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Wie schreibe ich eine Magisterarbeit?

Susanne Weber
Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften sind oft unsicher, wenn sie ihre Magisterarbeit in Angriff nehmen ? obwohl sie bereits 7, 10 oder 14 Semester Studium hinter sich haben, ist ihnen nicht klar, wie eine theoretische Magisterarbeit aufgebaut sein soll. Dabei gibt klare Anhaltspunkte, wie eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben ist.
1. Die Themensuche
2. Einlesen
3. Absprache mit dem Betreuer
4. Entwicklung einer Arbeitshypothese
5. Exposé erstellen
6. Einleitung
7. Theoretischer Rahmen
8. Hauptteil

9. Fazit
10. Kriterien der Benotung
11. Formale Aspekte
Literatur zum Thema
Studierende der Geistes- und Sozialwissenschaften sind oft unsicher, wenn sie ihre Magisterarbeit in Angriff nehmen ? obwohl sie bereits 7, 10 oder 14 Semester Studium hinter sich haben, ist ihnen nicht klar, wie eine theoretische Magisterarbeit aufgebaut sein soll. Dabei gibt klare Anhaltspunkte, wie eine wissenschaftliche Arbeit zu schreiben ist; wenn man diese berücksichtigt, ist der Grundstein für eine erfolgreiche Abschlussarbeit gelegt.

