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Wie wird man eigentlich Kuratorin, Frau Dr. Rosenthal?

Stephanie Rosenthal, 32, arbeitet seit 1996 am Münchener Haus der Kunst - erst als Assistentin, dann als Co-Kuratorin und jetzt als Kuratorin. Zehn große Ausstellungen hat sie entwickelt und präsentiert.
Stephanie Rosenthal, 32, arbeitet seit 1996 am Münchener Haus der Kunst - erst als Assistentin, dann als Co-Kuratorin und jetzt als Kuratorin. Zehn große Ausstellungen hat sie entwickelt und präsentiert. Vorher studierte sie Kunstgeschichte, BWL und Psychologie in München, Bonn und Köln. Im Sommer 2003 schloss sie ihre Promotion ab.Ich hatte einen Traum: Ich sah mich mit zeitgenössischen Künstlern zusammenarbeiten, mit ihnen Ausstellungen und Projekte entwickeln. Damals steckte ich noch mitten im Studium der Kunstgeschichte, hatte angefangen, in Galerien zu jobben - in München, London und Paris. Irgendwann interessierte mich das Kaufen und Verkaufen nur noch am Rande. Die Künstler hatten es mir angetan. Zwei Jahre vor Studienende stand mein Berufswunsch fest: Kuratorin wollte ich werden, mich in einem Museum um Sammlungen und Ausstellungen kümmern. Natürlich war mir klar, dass die Stellen rar und sehr begehrt sind. 1996 aber bekam ich meine Chance: Das Münchener Haus der Kunst suchte einen Assistenz-Kurator - und entschied sich für mich. Mein Abschluss in Kunstgeschichte gab weniger den Ausschlag, eher meine jahrelange Job-Erfahrung in dem Metier. Mittlerweile bin ich keine Assistentin mehr, sondern Kuratorin für Gegenwartskunst. Meine Aufgabe ist es, neue Ausstellungskonzepte zu entwickeln, Künstler zu betreuen, Kataloge zu schreiben, mich ums Budget und um die Sponsoren zu kümmern. Dass ich auch BWL studiert habe, hilft mir dabei sehr.

Die besten Jobs von allen

Meine Promotion über die "Schwarzen Gemälde" von Mark Rothko, Frank Stella, Robert Rauschenberg und Ad Reinhardt war für den Job eigentlich nicht notwendig. Ich habe sie eher als willkommene Gelegenheit gesehen, mich noch einmal über Jahre intensiv mit einem Thema zu beschäftigen. Im täglichen Ausstellungsbetrieb ist das kaum möglich.Für zeitgenössische Kunst habe ich mich entschieden, weil mich der Austausch mit lebenden Künstlern begeistert. In der Öffentlichkeit ist Gegenwartskunst oft als kryptisch verschrien. Besuchern die Scheu zu nehmen und ein breites Publikum an teils gewagte Werke der Moderne heranzuführen - auch das gehört zu meinem Job, und ich tue es besonders gern.Ich bin ständig unterwegs, besuche Ausstellungen und Künstler in anderen Städten und Ländern, darum sind Fremdsprachen unverzichtbar. Wie aufregend, aber auch anstrengend meine Arbeit ist, habe ich wieder in den vergangenen zwei Monaten gemerkt. Erst war ich in New York, dann in Amsterdam bei "meinem" nächsten Künstler, Aernout Mik. Und in einigen Tagen fahre ich zur CD-Katalog-Produktion nach Berlin.Wenn eine Ausstellung erst mal läuft, ist es einfach toll. Endlich sehe ich, wofür ich so lange gearbeitet habe. Die Vorbereitung kann sich über Jahre hinziehen, so wie zuletzt bei Abigail O'Brien: Sieben Jahre lang habe ich die Künstlerin in ihrem Arbeitsprozess begleitet und bestärkt, war oft in ihrem Atelier in Irland. Zwischendurch wechselte hier die Museumsleitung, so dass ich gleich zwei Chefs und Teams von meinen Ideen überzeugen musste.Als Museumskuratorin verdiene ich zwar gut, aber niemals so viel wie in der freien Wirtschaft. Auch dort werden manchmal Kuratoren engagiert, etwa in der "Sammlung Deutsche Bank" oder der Münchener "Galerie im Osram-Haus". Ich hatte einen Traum und habe ihn wahr gemacht. Jetzt träume ich weiter: Eines Tages möchte ich für eine ganze Sammlung zuständig sein. Eine, wo ich mein Faible für die amerikanische Kunst der 60er Jahre und ihren Kontrast zur Gegenwartskunst ausleben könnte. Noch bin ich zu jung dafür. Aber Träume dürfen ja auch schon mal länger dauern.Aufgezeichnet von Katharina Knieß

Dieser Artikel ist erschienen am 23.06.2004