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Wettlauf der Laborratten

Foto: Pixelquelle.de
Das Reich der Mitte mausert sich von der Werkbank der Welt zum globalen Labor. 1,3 Prozent seines Bruttoinlandsprodukts gibt China bereits für Forschung und Entwicklung (F&E) aus und wird damit 2007 Japan von Platz drei in der Rangliste der Forschungsnationen verdrängen. Mit großen Steuererleichterungen macht China seinen Unternehmen das Forschen schmackhaft.
EU-Industriekommissar Günter Verheugen warnt schon vor einer ?dramatischen Aufholjagd?.

Von diesem Forschungsboom profitieren auch ausländische Unternehmen. Bisher haben sie in China vor allem Produkte für den lokalen Markt entwickelt, nun wandern ganze F&E-Abteilungen nach Fernost. Anfang November eröffnete Siemens sogar ein Grundlagenforschungszentrum mit 200 Mitarbeitern in Peking, bis 2008 sollen 100 weitere Leute eingestellt werden. ?Im Bereich Forschung und Entwicklung wird China noch stark expandieren?, prophezeit Richard Hausmann, Chef der China-Sektion bei Siemens. ?Wir nutzen die Vorteile, die das Land für die Entwicklung globaler Anwendungen bietet.? Das deutsche Unternehmen, das bereits 2.500 Forscher und Entwickler an 16 chinesischen Standorten beschäftigt, arbeitet eng mit den Top-Universitäten des Landes zusammen und ist einer der größten Patentanmelder in China.

Die besten Jobs von allen


Auch BASF plant, die Anzahl seiner bisher 100 F&E-Mitarbeiter in Fernost zu erhöhen. ?China hat exzellente Forscher in der Biotechnologie und den Materialwissenschaften?, lobte Jürgen Hambrecht, BASF-Vorstandschef und Vorsitzender des Asien-Pazifik-Ausschusses der deutschen Wirtschaft, am Rande einer Euroforum-Konferenz. Bisher profitieren vor allem Chinesen von den neuen Jobs, nur wenige Ausländer forschen im Reich der Mitte. Doch das könnte sich bald ändern. Denn Chinas Bildungssystem ist laut Markus Taube, Direktor des Instituts für Ostasienwirtschaft an der Universität Duisburg/Essen, nicht in der Lage, den steigenden Bedarf des Landes an qualifizierten Fachkräften zu bedienen. (ao)

Dieser Artikel ist erschienen am 04.12.2006