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Werner Dreesbach

Die Fragen stellte Peter Nederstigt
Zwei Jahre nach dem Verkauf seiner Firma R & O Software Technik stieg Werner Dreesbach 1998 als Partner bei Atlas Venture ein. Die internationale Venture-Capital-Gesellschaft verwaltet momentan 2,9 Milliarden Euro und unterhält Büros in fünf Ländern. Dreesbach leitet die Münchener Niederlassung und betreut das Geschäftsfeld Informationstechnologie.
Atlas Venture hat kürzlich bei seinen Geldgebern mehr als eine Milliarde Euro Wagniskapital für junge Unternehmen gesammelt. Haben Sie im Augenblick keine Angst, diese Rekordsumme gar nicht loszuwerden?

Werner Dreesbach: Nein. Wir investieren dieses Geld in drei Segmente: Informationstechnologie, Communication, also zum Beispiel Technologien, die mit der Übermittlung von Daten zu tun haben, und Life Sciences wie die Biotechnologie – und das in Europa und den USA. Theoretisch stehen uns damit pro Segment und Land im Durchschnitt etwa 70 Millionen Euro zur Verfügung. Allerdings wird die Gesamtsumme auf gar keinen Fall so schematisch aufgeteilt. Uns geht es einfach darum, die besten Technologie-Unternehmen in den USA und Europa zu finanzieren, und nicht geographischen oder vertikalen Bereichen Quoten zu geben, die dann auf Teufel komm raus investiert werden müssen.

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Fast alle Venture-Capital-Gesellschaften (VCs) haben in den vergangenen Jahren übermäßig stark in Internetunternehmen investiert. Das rächt sich jetzt. Was haben die VCs aus den Fehlern gelernt?

Der eigentliche Fehler war, dass die Geldgeber zu stark in Märkte und zu wenig in Unternehmen investiert haben. Das heißt, sie haben die Geschäftsmodelle nicht gründlich genug überprüft, sie haben in Managementteams investiert, die keine entsprechenden Erfahrungen hatten, oder haben einfach andere Fehler gemacht. Jetzt picken sich die VCs wieder die attraktivsten Unternehmen in den einzelnen Märkten heraus. Aber auch jetzt werden sie nicht ausschließlich in mehr konservative Unternehmen mit einem soliden Geschäftsmodell investieren, denn das werden niemals die Yahoos oder Netscapes dieser Welt. Ein VC muss auch weiter die Bereitschaft zum Risiko haben.

Sie haben selbst ein Unternehmen erfolgreich aufgebaut und dann verkauft. Was bringt Ihnen das als Geldgeber?

Die Partner bei Atlas Venture investieren im Durchschnitt in maximal zwei Unternehmen pro Jahr. Dafür beraten wir sehr intensiv. Dabei kann ich auf meine eigenen Erfahrungen zurückgreifen. Ich habe in meinem Unternehmen jeden Fehler gemacht, den ich nur machen konnte – aber jeden nur ein Mal. Jetzt versuche ich, die Unternehmen davor zu bewahren, diese Fehler zu wiederholen. Heute haben Gründer wesentlich bessere Voraussetzungen. Manchmal hat das leider zur Folge, dass sie zu wenig Phantasie entwickeln.
Dieser Artikel ist erschienen am 25.06.2001