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Wie wird man eigentlich Beate-Uhse-Chef?

Otto Christian Lindemann, 47, ein Zwei-Meter-Mann im dunkelblauen Zwirn, Typ Hanseatischer Kaufmann, leitet seit sechs Jahren den Erotik-Riesen Beate Uhse AG. Wie gerät ein Agrarökonom in so eine Branche?
Otto Christian Lindemann, 47, ein Zwei-Meter-Mann im dunkelblauen Zwirn, Typ Hanseatischer Kaufmann, leitet seit sechs Jahren den Erotik-Riesen Beate Uhse AG. Wie gerät ein Agrarökonom in so eine Branche? Die Fragen stellte Ulrike Heitze

Der Alltag
Die Ausbildung
Die Laufbahn
Das Leben

Der Alltag
Dildos, Pornos, Reizwäsche - das Foyer der Flensburger Konzernzentrale der Beate Uhse AG sieht so aus, wie man es von ihr erwartet. Nicht so Lindemanns Chefbüro: Die junge Dame, die in roten Dessous auf dem einzigen Bild an der Wand posiert, könnte auch aus einer Karstadt-Postwurfsendung stammen. Der Chef der Beate Uhse AG muss es nicht so nackt um sich haben.

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Mit wie viel Sex beschäftigen Sie sich am Tag eigentlich?
Die Frage wird mir oft gestellt: Was machen Sie eigentlich am Tag? Nur Sex oder was? - Nein, ich komme nicht gleich morgens mit einem Vibrator ins Büro. Sofern ich nicht auf Reisen bin, schmeiße ich morgens in der Regel gegen acht, halb neun meinen Rechner an, und dann ist mein Tag relativ wenig von Sex begleitet. Ich muss nicht wissen, ob sich ein Vibrator zurzeit mit 18 oder 19 Zentimetern besser verkauft. Dafür haben wir unsere Experten im Haus. Bei mir geht es eher um Zahlen, Fakten und Entscheidungen, die sich in der Führung eines Unternehmens abspielen. Wir haben in der Gruppe über 60 Tochtergesellschaften. Die müssen geführt werden.

Beate Rotermund, die legendäre Unternehmensgründerin, war jahrzehntelang das Gesicht von Beate Uhse. Wie lebt man mit so einem Erbe?
Als sie 2001 starb, hat das mir und den Mitarbeitern sehr leid getan. Sie war eine beeindruckende Frau. Gleichzeitig habe ich mir aber auch ums Unternehmen Gedanken gemacht. Beate war ja auch eine Marke, die wir nutzen konnten. Mit ihrem Tod standen wir vor der Herausforderung, Beate Uhse allein fortzuführen und weiterzuentwickeln. So war es der richtige Zeitpunkt, die Marke zu modernisieren. Wir haben viel fürs Image getan und ich glaube, es ist uns ganz gut gelungen, das Unternehmen von der Person Beate Rotermund abzukoppeln.

Sie sehen auch nicht aus wie ein goldkettchenbehangener Halbweltzampano. Fühlen Sie sich als Cheferotiker akzeptiert?
Alle kannten Beate Rotermund - mit ihren schillernden Ketten und vielen Farben. Dann kommt ein Neuer: Lindemann. Und der hat auf einmal einen dunklen Anzug an. Klar , da mussten sich manche erst mal dran gewöhnen. Das hat sich aber gegeben. Ich bin kein Typ, der jede Show mitnehmen muss. Insofern habe ich wohl meinen Weg gefunden

Wie arbeitet man sich als Newcomer in solch ein Thema ein? Nimmt man die Produktpalette mit nach Hause?
Natürlich, die Kataloge et cetera nimmt man mit nach Hause, und guckt die ersten Tage und Wochen da rein. Das würden Sie aber auch tun, wenn Sie bei Mercedes oder Porsche anfangen. Da gucken Sie auch nach den Formen und Modellen. Auch Beate Uhse unterliegt den gleichen ökonomischen Regeln wie andere erfolgreiche Firmen. Wir haben Umsätze, wir haben Kosten - und Gewinne. So funktioniert es überall.

