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Wie viel ist ein deutscher MBA wert?

Wer nur auf den vermeintlich günstigen Preis schaut, macht leicht eine Milchmädchenrechnung. Nicht wie viel ein MBA kostet, sondern wie viel er bringt, ist die eigentliche Frage.
Der Mann weiß, wie er sein Publikum umgarnt: ?Deutsche MBA-Absolventen sind weltweit sehr gefragt?, erklärt Nuncio Quacquarelli, Chef des MBA-Messeveranstalter QS Ltd. Botschaft: Deshalb kommet alle auf die ?World MBA Tour?, damit wir euch zeigen, wo Milch und Honig fließen ...Neben dem soliden Eigeninteresse, möglichst viele deutsche Interessenten auf seine MBA-Messen in Frankfurt (20.10.) und München (25.10.) zu locken, hat Quacquarelli auch Zahlen zu bieten. ?Wir führen jedes Jahr weltweit mehrere Befragungen unter MBA-Absolventen und Recruitern durch.? So verdienen nach dem letzten ?International Recruiter Survey? MBA-Absolventen bei einem Arbeitgeber mit Hauptsitz in Deutschland im Durchschnitt 89  141 US-Dollar. Das ist zwar deutlich weniger als die 108 372 Dollar, die man in Großbritannien holen kann, aber da fließen die astronomischen Gehälter im Londoner Investment-Banking und der starke Pfund-Kurs mit ein.

Die besten Jobs von allen

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Denn es kann nicht oft genug wiederholt werden: Einen Marktwert hat nicht der MBA an sich, sondern nur der MBA dieser oder jener Schule. ?Wer einen MBA macht, erhofft sich von dem Abschluss einen Karrieresprung, meist verbunden mit einem höheren Gehalt. Für den Lebenslauf und somit für die Karriere ist ein MBA-Abschluss aber nur so viel wert wie der Ruf der verleihenden Hochschule bei Recruitern?, erklärt Annegret Zurawski, Akademische Direktorin an der Gisma Business School in Hannover.Mit anderen Worten: Wer einen Harvard- oder Insead-MBA macht, der bekommt Harvard- oder Insead-Gehälter. Die anderen eben nicht. Das legt den Finger auf eine Grundproblematik des deutschen MBA-Marktes, wo es mittlerweile über 150 MBA-Programme gibt ? oder solche, die sich so nennen. Und kostet ein ?guter? MBA in Europa oder den USA oft zwischen 50000 und 100000 Euro, gibt es hierzulande schon MBA-Angebote zwischen 10000 und 15000 Euro.?Ein oberflächlich preiswerter MBA entpuppt sich aber im Nachhinein häufig als die schlechtere Variante?, erklärt Gisma-Frau Zurawski. Die eigentliche Frage ist nämlich nicht, wie viel ein MBA kostet. Die entscheidende Frage ist, wie viel er (gehaltsmäßig) bringt. Wer für 10000 Euro einen MBA macht, mit diesem aber keinen Job bekommt, für den war der MBA ein Schuss in den Ofen, eine Fehlinvestition. Wer 100000 Euro investiert und eine brillante Karriere macht, der hat die Investition nach wenigen Jahren wieder heraus.?Man muss sich schon fragen, warum so viele Leute zu zweifelhaften MBA-Anbietern in Deutschland laufen?, wundert sich der MBA-Direktor einer führenden Schule, der ungenannt bleiben möchte. ?Ein Teil der Leute wird sicherlich in die Irre geführt, vielleicht auch aus Unkenntnis oder Naivität. Ein Teil will sich aber ganz einfach einen MBA-Titel kaufen, auch wenn der eigentlich nichts wert ist. Das sind die Blender und Aufschneider. Wir nennen sie die Visitenkarten-MBAler.?Das richtige Kalkül ist also, das Gehalt nach Abschluss mit den Kosten des MBA-Programms in Beziehung zu setzen, also den Return on Investment zu kalkulieren. Solche Absolventengehälter veröffentlichen mittlerweile die meisten guten MBA-Schulen. Natürlich: Durchschnittsgehälter sind eine Angabe, die von den Business-Schools wunderbar manipuliert werden können. Der Begriff suggeriert, dass tatsächlich die Gehälter aller Absolventen eines Jahrgangs der Berechnung zugrunde liegen. Das ist aber nie wirklich der Fall, beruht die Erhebung doch auf Freiwilligkeit. Auch werden schon einmal Absolventen, die keinen Job gefunden haben, nicht erfasst, und eine zusätzliche Schwierigkeit stellen unterschiedliche Gehaltsniveaus im In- und Ausland dar.Gleichwohl sind die Angaben der guten deutschen Schulen eine Orientierungshilfe. So gibt die Handelshochschule Leipzig, die eines der besten MBA-Programme anbietet, für ihre Absolventen, die einen Arbeitgeber innerhalb der EU gefunden haben, für die letzten Jahre ein Durchschnittsgehalt von 60000 Euro an. Auf diesem Niveau liegen auch Gisma-Absolventen.Die Mannheim Business School gibt für die Absolventen ihres ?European MBA? ein Durchschnittsgehalt von 67 000 Euro an. ?Wir haben aber festgestellt, dass das Einstiegsgehalt unserer Absolventen stark vom Land abhängig ist, in dem der erste Job angenommen wird, sowie in Deutschland auch von den deutschen Sprachkenntnissen?, sagt Mannheim-Chef Christian Homburg. ?Außerdem spielt die Branche eine Rolle: Im Consulting liegen die Gehälter deutlich höher als in der Industrie oder im Finanzbereich.? Oder ist vielleicht alles doch ganz anders, fragt Quacquarelli: ?Vielleicht sind deutsche Absolventen international deshalb so begehrt, weil es nach wie vor so wenige von ihnen gibt??       Christoph Mohr
Dieser Artikel ist erschienen am 15.10.2007