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Wie wird man eigentlich BCG-Chef?

Man sieht sie täglich im Fernsehen, in der Zeitung oder als Redner auf irgendwelchen Podien - doch wie sind Unternehmens-Chefs eigentlich dahin gekommen, wo sie heute stehen? Wie sind sie ihre berufliche Laufbahn angegangen? Wo hat es gehakt? - karriere hat bei Dieter Heuskel, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, nachgefragt.
Man sieht sie täglich im Fernsehen, in der Zeitung oder als Redner auf irgendwelchen Podien - doch wie sind Unternehmens-Chefs eigentlich dahin gekommen, wo sie heute stehen? Wie sind sie ihre berufliche Laufbahn angegangen? Wo hat es gehakt? - karriere hat bei Dieter Heuskel, Deutschland-Chef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group, nachgefragt.Die Ausbildung
Die Laufbahn
Der Alltag
Das Privatleben

Die Ausbildung

Dieter Heuskel wird 1950 in Daun, in der Eifel, geboren. Als Schüler betreibt er, um sein Taschengeld zu verdienen, mit einem Schulkameraden einen kleinen Laden namens Pupil's Shop, in dem sie nachmittags Bücher, Jeans und Platten verkaufen. Das Geschäft übersteht sogar das erste Jahr seines VWL-Studiums in Bonn: Zwei Wochen studieren, zwei Wochen den Laden schmeißen, jeweils im Wechsel mit dem Freund. Nach dem Studium promoviert Heuskel drei Jahre am wirtschaftspolitischen Lehrstuhl in Bonn über "Direktinvestitionen in Entwicklungsländer" und untersucht für die Industrie und die Europäische Union Entwicklungshilfeprojekte zum Beispiel in Liberia, Togo und Niger.

Was wollten Sie als Kind werden?
Eigentlich nur älter, erwachsen.

Warum haben Sie gerade VWL studiert?
Dass es Wirtschaft werden sollte, war klar. Ich habe mich dann für VWL in Bonn entschieden, weil mir wegen unseres Ladens die Nähe nach Hause wichtig war und weil das Fach breit angelegt ist. So habe ich neben BWL als Hauptfach auch intensiv Geld-, Währung- und Entwicklungspolitik machen können, was mich sehr interessiert hat.

Waren Sie ein eifriger Student?
Bis zur Zwischenprüfung war ich eher jemand, der 50 Prozent studiert und in der anderen Hälfte jede Menge anderer Sachen gemacht hat. Um über die Runden zu kommen, habe ich viel gearbeitet.
Nach der Zwischenprüfung mit lauter durchschnittlichen Noten wollte ich's auf einmal wissen: Bin ich tatsächlich durchschnittlich? Da kam dann langsam der Ehrgeiz. Und es hat tatsächlich funktioniert mit dem "mehr Aufwand reinstecken und ein besseres Ergebnis erzielen".

Als was haben Sie gejobbt?
Ich hatte praktisch jede Woche irgendwelche neuen Tagesjobs: Filmrollen aufsortieren für den Versand an Schulen, Vorgärten bearbeiten, auf Baustellen und in chemischen Werken aushelfen.

Was stand in Ihren Zeugnissen?
Eines hat sich eigentlich immer durchgezogen: "Kämpft immer so viel." oder "Die Auseinandersetzung nicht scheuend". Ansonsten standen da aber auch immer nette Dinge drin.

Was wollten Sie nach dem Studium machen?
Ich wollte die Ausbildung fortsetzen und zwar in Kombination mit Geld verdienen. Und auch ein bisschen Zeit gewinnen, um mir klarer zu werden. So war mein Ziel nach dem Studium eine Promotion mit einer Assistenten-Stelle am Lehrstuhl.

Warum sind Sie anschließend nicht an der Hochschule geblieben?
Zum einen war für mich die Promotion am Ende dann auch eine sehr große Pein. Das Verhältnis zwischen dem, was man einfach an bisheriger Literaturmeinung zusammenfasst und der eigentlichen Eigenleistung schien mir, gelinde gesagt, etwas "schwierig". Und ich hatte den Eindruck, dass man zuwenig bewegen kann. Nur Gedanken bewegen, ist nicht genug. Ich habe auch gern Menschen bewegt.