Ab einer gewissen Hierarchiestufe ist es also egal, ob man Autos, Joghurtbecher oder Erotikartikel verkauft?
Es spielt sicher keine so große Rolle mehr, als wenn Sie hinter der Ladentheke sitzen oder sich um den Einkauf kümmern würden. Je höher man kommt, desto wichtiger wird's, die Weichen zu stellen, die richtigen Leute um sich zu scharen und zu motivieren. Dennoch: Auch als Vorstand muss ich ein Gefühl für die Produkte, für Märkte und Kunden haben, aber nicht bis ins letzte Detail.

Wie passt die bodenständige Flensburger Mittelstandsrealität zum schillernden Erotikmarkt?
Das ergänzt sich sehr gut. Auf der einen Seite, die Spannung und der Sexyappeal, der die Leute kaufen lässt und uns zum Marktführer macht, auf der anderen die cleveren Kaufleute, die das Geld der Aktionäre nicht aus dem Fenster werfen. Wenn das Geld in der Kasse ist, wird es vernünftig und bodenständig eingesetzt, um es zu mehren. Das ist unsere Methode. Als börsennotiertes Unternehmen haben wir eine hohe Verantwortung: die Investoren wollen ihr Geld gut angelegt wissen

Ist Ihnen bei einem Bewerber der perfekte Lebenslauf wichtig?
Noten spielen nicht die alles entscheidende Rolle. Wichtiger ist die Persönlichkeit und welche Erfahrung sie mitbringt. aus dem Ausland und Sprachen zum Beispiel. Leute müssen sich international gut bewegen und auch die Mentalität der anderen gut verstehen können. Das halte ich für wichtig. Unsere Gruppe ist sehr international aufgestellt, da braucht man das

Sie haben in den letzten ein, zwei Jahren mehrere Übernahmeanläufe wieder aufgegeben. Nagt so etwas an Ihnen?
Nein. Condomi haben wir uns angeschaut und geprüft und am Ende sind wir zu dem Schluss gekommen, diese Firma nicht zu kaufen. Das ist ein ganz normaler Prozess, den man als Unternehmer macht. Das wurde ein bisschen aufgebauscht in den Medien. Penthouse tut mir ein bisschen mehr leid. Die Marke hätten wir gerne gehabt, aber im Endeffekt war das zu teuer für uns. Das hätte das Ganze gefährdet. Aber wer weiß, vielleicht haben wir in zwei, drei Jahren noch mal die Gelegenheit was zu kaufen. Wir geben nicht so schnell auf.

Muss man als Führungskraft mutig sein?
Ja. Das haben die Amerikaner uns Deutschen voraus: Die packen was an und wenn es daneben geht, sagen die sich: ?Okay, es ging schief, aber wir haben es versucht. Wir machen das neu.' Den Mut, etwas anzupacken, vermisse ich häufig in Deutschland. Wenn irgend etwas schief läuft - Sie nannten eben unsere Penthouse- und Condomi-Anläufe - dann ist das so. Wir haben unsere Chance genutzt, aber es war zu teuer. Wir haben es nicht gemacht. Das Unternehmen an sich hat keinen Schaden genommen. Es kommt immer wieder eine neue Chance, und wir halten die Augen offen

Nervt es Sie, bei Veranstaltungen als der "Erotik-Chef" im Rampenlicht zu stehen?
Im Grunde bin ich ein konservativer Mensch, der Understatement liebt. Keiner, der gleich mit jedem Film durch die Gegend wedelt und ihn wie Sauerbier anpreist. Aber die sechs Jahre bei Beate Uhse haben mir eine Bühne bereitet, auf der ich auch ganz gerne stehe. Wenn man sagt, man kommt von Beate Uhse, hat man auf jeden Fall Aufmerksamkeit.

Was muss eine Führungskraft am dringendsten mitbringen?
Soziale Kompetenz.