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1. Die ThemensucheWer das Thema seiner Magisterarbeit selbst bestimmen kann, hat den Vorteil, dass ihn das Gebiet auch wirklich interessiert. Der Nachteil: Ein geeigneter Forschungsgegenstand findet sich nicht über Nacht. Man muss sich einlesen und Stück für Stück einer Fragestellung nähern, die im Rahmen einer Magisterarbeit zu beantworten ist.Optimal ist es, ein Gebiet zu wählen, indem man sich bereits auskennt. Ein persönlicher Bezug ist hilfreich: Wer eigene Erfahrungen im Kopf hat, findet leichter Zugang zu relevanten Fragestellungen. Zudem sollte man sich von pragmatischen Kriterien leiten lassen: Gibt es ausreichend Literatur? Aber nicht so viel, dass man Jahre braucht, um sich einen Überblick zu verschaffen? 2. EinlesenZunächst sollte man sich einen umfassenden Überblick über den Stand der Forschung verschaffen und dabei auch die aktuellste Literatur berücksichtigen. Nur so ergeben sich sinnvolle Problemstellungen, die nicht längst schon beantwortet oder einfach nicht mehr relevant sind.Man muss nicht jedes Buch von vorne bis hinten lesen; gerade für den Einstieg ist das aber bei einführenden Werken sinnvoll. Später genügt dann ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis, um festzustellen, welche Passagen lohnend sind. Je mehr man sein Thema eingrenzt, umso mehr erschließt sich, wonach man in der Literatur Ausschau halten muss und umso souveräner kann man vieles überschlagen.Eine große Hilfe ist es, von Anfang an alle Quellen zu notieren von Ausführungen, die für die eigene Arbeit relevant werden könnten; idealerweise mit Seitenzahlen, da dann Formulierungen nachgeschlagen und besonders prägnante Sätze wörtlich zitiert werden können. Allerdings sollten immer nur Kerngedanken notiert werden. Optimal ist es, diese Notizen so früh wie möglich nach Gliederungspunkten zu sortieren. 3. Absprache mit dem BetreuerWie intensiv die Betreuung verläuft, ist ganz unterschiedlich. Essentiell ist es, im Vorfeld grob das Thema abzustimmen. Danach kann man tiefer einsteigen und braucht dann ein zweites Mal das ?OK? von oben, was die Gliederung der Arbeit betrifft. So läuft man nicht Gefahr, schon vom Ansatz her daneben zu liegen.Ist einmal geklärt, wohin die Reise geht, sind weitere Besprechungen nicht unbedingt notwendig ? manche Professoren lassen ihre Studierenden ganz bewusst mit der Ausführung allein, damit diese ihre Selbständigkeit unter Beweis stellen können.4. Entwicklung einer ArbeitshypotheseWichtig ist es, das eigene Forschungsanliegen klar vor Augen zu haben, denn nur so kann sich ein roter Faden durch die Arbeit ziehen. In einer wissenschaftlichen Arbeit wird nicht nur Wissen angehäuft, sondern es geht darum, eine These aufzustellen und diese anhand von wissenschaftlichen Quellen zu argumentieren und zu belegen - oder auch zu widerlegen.Hilfreich ist es, in einem Brainstorming Unteraspekte des Themas zu sammeln und alle nur denkbaren Fragestellungen zum Thema aufzulisten. Die Fragestellung beinhaltet nur einen kleinen Ausschnitt aus dem Problemspektrum und muss präzise formuliert und beantwortbar sein.Mit der Antwort auf diese Frage sollte der theoretische Rahmen, auf den sich die Fragestellung bezieht, ergänzt werden. Diese Fragestellung zu finden und klar zu formulieren, ist meist der schwierigste Part an der ganzen Arbeit. Es ist hilfreich, wenn man selbst eine Meinung zum Thema hat, denn letzten Endes geht es darum, den eigenen Standpunkt begründet darzulegen. Dazu gehört es, das Gelesene kritisch zu hinterfragen und auch Gegenargumente zu finden.Ist die Arbeitshypothese gefunden, sollte danach der Titel der Arbeit formuliert werden. Dieser bringt auf den Punkt, was in der Arbeit bewiesen werden soll. Den Titel der Arbeit sollte man nie aus den Augen verlieren - er hilft dabei, sich auf die Fragestellung zu konzentrieren und nicht auf Abwege zu geraten. Wer über die Auswirkungen von Gehaltserhöhungen auf die Arbeitsmotivation schreibt, sollte sich nicht mit dem Betriebsrat beschäftigen.Zwei Fragen dienen der Orientierung:
Was will ich wissen? (Entwicklung der Leithypothese)
Wozu will ich es wissen? (Eingliederung in einen theoretischen Rahmen)
5. Exposé erstellenWer seine Fragestellung gut strukturiert darlegen kann, hat das Schwierigste schon fast hinter sich gebracht. Auch hier hilft ein Brainstorming weiter: Welche Aspekte behandelt meine Arbeit? Wie lassen sich diese sortieren? Unter welchen Oberbegriffen kann ich einzelne Punkte zusammenfassen? Vorsicht: Leicht schmuggeln sich Punkte ein, die die eigentliche Fragestellung nur am Rande berühren. Weg damit!Das Exposé muss enthalten:
Das Problem: Welches Thema ist Ausgangspunkt meiner Arbeit? Die Leithypothese: Welche Frage soll beantwortet werden? Was soll bewiesen/widerlegt werden? Der Forschungsstand: Aktueller Stand, offene Fragen. Worin liegt die Bereicherung dieser Arbeit? Die Vorgehensweise: Wie soll die Frage beantwortet werden, wie werden die Quellen ausgewertet? Das Material: Welche Quellen werden ausgewertet? Die Gliederung: Welche Themenbereiche werden wie strukturiert?
6. EinleitungIn der Einleitung erläutert man die Fragestellung, formuliert die Arbeitshypothese und begründet die Relevanz der Arbeit für den Fachbereich. Damit verbunden ist die Darstellung des Forschungsstandes, da sich daraus noch offene Fragestellungen ableiten. Außerdem sollte die Vorgehensweise erläutert werden. Schön ist es, wenn die Arbeit mit einem griffigen Aufhänger beginnt, der das Interesse des Lesers weckt ? auch Professoren langweilen sich nur ungern. Vielleicht findet sich eine aktuelle wissenschaftliche Studie zur Thematik? Oder ein Zeitungsartikel? Oder es gibt gerade eine wissenschaftliche oder gesellschaftliche Diskussion, auf die man sich beziehen kann?Des weiteren werden die Schlüsselbegriffe der Arbeit definiert. Oft existieren viele verschiedene wissenschaftliche Definitionen; daher lässt sich nur sauber argumentieren, wenn man sich auf eine Definition festgelegt.Über die Länge der Einleitung bestehen ganz unterschiedliche Vorstellungen ? zu klären ist, ob in dem entsprechenden Fachbereich eher eine Seite oder zehn Seiten üblich sind. Eventuell werden einige der genannten Aspekte nicht unter der Einleitung, sondern unter separaten Punkten dargelegt.7. Der theoretische RahmenDie Arbeit muss eingebettet sein in einen theoretischen Rahmen aus der wissenschaftlichen Disziplin, in der die Arbeit geschrieben wird. Die eigene Forschung findet schließlich nicht im luftleeren Raum statt, sondern bezieht sich auf Erkenntnisse der Wissenschaft. Der Stand der Forschung soll durch die eigene Arbeit erweitert werden. Die Ergebnisse der eigenen Arbeit sollen eine bestimmte, in der Wissenschaft geläufige Theorie ergänzen und optimieren, unter Umständen auch Schwachstellen oder Handlungsbedarf aufdecken. Dieser theoretische Rahmen kann in der Einleitung oder auch als separater Gliederungspunkt dargelegt werden8. HauptteilIm Hauptteil wird die Fragestellung aufgenommen und behandelt ? nicht mehr und nicht weniger. Es werden Fakten unter der entwickelten Fragestellung zusammen getragen. Gefragt sind im wesentlichen nicht eigene Erkenntnisse, sondern solche, die bereits in der Wissenschaft formuliert wurden. Eigene Interpretationen und Schlussfolgerungen gehören größtenteils in den Schlussteil.Zu entwickeln ist eine widerspruchsfreie Argumentationskette, die eine Antwort auf die Problemstellung gibt. Ausschließlich Aspekte, die notwendige Teilschritte in der Argumentationskette sind, sind aufzuführen. Die einzelnen Kapitel sollten sinnvoll aufeinander aufbauen. Möglich ist eine chronologische Reihenfolge oder der Übergang vom Allgemeinen ins Spezielle (oder umgekehrt). Eine klare Struktur ist wesentlich zum Verständnis des Textes.Bevor man anfängt zu schreiben, sollte man skizzieren, was die Hauptaussage eines jeden Kapitels ist. Dabei sollte der Bezug zur Fragestellung der Arbeit deutlich werden. In jedem Kapitel wird ein Argument dargelegt. Idealerweise bauen die einzelnen Stichworte logisch und schlüssig aufeinander auf. Jedes Kapitel kann mit einem kurzen Resümee abgeschlossen werden oder indem man pointiert den Zusammenhang zwischen Kapitel und Fragestellung verdeutlicht. Daran kann sich ein kurzer Ausblick auf das nächste Kapitel anschließen.9. FazitDie Essenz der Arbeit sollte hier verdeutlicht werden und die Fragestellung beantwortet werden. Hat sich die Hypothese bestätigt oder wurde Sie widerlegt? Die wichtigsten Argumente werden noch einmal prägnant aufgeführt. Die Einleitung und das Fazit müssen sich aufeinander beziehen und zusammen eine sinnvolle Einheit ergeben.Es sollte außerdem Bezug genommen werden auf den theoretischen Rahmen, der durch die Ergebnisse der Arbeit ergänzt wird. Inwieweit ergänzen die Ergebnisse die Theorie, widerlegen oder bestätigen sie?Der Schlussteil kann abgeschlossen werden durch einen Ausblick: Welche Konsequenzen ergeben sich aus den Ergebnissen dieser Arbeit? Welche Fragen sind offen geblieben und eignen sich daher für weitere Untersuchungen? Zum Fazit gehören eigenständige Schlussfolgerungen. Ein eigenes Urteil zu haben gehört zum wissenschaftlichen Arbeiten dazu; pures Auflisten von Fakten ist nicht angebracht.10. Kriterien der BenotungEigenständigkeit
Die Arbeit sollte einen Erkenntnisfortschritt enthalten und eine eigenständige Sichtweise und Argumentation vorliegender Erkenntnisse vermitteln. Die eigenständige Sichtweise sollte aber keine Behauptung sein, sondern durch Fakten belegt werden.