Die Laufbahn

Nach der Promotion unterschreibt Dieter Heuskel Mitte 1980 bei der Boston Consulting Group. Die Unternehmensberaterkultur schwappt gerade erst aus den Staaten herüber. BCG Deutschland hat erst ein Büro in Deutschland: München, mit 28 Beratern. Nur wenig später geht Heuskel mit einigen Kollegen nach Düsseldorf, um dort ein weiteres BCG-Büro zu gründen. Im Mai 86 wird er Partner, dann Senior Partner. 1995 bittet ihn der damalige US-Chef Clarkeson eine weltweite Strategie-Praxisgruppe zu leiten. 1998 wird er von den Partnern zum Chef von Boston Consulting Deutschland gewählt. Mit 246 Millionen Euro Inlands-Umsatz ist BCG die Nummer Drei im Umsatz in Deutschland hinter McKinsey und Roland Berger und laut Fink-Studie die Nummer 1 in puncto Kundenzufriedenheit. Zwei Drittel des Umsatzes werden mit Kunden erzielt, die schon über fünf Jahre ununterbrochen mit BCG zusammenarbeiten.

Welche Optionen hatten Sie nach Ihrer Promotion?
Da war zunächst die Frage, ob ich in der Entwicklungspolitik bleibe: Weltbank oder Entwicklungshilfeministerium. Und ich habe mich auch ganz normal bei Unternehmen beworben. - Dann gab es eben noch so eine obskure Branche, die gerade in Deutschland anfing: die Unternehmensberater. Amerikanische Gesellschaften mit klangvollen Namen, unter anderem Boston Consulting, aber auch McKinsey.

Was wären das für Alternativen in der Wirtschaft gewesen?
Ich hatte ein unterschriftsreifes Angebot im Bereich Öffentlichkeitsarbeit bei einem nordrhein-westfälischen Energieversorger, der STEAG. Das fand ich auch sehr spannend.

Warum ist es dann doch die Beratung geworden?
Als ich mit meinem Professoren darüber sprach, zu Boston Consulting zu gehen, haben die die Hände überm Kopf zusammengeschlagen. Was das denn für eine Branche wäre? Man konnte sich gar nicht vorstellen, was die mit Leuten wie mir anfangen konnten. Damals war es eigentlich üblich, MBA-Absolventen zu rekrutieren, aber weil es davon nicht genug gab, experimentierte man mit ganz normaler deutscher Ausbildung: Diplom und Promotion. Wir waren so ein bisschen die Versuchskaninchen. Aber das war eine faszinierende neue Welt. Ich hab mich mit einem gehörigen Maß Neugier für BCG entschieden.

Unterschied sich das damalige berufliche Umfeld vom heutigen?
Ich habe den Eindruck, dass die Wege damals eingeengter waren. Ein Volkswirt aus Bonn, mit guten Noten, ging ins Bundeswirtschaftsministerium. Wenn man dort angenommen worden war, war die Welt in Ordnung. Es waren geradere Wege - aber auch weniger Freiheitsgrade.
Ich finde, heute ist der Optionenraum viel größer. Viel freizügiger. Es ist völlig klar, dass ich als Medizinerin oder Ingenieur zu BCG kommen kann. Das führt natürlich aber dazu, dass ich mich entscheiden muss und Alternativen habe. Aber darin kann ich eigentlich keinen Nachteil sehen.

Aber man kann so natürlich auch in Entscheidungsstress geraten?
Wenn ich mich für eine Richtung entschieden habe, kann ich sie ja heutzutage auch jederzeit wieder ändern. Physikstudium in Göttingen, Strategieberater bei BCG und danach Textilunternehmer im Baltikum - solche Lebensverläufe sind heute ganz normal, das war früher anders: Wenn man mal im Wirtschaftsministerium war, kam man da auch so schnell nicht wieder raus. Auch in einem Unternehmen. Heute ist der Quereinstieg und das Wechseln völlig normal. Also da würde ich mir beim ersten Job nicht so viel Sorgen machen.

An welchen Stellen haben Sie Ihre Laufbahn geplant?
Eigentlich gar nicht, zumindest nicht langfristig. Die Perspektive war immer: "Was mache ich die nächsten zwei und später dann die nächsten drei bis fünf Jahre. Da stelle ich mir dann die Frage: Was macht mir mehr Spaß? Wo finde ich die größere Erfüllung? Macht es für mich und meine Familie Sinn? Ich würde auch heute nicht sagen, dass ich einen Plan habe, wie es die nächsten zehn, 20 Jahre weitergeht.
Es gab mal ein Unternehmen, das ich beraten habe, das mich für sich gewinnen wollte. Das war noch vor der Partnerbeförderung. Ich habe das Angebot sehr ernsthaft abgewogen und mich gemeinsam mit meiner Frau dagegen entschieden.