Warum?
Sie müssen die Leute mitnehmen und klar machen können, warum Sie eine Entscheidung treffen. Entscheidungen sind nicht immer für alle Beteiligten angenehm, aber anhören kann man sich die Argumente und Meinungen der Leute auf jeden Fall. Deshalb würde ich mir wünschen, dass Leute wieder mehr zuhören. Das gilt auch für die Politik. Die entscheiden was, aber sie führen nicht

Welche Werte sind Ihnen wichtig?
Ehrlichkeit. Meinen Leuten, aber auch den Kunden gegenüber. Wir verkaufen ein sehr privates Produkt und der Kunde muss sich mit seiner Intimität bei uns gut aufgehoben fühlen. Integrität ist mir auch sehr wichtig. Ich halte mich für einen integren Menschen, erwarte das aber auch von meinem Umfeld. Man kann mir alles sagen. Ich liebe das offene Wort. Und in unserer heutigen Zeit finde ich Fürsorge den Mitarbeitern gegenüber essenziell. Ein halbwegs sicherer Arbeitsplatz ist schon ein hohes Gut. Dafür muss sich eine Firma einsetzen - auch wenn man manchmal um Entlassungen nicht herum kommt

Wie motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Wir lassen unseren Leuten ziemlich viele Freiheiten und pflegen ein sehr offenes Verhältnis. Wenn es Probleme gibt, sprechen wir drüber, rücken es gerade und dann ist es wieder gut. Ich höre ganz gerne zu, in der Regel finden wir auch einen Konsens. Der Lohn muss natürlich auch passen. Wenn die Ziele erreicht werden, dann gibt es auch noch einen Schnaps oben drauf. Aber nur über Geld zu führen, ist völlig falsch. Das Umfeld muss stimmen. Vor einigen Wochen sind wir zum Beispiel alle per Bus nach Amsterdam gefahren, um uns die neue Lagerhalle bei unserer neuen Tochtergesellschaft anzugucken. So etwas führt natürlich zu einem deutlich besseren Zusammenhalt.

Haben Sie lernen müssen, sich in der Branche zu bewegen?
So schillernd und anders wie sich das manche vorstellen, ist das gar nicht. Auch unsere Branche läuft nach kaufmännischen Regeln. Sie kaufen Waren möglichst günstig ein und vermarkten sie. Nur dass wir eben nicht über Autoteile verhandeln, sondern über Toys, Filme oder Mieder. Ein ganz normales Geschäftsgebaren, wenngleich sicherlich Pornofilme oder Liebeskugeln mehr Stoff für die Fantasie bieten als Schrauben.

Was würde Sie an einem Mitarbeiter am meisten stören?
Hintenrum-Geschichten. In meinem Raum das sagen und den Leuten draußen das Gegenteil. Das finde ich scheußlich und verwerflich

Wie findet man es als Firmenchef, wenn in anderen Unternehmen die Beate Uhse-Seiten ständig geblockt werden?
Stimmt, davon höre ich gelegentlich. Das nervt mich nicht sonderlich. Die Leute können ja nach Feierabend kommen.

Womit würde sich ein Bewerber bei Ihnen aus dem Rennen kegeln?
Wenn jemand sagen würde, Sex und so findet er nicht so gut, könnte er zu Hause bleiben. Zukünftige Mitarbeiter müssen zu dem Thema stehen. Und dann checken wir, ob der Bewerber zu uns passt. Kommt er gut rüber? Haben wir dieselben Werte? Haben wir eine Perspektive für ihn? Passt er ins Team?

Wie versichert jemand glaubhaft, dass ihm das Thema Sex liegt?
Das merken Sie. Wenn man über die Produkte spricht, den Katalog anguckt, sehen Sie, wie er reagiert. Aber es wird sich wohl auch niemand bewerben, wenn er irgend welche Probleme mit dem Thema hätte. Wer keine Autos mag, bewirbt sich schließlich auch nicht bei Porsche. Und das Problem, dass jemand zu exaltiert mit dem Thema umgeht, hatten wir auch noch nie