Übereinstimmung
a) zwischen in der Einleitung dargestellter Fragestellung und im Schlussteil dargestellten Ergebnissen
b) zwischen der Definition und der Verwendung von Begriffen
c) zwischen Titel und Inhalt der Arbeit

Argumentation
Ist die Argumentationskette lückenlos und in sich widerspruchsfrei?

Einleitung, Hauptteil, Schluss gemäß ihrer dargelegten Aufgaben

Theoretische Fundierung: Bezug auf eine in der Wissenschaft relevanten Theorie

Sprache: Ist die Arbeit klar, verständlich und gut formuliert?

Die Arbeit enthält nicht:
a) Behauptungen statt Fakten
b) ungerechtfertigte Wiederholungen
c) Zitierfehler, fehlende Quellenangaben
d) Gliederungsfehler
e) sprachliche Mängel, Rechtschreibfehler
f) Trivialitäten

11. Formale AspekteZu beachten sind auch die formalen Anforderungen an eine wissenschaftliche Arbeit, die mit dem Betreuer zu klären sind und von Universität zu Universität und Studiengang zu Studiengang unterschiedlich gehandhabt werden.Klären sollte man den gewünschten Seitenumfang der Arbeit, das Layout, ob eine Danksagung Usus ist, was auf das Titelblatt gehört und welche Zitierweise üblich ist. Weiterführende Literatur zum ThemaAriane Charbel: Schnell und einfach zur Diplomarbeit
Umberto Eco: Wie man eine wissenschaftliche Arbeit schreibt
Helga Esselborn-Krumbiegel: Von der Idee zum Text.
Norbert Franck, Joachim Stary: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens
Thomas Plümper: Effizient schreiben
Wolfram E. Rossig, Joachim Prätsch: Wissenschaftliches Arbeiten
G. Rückriem et. al.: Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens: eine praktische Anleitung
Wolf Schneider: Deutsch für Kenner
Manuel R. Theisen: ABC des wissenschaftlichen Arbeitens
Wolfgang Winter: Wissenschaftliche Arbeiten schreiben
Dieser Artikel ist erschienen am 01.04.2005