Das Portal von Handelsblatt und WirtschaftsWoche

Wie wird man eigentlich Filmtieragentin, Frau Morawe-Schmidt?

Gestern stand mal wieder ein Fotoshooting in meinem Terminkalender. Von meiner Wohnung im schwäbischen Hinterland bin ich nach Frankfurt gefahren. Die Presseleute warteten schon im Haus von Krokodiltrainer Orazio Martino. Blacky, der aus Film und Fernsehen bekannte Alligator, hat im Blitzlichtgewitter erstaunlich lange stillgehalten.
Gestern stand mal wieder ein Fotoshooting in meinem Terminkalender. Von meiner Wohnung im schwäbischen Hinterland bin ich nach Frankfurt gefahren. Die Presseleute warteten schon im Haus von Krokodiltrainer Orazio Martino. Blacky, der aus Film und Fernsehen bekannte Alligator, hat im Blitzlichtgewitter erstaunlich lange stillgehalten. Die Bilder mit der kleinen Schlange um meinen Hals zu schießen war für den Fotografen dann nur noch Routine. Derweil konnte Blacky wieder ungestört vor sich hindösen und warten, bis es Futter gibt.


Verrückt auf Viecher

Ich liebe Tiere über alles. Daher habe ich die Chance ergriffen, mein Hobby zum Beruf zu machen. Die Gründerin einer bereits etablierten Filmtieragentur ging ins Ausland. Als Franchisenehmerin von "Ingeborg's Animals" trat ich ihre Nachfolge an. Ich war entschlossen, mir auf dem weiten Feld von Foto, Film und Werbung einen Namen zu machen. Ohne Vorkenntnisse im Medienbusiness war das nicht gerade einfach. Dafür kannte ich mich mit Tieren aus: Während ich noch als Diplom-Bibliothekarin an der Uni Stuttgart arbeitete, machte ich eine Ausbildung zur Tierheilpraktikerin.
Zu den ersten Tieren, die von Filmteams bei mir gebucht wurden, gehörte mein blonder Andiamo. Als Expo-Hund wurde der Hovawart 2000 in Hannover zum Star. Heute zählen Bavaria Film, öffentlich-rechtliche und private Fernsehgesellschaften sowie Fotostudios zu meinen festen Kunden. Dank der Agentur-Homepage laufen die Geschäfte gut. Regisseure können auf meine Kartei im Internet zugreifen und eine Vorauswahl treffen. So habe ich auch die Schimmelstute für den ARD-Fernsehfilm "Das unbezähmbare Herz" vermittelt.
Die Arbeit unter Studioscheinwerfern ist für die Tiere eine große Belastung. In der Regel bin ich deshalb bei den Aufnahmen anwesend und achte darauf, dass meine "Mitarbeiter" von Regisseuren und Fotografen nicht zu sehr strapaziert werden. Wenn allerdings der riesige Blacky oder auch die kräftige Krokodildame Lotte einen ihrer spektakulären Auftritte haben, muss auch der Tiertrainer Orazio Martino aufpassen, mit dem ich häufig zusammenarbeite.


Die besten Jobs von allen


Piranhas im Trend

Bei allen Produktionen herrscht Zeitdruck und die Tiere spüren das. Um zu erkennen, welches Tier sich für welchen Dreh eignet, brauche ich reichlich Gespür. Ich kann aus rund 500 Tieren wählen. Hunde und Katzen werden am häufigsten gebucht. Doch der Trend geht zu Exoten: Piranhas, Schlangen, Bären. Bis auf Wildkatzen erfülle ich jeden Wunsch, sei es ein Eichhörnchen oder ein Rentier mit Schlitten. Ob eine Vermittlung zustande kommt, ist auch eine Frage der Nebenkosten. Einen Elefanten kann ich nicht für ein paar Euro besorgen.
Tierhalter, die sich bei mir melden, schwärmen gerne von den tollen Kunststücken, die ihr Liebling auf Anweisung ausführt. Ob das dressierte Tier die Hürde Cas?ting nimmt, ist damit noch nicht gesagt. Hunde etwa müssen absolut unbefangen im Kontakt mit fremden Menschen sein. Am Set arbeiten viele Leute, da darf das Tier nicht nervös werden. Gut geeignet sind lammfromme Vierbeiner mit hellem Fell. Für manche Auftritte ist ein Spezialtraining nötig. Es gibt Tiere, mit denen man fast alles machen kann. Orazios Mississippi-Alligator Blacky zum Beispiel lässt sich von Wettkandidaten geduldig küssen.
Aufgezeichnet von Werner Hacker
Dieser Artikel ist erschienen am 20.06.2005