Die Ausbildung
Otto Christian Lindemann, 47, wächst als Ältester von vier Brüdern auf einem Bauernhof im schleswig-holsteinischen Meldorf auf. Kühe melken, Getreide ernten, den Acker bestellen - als Bauernsohn auf dem platten Land lernt er anzupacken und gewinnt eine pragmatische Sicht auf die Welt. Nach dem Abitur zieht es den Zwei-Meter-Mann in die Stadt. In Kiel studiert er zunächst Agrarökonomie, danach Wirtschaftswissenschaften mit Schwerpunkt Controlling and Finance

Sie sind der älteste Sohn einer alt eingesessenen Bauernfamilie. Übernimmt man da nicht normalerweise den Hof?
Dazu hatte ich keine rechte Lust. Mir fehlt der Bezug zum Rindvieh. Ackerbau finde ich schöner, aber den gab's bei uns nicht so viel. Den Hof hat einer meiner Brüder übernommen. So ganz von dem Thema konnte ich mich damals aber noch nicht lösen und habe erst mal Agrarwissenschaften studiert.

Waren Sie ein zielstrebiger Student?
Ja, ich denke schon. In den ersten beiden Semestern ging es zwar mehr um Bier trinken, Heiratsmarkt und so. Aber danach habe ich mich angestrengt

Haben Sie als Student gejobbt?
In den Ferien habe ich auf Bauernhöfen Felder gepflügt und eingesät. So richtig mit Trecker und allem Drum und Dran. Das mache ich ausgesprochen gerne. Auch heute setze mich auf den Trecker, wenn Not am Mann ist

Die Laufbahn
Nach dem Diplom startet Lindemann 1986 als Consultant beim Wirtschaftsprüfer und Unternehmensberater BDO: Zwei Jahre Paris, eins in Luxemburg, drei in der Hamburger Zentrale. 1992 wird er abgeworben und kaufmännischer Leiter der Fielmann-Tochter MPA. Zwei Jahre später wechselt er als Finanzchef zur Hamburger Reederei Leonhardt & Blumberg, ein Unternehmen aus dem Dunstkreis seiner Familie. Das problematische Verhältnis wird 1997 von einem Headhunter beendet: Lindemann heuert als Geschäftsführer des Telefonbauers Hagenuk an. 2000 wechselt er als Vorstandssprecher der Beate Uhse AG ins Erotikfach

Warum sind Sie mit einer solch landwirtschaftlichen Vorbelastung ausgerechnet in der Beratung gelandet - zumindest zunächst einmal?
Zum einen fand ich die agrarnahen Bereiche als Arbeitgeber nicht so spannend. Zum anderen wollte ich unbedingt etwas im Ausland machen. Bei BDO konnte ich nach Paris und Luxemburg gehen

Sie haben mittlerweile ziemlich viele Branchen durch. Absicht oder Zufall?
Beides. Damals in der Beratung habe ich mir gezielt die Frage gestellt, ob ich dabei bleiben möchte oder nicht. Und mich bewusst dagegen entschieden. Ich wollte auf die andere Seite des Schreibtischs. Dann kam eben Fielmann, Hagenuk und so weiter. Da habe ich nicht zielsicher von vornherein gesagt, ich möchte Telekommunikation oder so machen. Nach Hagenuk hätte es auch was anderes sein können. Beate Uhse war purer Zufall

Sie waren Geschäftsführer von Hagenuk und wollten dennoch weg. Ist das für einen Chef nicht etwas ungewöhnlich?
Hagenuk war zu der Zeit schon sehr viel kleiner als zu seinen Glanzzeiten und letztlich sah ich da keine Zukunft mehr. Der Handy-Boom ebbte ab. Und gegen Nokia und Ericcson war Hagenuk nur noch ein kleiner Player.

Und dann kam der Headhunter?
Ja, dann kam wieder ein Headhunter. Es war an einem Sonntag abend. Ich guckte mit meiner Frau "Tatort", als das Telefon ging. Als er dann von einem interessanten Job in Flensburg anfing, blieben je nur drei Möglichkeiten: Punkte, Bier oder Beate Uhse. Als er dann Beate Uhse sagte, hab ich einen Blick auf meine Frau geworfen und mit dem Telefon erst mal das Zimmer gewechselt.