Wie hat sich ihr Job bei BCG im Laufe der Jahre verändert?
Die erste Phase ist wirklich, das Handwerk zu lernen: vernünftig analysieren, gut strukturieren und sich klar ausdrücken, später dann Teams führen. Das hat sicherlich die ersten fünf, sechs Jahre beansprucht.
Dann kommt die nächste Phase, wo man sagt: Jetzt möchte ich bestimmte Branchen oder Kunden intensiv betreuen. Mehr als nur Projektarbeit. Ich will eine Beziehung aufbauen, wo ich auch ständiger Sparringspartner des Unternehmens bin. Für meine zwei wichtigsten Kunden arbeite ich seit 23 Jahren. Die ersten Projekte gab es 1982/83. - Das gibt eine ganz andere Art Befriedigung, wenn man Personen und Unternehmen über die Jahre hinweg persönlich begleitet.
Und das Zweite, was sich verändert hat, ist, dass ich mir immer wieder neue Themen gesucht habe. Oder gefragt wurde, neue Themen anzugehen. Da galt es neue Teams zu motivieren und die neuen Themen zu durchdringen.

Der Alltag

20. Stock im Düsseldorfer Stadttor, sagenhafter Blick über den Rhein und die Stadt - Renommieradresse, sogar noch einige Etagen über Jürgen Rüttgers in seinem neuen Büro in der Staatskanzlei. Dieter Heuskels Büro ist mit rund 15 Quadratmetern nicht größer als das seiner Mitarbeiter - nur eben ein Einzelzimmer. Die Kunst an den Wänden - zurzeit große Fotografien - sucht er selber aus. Der große rote Tisch, der das Zimmer beherrscht, ist frei von Unterlagen, Ordnern, persönlichem Schnickschnack, dafür Laptop und Handy griffbereit. Das Büro eines Beraters, der viel Zeit auf Projekten verbringt. Nur auf dem Sideboard hinter der Tür stapeln sich Wimpel, Kelche und Briefbeschwerer, mit dem Signé vieler prominenter Unternehmen - seiner Kunden. Trophäen für langjährige Partnerschaften.

Sind Sie jetzt als Deutschlandchef auch noch beim Kunden tätig?
Ja, mehr als die Hälfte meiner Zeit. Die Arbeit beim Kunden ist für mich heute genauso spannend und erfüllend wie ich sie als junger Consultant erlebt habe. Und bei uns ist es eigentlich auch Kultur, dass wir die administrativen und Managementaufgaben nicht als Hauptzweck dessen sehen, was wir hier tun.

Was ist Ihnen wichtig, im Alltag rüberzubringen?
Mich treibt in erster Linie, Unternehmen wettbewerbsfähiger zu machen und damit voranzubringen. Und ich möchte das ganz bewusst in Deutschland tun, weil ich hier den gesellschaftlichen Bezug habe.

Wie sieht ein normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
Normal ist eigentlich gar nichts, aber wenn ich, wie heute, in Düsseldorf bin, stehe ich um sechs Uhr auf und gönne mir ein ausgiebiges Frühstück mit Eiern von unseren Hühnern. Bevor ich zwischen acht und neun im Büro bin, hab ich dann schon drei Zeitungen durch. Wenn kein Abendessen mit Kunden angesetzt ist, geht's abends bis acht oder neun. Ansonsten wird's elf, halb zwölf.

Ein langer Tag?
Ja, aber ich finde, zwölf Stunden am Tag sind absolut zumutbar in diesem Beruf. Ich versuche, die Wochenenden freizuhalten und dann vielleicht nur einen halben Tag, Sonntag nachmittag, ein bisschen die Woche vorzubereiten. Und ansonsten bin ich halt viel unterwegs. Internationale Kunden, Meetings mit den BCG-Partnern. Dann geht's halt rund um die Uhr?

Wann war ein Tag ein guter Tag?
Wenn sich etwas bewegt hat; ein neuer Gedanke entstanden ist, eine Entscheidung gefallen ist, Maßnahmen greifen.

Wann war ein Tag schlecht?
Wenn Vertragsverhandlungen, bei denen man sich im Kern einig ist, in Haarspaltereien über Nebensächlichkeiten versanden. Endlosdebatten in fensterlosen Flughafenhotels. Offenkundig nutzlos verbrachte Zeit macht mich wahnsinnig.

