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Wiedergeburt auf der Route 128

Die Fragen stellte Martin Roos.
Stephan Schambach, 34, verließ im Februar 2004 sein einstiges Vorzeige-Startup Intershop und gründete Demandware Inc. in Boston/USA. Sein neues Unternehmen bietet Mittelständlern Software und Service für den E-Commerce.
Für Unternehmen sind die USA ein Haifischbecken. Es gilt: friss oder stirb. Haben Sie Angst?Stephan Schambach: Ich bin lieber in einem großen Haifischbecken als in einem kleinen Teich. Ängste habe ich nicht - wenn man gefressen wird, verdient man ja schließlich ganz gut damit.

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Die Schambach-Story
1992 gründet der Jenaer mit zwei Partnern das IT-Startup Net-Consult, das er wenig später Intershop nennt. Als erste börsennotierte Internetfirma in Deutschland wird Intershop im März 2000 mit 11,3 Milliarden Euro bewertet - fast so groß wie der Gigant ThyssenKrupp. Dann kriselt das Geschäft, Anfang 2001 bahnt sich das Ende des Internetbooms an. Der Wert von Intershop fällt auf 30 Millionen Euro zurück. Anfang 2004 räumt Schambach seinen Posten im Vorstand endgültig. Doch 2005 ist der 34-Jährige wieder da: Da Demandware in Deutschland von T-Systems betrieben wird (Implementierung, Vertrieb und Kundenbetreuung), geht Schambach auch in Konkurrenz zu Intershop. Über ihn will er sich "absolut nicht mehr äußern". Dennoch dürfte ihn sein Ex-Laden interessieren. Mit 19,3 Prozent ist er noch immer Großaktionär bei Intershop. (mse)
Sie haben Ihr neues Unternehmen Demandware in Woburn in Boston gegründet. Warum nicht im Silicon Valley?Boston liegt viel näher zu unseren Kunden, den Handelsunternehmen. Und es ist nach dem Silicon Valley der wichtigste Technologiestandort der USA. Hier entstanden Firmen wie Lotus, Digital Equipment und Novell. Die Amerikaner nennen die Region "Route 128". Ein Drittel des Marktes können wir von hier mit dem Auto erreichen.Was kann Demandware?Mit uns können Unternehmen E-Commerce betreiben, ohne viel vorab zu investieren. Demandware verbindet E-Commerce-Software mit einem On-Demand-Modell, bei dem das Handelsunternehmen nur für die Benutzung zahlt, nicht aber zum Beispiel für Hardware, Software oder Support.Wer sind Ihre Kunden?Unternehmen aller Größenordnungen, die im Internet zwischen zwei und einigen hundert Millionen Dollar umsetzen.Was kostet Ihr Service?Der Kunde zahlt bei uns eine Monatspauschale, die von der Benutzung, also der Anzahl der Käufer abhängt. Der "kleinste" Vertrag startet bei 2.000 Dollar pro Monat.Wie lukrativ ist das Geschäft für Sie?Über Zahlen spreche ich noch nicht. Dass muss ich nicht mehr als privates Unternehmen. Wir konzentrieren uns zunächst einmal ganz auf den US-Markt, immerhin ist er etwa zehn Mal größer als der deutsche. Das Wachstum im E-Commerce-Markt beträgt in den USA jährlich etwa 30 Prozent.7,2 Millionen Dollar haben Sie von zwei US-Risikokapitalgesellschaften bekommen. Üblich sind drei bis vier Millionen...Unsere Geschäftsidee war den Investoren das Geld eben wert. Außerdem sprechen wir hier erst von der ersten Finanzierungsrunde. Die Investoren sind bereit, langfristig wesentlich mehr zu investieren.Einige Ihrer jetzigen Kunden haben Sie in einem "Demo" gewonnen. Was ist das?"Demo" ist ein Kongress, organisiert wie eine Show, mit Journalisten, Analysten und Risikokapitalgebern im Publikum. Von Tausenden Bewerbungen werden 70 Unternehmen ausgesucht, die nach Meinung der Jury die wichtigsten Innovationen darstellen. Die Firmen zahlen dann eine kleine Gebühr für einen Auftritt von sechs Minuten, um vor Publikum ihre Produkte vorzustellen.Wie haben Sie die Kunden überzeugt?Ich habe natürlich vorher geübt. Es ist nicht sinnvoll, mit flotten Werbesprüchen oder einem guten Anzug zu glänzen. Hier geht es um die Sache. Ich habe ganz schlicht und deutlich unsere Software vorgestellt und sie erklärt. Es lohnte sich. Noch am gleichen Tag haben wir etliche Kunden bekommen.Brauchen Sie noch Leute?Wir sind zurzeit 22 im Team und sehr international aufgestellt. Einige ehemalige Intershop-Mitarbeiter haben auch bei uns angefangen. Wer sich aus Deutschland bewirbt, müsste ein absoluter E-Commerce-Spezialist sein.Vermissen Sie Ihre Heimat Jena?Schon. Es ist möglich, dass ich irgendwann zurückkomme. Jetzt will ich erst einmal mit Demandware in den USA erfolgreich sein.
Dieser Artikel ist erschienen am 02.06.2005