Was er zu sagen hatte, kann aber nicht so schlecht gewesen sein.
Wir haben uns eine halbe Stunde unterhalten. Anschließend habe ich meiner Frau davon erzählt. Die ist erst mal vom Hocker gefallen. Um Gottes Willen! - Aber ich fand das so spannend, dass ich doch nach Flensburg gefahren bin und Beate getroffen habe. Wir haben uns drei, vier Stunden über Gott und die Welt unterhalten und ich war relativ schnell vom Unternehmen begeistert, von der Person sowieso. Meine Frau konnte ich schnell überzeugen, meine Eltern haben um einiges länger gebraucht, sich dran zu gewöhnen

Wie sind die ausgerechnet auf Sie gekommen?
Ich weiß auch nicht so genau. Ich vermute mal, dass die bei den Banken gefragt haben. Da war ich ja schon relativ bekannt.

Das Leben
Lindemann ist mit einer Juristin verheiratet und führt eine Wochenendbeziehung zwischen Kulturprogramm in Hamburg und üppiger Natur in Flensburg. Eine gesunde Work-Life-Balance ist ihm wichtig, die Wochenenden bleiben arbeitsfrei. Hingebungsvoll frönt er dem Golfsport - verschweigt aber schamhaft sein Handicap. Weitere Hobbys: Sex, Sex, Sex - kleiner Scherz - und Trecker fahren. Kein Scherz

Wie wichtig waren Mentoren für Sie in der bisherigen Laufbahn?
Bei BDO hatte ich erfahrene Partner, die mich an die Hand nahmen und mir zeigten, wie das Geschäft geht. Aber danach hatte ich eigentlich keine Mentoren mehr, sondern habe meinen Weg immer selber gesucht.

Es geht also auch noch ohne?
In einem großen Konzern ist es gewiss entscheidend, einen Ziehvater zu haben. In den mittelständischen Unternehmen, in denen ich bisher war, war das nicht nötig

Was bedeutet Karriere für Sie?
Ich halte sie für etwas sehr Schönes, Angenehmes. Ich bin sehr zufrieden mit meiner Karriere bisher. Ich konnte dabei immer ich selbst sein. Das halte ich für wichtig. Viele wollen Karriere auf Teufel komm raus machen und vergessen alles um sich herum. Das macht krank, beeinträchtigt auch Familie und Freunde. Das wäre nicht die Karriere, die ich mir vorstelle.
Hat sich Ihre Einstellung dazu im Laufe der Jahre verändert?
Als ich jünger war, hatte ich das Gefühl, es muss in schnelleren Schritten nach oben gehen. Mit mehr Erfahrung bekommt man dann ein anderes Tempo. Man verliert nicht den Biss, aber dieses Ungestüme, das nach vorn fixierte "Ich will Geschäftsführer sein" lässt nach

Was war Ihr größter Erfolg?
Zu erkennen, wo meine Stärken liegen und sie so einzusetzen, dass es gut für mich ist - und für die Firma. Na ja, ich könnte ja jetzt auch für mich verbuchen, dass ich Beate Uhse da und da hingebracht habe. Aber das war nicht allein meine Leistung. Das haben wir alle gemeinsam getan.

Und wo liegen Ihre Stärken?
Ich kann den Leuten gut sagen, wo es lang geht. Die Leute vertrauen und glauben mir. Und wenn ich etwas partout möchte, dann geht es auch.

Welcher Job wäre gar nichts für Sie?
Die kreativen Bereiche sind sicher nichts für mich.

Was wollen Sie noch erreichen in Ihrem Leben?
Ich möchte gesund und glücklich bleiben, meine Familie und die Freunde behalten. Und es wäre schön, wenn ich eine so tolle führende Position, wie ich sie hier bei Beate Uhse habe, weitermachen dürfte, so lange, wie es mir Spaß macht und es geht.