Was war Ihr größter Erfolg im Berufsleben?
Wenn es etwas gibt, worauf ich stolz bin, dann sind das erfolgreiche Entwicklungen bei langjährigen Kunden, zu denen wir einen Beitrag geleistet haben. Das finde ich richtig gut. Und natürlich bin ich stolz auf die Entwicklung von BCG.

Wie gehen Sie mit Unerfreulichem um?
Sich möglichst schnell Dingen widmen, an denen man Freude hat und einen Erfolg sieht. Sich nicht zu lange mit Dingen aufhalten oder aufhalten lassen, wo Sisyphus aus der Ferne ruft.

Mit was motivieren Sie Ihre Mitarbeiter?
Ich glaube, dass ich inhaltlich für mich immer begründen muss, warum ich etwas tue und warum das sinnvoll und wichtig ist. Und dann kann ich begeistern.

Wann haben Sie den letzten Kaffee gekocht?
Ich koche jeden Morgen zuhause meinen Tee, hol mir in der Büroküche mein Wasser und bring meine Gläser weg.

Kein Killer fürs Image?
Im Gegenteil! Ich finde es wirklich wichtig, ganz normal zu sein und auch zu bleiben. Es geht mir nicht in den Kopf, warum man - weil man mehr Geld verdient oder eine herausgehobene Führungsrolle hat, das Recht haben sollte, andere abfällig zu behandeln oder gar ausnutzen oder für sich einen Sonderstatus zu reklamieren. Da werd ich echt böse.

Welche Eigenschaften muss man in den oberen Etagen mitbringen?
Man muss motivieren, Sinn geben können. Das sind hier alles hochintelligente Menschen, wenn ich denen sage, es geht nur darum Geld zu verdienen, oder einen Auftrag zu akquirieren, dann wären die Räume hier innerhalb eines halben Jahres leer. Und man muss authentisch sein, das ist, glaub ich, sehr wichtig.

Wie führen Sie?
Ich lasse sehr viel Freiraum und versuche zu animieren. Wenn die Ergebnisse dann kommen, bin ich ganz normales Teammitglied - mit sehr dezidierter Meinung.

Und mit dem letzten Wort?
Ich lasse mich überzeugen - ich frage mitunter aber penetrant nach.

Kann man sich ohne Auslandsaufenthalt und Prädikatsexamen einen steilen Werdegang abschminken?
Nein, nicht wenn man gut begründet, warum man das tut, was man tut. Statt ein verschämtes "Ich habe nicht?" sollte man das selbstbewusst angehen und sagen, was man stattdessen gelernt hat. Das könnte sogar fast wieder ein Wettbewerbsvorteil sein.

Woran erkennt man, dass es im Job Zeit für Veränderung ist?
Wenn man das Gefühl hat, 9 bis 17 Uhr tut's auch.

Fangen Sie dann aktiv an, neue Herausforderungen zu suchen?
Das ist so eine Mischung aus erst Vorstellung und Tun. Das zeigt sich, in dem, was man liest, was man tut, welche Gedanken man sich macht, mit wem man sie bespricht, was man zu Papier bringt, wem man das zeigt. Die Dinge kommen dann ins Rollen. Meistens bemerken das auch die anderen, und häufig wird dann etwas an einen herangetragen.

Kann man "Karriere machen" wollen?
Nein. Ich würd's niemandem empfehlen.

Ist der Unternehmertypus, der im Hause Karriere macht, noch zeitgemäß? Sind Nach-oben-Wechsler im Kommen?
Mein Eindruck ist, dass beide Formen mittlerweile gleichberechtigt nebeneinander stehen, auch zahlenmäßig. Aber einzelne Unternehmen haben ganz klar eine Präferenz für das eine oder das andere. Wer also gerne öfter wechseln will, sollte nicht unbedingt dort hingehen, wo verstärkt auf interne Beförderung gesetzt wird. Ich selbst habe eine Präferenz für Eigengewächse. Es tut mir um jeden Mitarbeiter leid, der uns verlässt.

Was stößt Sie an einer anderen Person am meisten ab?
Arroganz - und Ignoranz. So etwas vertrage ich überhaupt nicht.

Auf was könnten Sie gerne verzichten?
Administrative Arbeiten sind lästig. Und Verspätungen von Flugzeugen ohne Erklärungen für die Kunden.

Welcher Job wäre gar nichts für Sie?
Fraktionsvorsitzender einer Partei wäre mein Albtraum. Zwingend dem Konsens und irgendwelchen Strömungen unterworfen zu sein. Im schlimmsten Fall muss er die Truppen hinter etwas versammeln, was in der Sache falsch ist, aber dem politischen Kalkül dient.

