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Wie wird man eigentlich Miss Tagesschau, Laura Dünnwald?

Aufgezeichnet von Liane Borghardt
Sie gilt als "das Gesicht" der Tagesschau. Laura Dünnwald studierte zunächst Kunstgeschichte und Kommunikationswissenschaften in München, schrieb sich dann für Jura in Hamburg ein. Für Moderatorenausbildung und Volontariat bei Premiere gab sie das Studium auf. Stationen als Moderatorin bei "Premiere - das Programm" und "Guten Abend RTL" folgten. Seit zweieinhalb Jahren präsentiert die 29-Jährige die Nachrichten im Ersten.
Ich glaube, diesen Beruf kann man nicht wirklich planen. Tagesschausprecherin zu werden ist ein bisschen Zufall - und sehr viel Ehre. Was ich beigesteuert habe, sind die Voraussetzungen. Mit 22 Jahren bewarb ich mich bei Premiere als Moderatorin. Damals war ich noch Jura-Studentin und hatte verschiedene Praktika bei Sendern und Produktionsfirmen hinter mir. Obwohl ich keine Erfahrung vor der Kamera hatte, dachte ich: Das kann ich. Das war einfach Bauchgefühl. Bevor ich auf den Schirm gekommen bin, wurde ich aber doch erst mal vier Monate ausgebildet.

Als ich zum Casting für die Tagesschau eingeladen wurde, war ich bereits Moderatorin für RTL Nord. Auf das Probesprechen folgte tatsächlich ein Job-Angebot. Grundsätzlich halte ich es für falsch, sofort Ja zu schreien, wenn sich eine Chance bietet. Auch wenn sie noch so toll ist und man sich an der Spitze des deutschen Fernsehens bewegt. Die Frage ist, ob man sich selbst auch dort sieht.
br> Meine Redakteurserfahrung war nicht entscheidend für die Tagesschau. Wichtig sind Sprechausbildung, Fremdsprachenkenntnisse und das Handwerk der Präsentation. Bei der ARD wird unterschieden zwischen Sprechern und Moderatoren. Wir Sprecher arbeiten nicht journalistisch. Also verbringen wir nicht so viel Zeit in der Redaktion. Eine gute Stunde vor Sendung genügt für Maske, einlesen, Fremdwörter nachschlagen. Jeden Tag haben wir andere Arbeitszeiten, es gibt sechs Schichten über 24 Stunden verteilt. Die Frühschicht etwa dauert von 5.30 bis 9.30 Uhr. Danach hat man zwar den Rest des Tages frei, allerdings geht viel Zeit für Regeneration drauf. Im Prinzip leben wir im ewigen Jetlag

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Anfangs ist mir das Stillsitzen in der Tagesschau schwer gefallen: Als Moderatorin kann und soll man ja Emotionen zeigen. Anders als beim reinen Sprechen, wo die Wertung dem Zuschauer überlassen wird. Das Tolle an dem Beruf aber ist, auf den Punkt gefordert zu sein. Viel Druck für die Präsentation nimmt mir, daran zu denken, wie ich zu Hause fernsehe. Ich möchte als Zuschauer informiert werden und achte nicht auf jedes Augenbrauenzucken eines Sprechers

Traumatische Patzer sind mir noch nicht passiert. Wenn ich mich verspreche, versuche ich, das nicht so ernst zu nehmen. Als beispielsweise die Schutztruppe nach Afghanistan geschickt wurde und dort Unterschlupf gesucht hat, habe ich die "Schlupftruppe" nach Afghanistan geschickt.
Dieser Artikel ist erschienen am 27.10.2003