenrot & Württembergische (W&W). Manch einer sieht das skeptisch: Schließlich lasse sich damit ja auch ein Fragezeichen hinter die Unabhängigkeit des neuen Instituts machen, heißt es. Und das gilt umso mehr, als UniCredit, die über die Tochter HVB die DAB kontrolliert, eben auch mit 7,5 Prozent an W&W beteiligt ist. Hagemann erwähnt auch das lieber nicht.Rund 15 Prozent der V-Bank-Aktien halten Hagemann und Co-Vorstand Robert Weiher, der bis vor kurzem noch Bereichsleiter bei der DAB war. ?Hagemann weiß, was er will, und er geht auch ins Risiko?, sagt einer, der ihn kennt. Sein Einsatz von wohl weit über einer Mill. Euro soll sich schon zügig lohnen. ?Wir wollen spätestens in fünf Jahren unter die größten drei Anbieter in dem Segment aufrücken?, sagt der Kunstliebhaber. ?Schon Ende 2009 wollen wir auf Quartalsbasis in die schwarzen Zahlen kommen.? Für ein Start-up ein ehrgeiziges Ziel. Kein Wunder, Hagemann sagt über sich selbst: ?Der Sprint war schon immer meine Disziplin.? Heute läuft er nur noch zweimal die Woche. Und so gibt er dem Börsengang der V-Bank auch noch ein wenig Zeit ? langfristig angedacht ist der aber auf alle Fälle.
Neue Bank in kleiner NischeAngebot: Die V-Bank ist nicht nur eine Handelsplattform. Das Institut hilft Vermögensverwaltern etwa bei der Auflage von Fonds und Zertifikaten sowie deren Abwicklung. Hinzu kommen Abrechnungsdienste, Portfolio- und Risikomanagementsysteme sowie andere Verwaltungsdienstleistungen, die sich kleine Häuser selbst meist nicht leisten können.Markt: Bankchef Hagemann schätzt, dass es rund 550 unabhängige Vermögensverwalter gibt. Die V-Bank will sich auf rund 300 Anbieter konzentrieren ? meist Häuser mit einigen hundert Mill. Euro an eingesammeltem Kapital. Insgesamt schätzt das neue Institut das Marktvolumen ? gemessen am verwalteten Vermögen ? auf rund 100 Mrd. Euro. Tendenz: steigend.Geschwindigkeit: Die V-Bank wurde in weniger als neun Monaten aufgebaut. Die notwendige Vollbanklizenz haben die Münchener ebenfalls in kurzer Zeit von der Aufsicht erhalten.
Dieser Artikel ist erschienen am 29.02.2008