Wenn Sie sich einen anderen Job wählen müssten, welcher wäre das?
Ich kann mir schon vorstellen für die Weltbank Direktor für Afrika oder Teile davon zu werden. Afrika spielt in der weltweiten Aufmerksamkeit tragischerweise nur eine Rolle, wenn es um Aids oder Unruhen geht. - Doch, das fände ich eine sehr spannende Aufgabe.

Wie verbringen Sie Ihre Mittagspausen?
Ich habe schon als Schüler für mich die Vorstellung entwickelt, dass es möglich sein muss, mittags eine Stunde in Ruhe zu essen, Leute zu gucken und sich zu unterhalten. Ich find's schrecklich, wenn Essen zur reinen Nahrungsaufnahme wird.

Das Privatleben

Dieter Heuskel ist verheiratet, hat einen Sohn, 25, und eine Tochter, 24. Beide studieren -aus freien Stücken - BWL. Auf seinem Grundstück in der Nähe von Düsseldorf hält er, der frischen Hühnereier wegen, ein Dutzend freilaufender Hühner, denen aber demnächst ein Zaun droht - wegen des Fuchses. Seine Abende und 1 œ Tage-Wochenenden verbringt er mit Schwimmen, als Quartalsgolfer, mit moderner Kunst und gutem Wein.

Darf Work-Life-Balance beim Berufsstart ein Thema sein?
Für mich war zum Beispiel der Wechsel nach Düsseldorf ein Weg meine Worklife-Balance aktiv zu gestalten. Meine Frau war mit unserer Tochter schwanger, unser Sohn gerade geboren. Deshalb war es für mich ein wichtiges Thema nach Düsseldorf zu ziehen, um die Kunden vor Ort zu haben und die Reisezeiten gering zu halten.
Ich glaube aber, man muss da sehr realistisch sein und die Rollenverteilung mit dem Partner genau besprechen. Wie viel arbeitet der, wer bleibt zu Hause etc. Wenn man das nicht tut, ist die Enttäuschung später groß, und das gibt jede Menge unguter Gefühle.

Wie groß ist für einen Unternehmenschef die Kluft zwischen Büro und Zuhause?
Bei uns herrscht eine ziemliche Symbiose: Meine Familie kennt alle Kollegen. Wir haben Sommerfeste zuhause. Das ist unheimlich verwoben.
Eine sehr gute Erdung ist, wenn ich in meinen Geburtsort in die Eifel komme. Da ist man derjenige, der man mal war, und nicht der, der man glaubt, geworden zu sein. Man taucht zurück in das normale Leben.

Was ändert sich im Leben, wenn man an der Spitze steht?
Ich glaube, man lebt ein Stück weit immer mit der Frage: Lebe ich das, was BCG bedeutet, nach innen und außen? Man versucht nicht nur man selbst zu sein, man ist immer auch öffentliche Person. Wobei es natürlich eine große Hilfe ist, in einer Partnerschaft wie bei BCG immer in Teams eingebunden zu sein, auch bei der Führungsverantwortung und dem Auftritt nach außen.

Was sind Ihre Stärken und Ihre Schwächen?
Emotionen - in beide Richtungen. Keine Chance, daran mal was zu ändern.

Sie spielen Golf. Haben Sie ein Handicap?
Ich spiele ein bisschen - aber schlecht, ganz schlecht. Ich halte mich für ein tolles Talent, aber ich komme nie zur Entfaltung. Im Frühjahr lege ich immer enthusiastisch los, habe dann zwei, drei ganz schlechte Runden und höre für den Rest des Jahres wieder auf. Aber es macht einfach Spaß.

Also keine Geschäftsabschlüsse beim Golfen?
Noch nie. Da würde wahrscheinlich auch nie einer bei mir unterschreiben. Die würden denken: Wenn der so arbeitet, wie er Golf spielt, dann war's das.

Welche Leidenschaften haben Sie noch?
Ich bin seit Jahren ein begeisterter Wein-Mensch. Ich kaufe gerade mit einem befreundeten Winzer einen kleinen Weinberg im nördlichen Piemont zusammen. Immer wenn ein Stückchen zu haben ist, kaufen wir das zu. Bis er komplett ist.

Und dann im Alter als Winzer?
Nein, ich halte nichts von diesem Sequenzdenken. Ich finde, man muss die Dinge parallel machen.

Die besten Jobs von allen

Dieser Artikel ist erschienen am 17.06.2005