Aber es geht auch ohne Beate Uhse?
Man weiß vorher nicht, was im Leben noch alles kommt. Ich bin jetzt sechs Jahre hier. Ich habe meinen Vertrag für weitere drei Jahre verlängert, und das finde ich sehr schön. Ob ich bis zur Rente bei Beate Uhse bleibe, kann ich heute nicht sagen. Ich konnte auch vor 20 Jahren nicht sagen, dass ich bei BDO oder bei Fielmann lande.

Wie oft ist Beate Uhse Thema in Ihrem Bekanntenkreis?
In den ersten Jahren hat mich natürlich jeder angesprochen. Mit der Zeit hat sich ein gesundes Maß eingestellt, so dass es absolut kein Problem ist. Im Gegenteil. Viele Freunde und Bekannte finden es ganz spannend. - Mensch, bring doch mal was mit

Wann machen Sie abends im Büro das Licht aus?
Manchmal um 18 Uhr, manchmal sehr viel später. Aber ich nehme mir auch bewusst Abende frei, um was mit meiner Frau, meiner Familie oder Freunden zu unternehmen. Und die Wochenende sind im Allgemeinen fürs Büro tabu

Wo schwächeln Sie?
Das weiß ich nicht. Um Schwächen kümmere ich mich gar nicht, nur um Stärken. Die sollte man ausbauen

Wäre ein Großkonzern interessant für Sie?
Direkt nach der Uni war es das mal, ja. Ich hatte Angebote von Großunternehmen. Wegen des konkreten Auslandsangebots habe ich mich dann aber für BDO entschieden. Heute liebe ich meine Position bei Beate Uhse. Ob ich also in einem Großkonzern arbeiten wollte, weiß ich nicht. Vielleicht, wenn ich da Chef wäre.

Sind Sie ein Kopf- oder ein Bauchtyp?
Je höher ich im Beruf gekommen bin, desto wichtiger ist für mich der Bauch geworden. Jedenfalls, wenn es um Führung, Stimmung und Intuition geht.

Woran erkennen man, dass es Zeit für eine Veränderung ist?
Wenn man das Gefühl hat, dass sich Dinge, die man bewegen kann, erschöpft haben, es nicht voran geht und keinen Spaß mehr macht. Dann sollte man was Neues machen

Wie wichtig war in Ihrer Karriere der Rückhalt der Familie?
Sehr. Auf meinem ganzen Lebensweg waren meine Frau und meine Familie immer eine wichtige Stütze. Es gibt immer Dinge, die mal daneben laufen und Blessuren hinterlassen. Da schätze ich den Austausch mit meiner Frau oder auch mit der Familie und Freunden sehr. Andere Meinungen hören ist wichtig

Wie gehen Sie mit sehr schwierigen Entscheidungen um?
Indem ich sie entscheide. So oder so. Niemand nimmt einem die Entscheidung ab, wenn man für etwas verantwortlich ist. Also besser zügig - aber nicht unüberlegt - rangehen. Ob es falsch oder richtig war, weiß man eh erst hinterher.

Wenn Sie sich einen anderen Job suchen müssten, was wäre das - außer pflügen?
Ich bin kein Forscher oder Tüftler. Es müsste schon etwas sein, was sich im Handelsbereich abspielt. Das könnte ich mir gut vorstellen. Wobei mir aber auch die Politik zunehmend Spaß macht. Ich empfinde die letzten Jahre zunehmend mehr Ärger, aber auch mehr Interesse daran. Für später, viel später, könnte ich mir vorstellen, da mal aktiv zu werden

Was imponiert Ihnen ganz besonders an anderen Menschen?
Lebensfreude, Offenheit. Aber auch Mut: Wenn jemand eine nötige, aber für sich oder sein Umfeld schmerzhafte Entscheidung tatsächlich trifft und auch durchführt, das imponiert mir

Schleppen Sie das Unternehmen mit nach Hause?
Meine Frau und ich versuchen, meinen Beruf schon ein Stück weit vom reinen Privatleben zu trennen. Das halte ich für wichtig und richtig. Wir müssen auch mal abschalten können. Aber klar, so ganz trennen lässt sich das nie.
Dieser Artikel ist erschienen am 07.11.2005